Aktuelles

Zeitbelege

„Dieses Problem ist gelöst, andere sind geblieben – ein Zeitdokument ist‘s trotzdem“
„Dieses Problem ist gelöst, andere sind geblieben – ein Zeitdokument ist‘s trotzdem“

Vieles ist anders in diesem Sommer. Sonst, die Freude auf die Ferien und den Urlaub, jetzt die Sorge um gesunde Rück-kehr vom südlichen Bade-sonnenstrand. Auch die preiswerte Alternative der nahen Baggersehen taugt nicht wirklich. Dort gelten ja auch Abstandsvorschriften und Kontaktverbote.

Viele kennen die Zeit vor „Ballerman“ nur aus Erzählungen. Der eigene Garten, die Wochenendausfahrt mit dem Auto, manches ist herrlich verklärt und vergessen. Z.B. die Tatsache, dass der bezahlte  Jahresurlaub nur zwei, später drei Wochen dauerte. Ganz wenige konnten sich einen Urlaub in „bella Italia“ leisten. Davon träumte man und trällerte die Schlager.

Was also jetzt mit den Ferien anfangen? Doch noch wegfliegen, sich auf das Risiko einlassen, bei der Rückkehr in häusliche Quarantäne gehen zu müssen? Oder sich Alternativen überlegen: Verwandte besuchen ist nicht verboten, mit Schulkameraden telefonieren auch nicht, oder sich in einem Biergarten mit halbvergessenen Freunden zu treffen. Eben den Abstand, zu dem Covid-19 zwingt, in einer anderen Ebene auflösen. Mit den Kindern oder den Enkeln etwas Ungewohntes unternehmen: Durch den Wald schlendern, gibt es dort noch Erdbeeren, sind die Brombeeren schon reif? Drachen basteln, weil er Herbst bald kommt. Den Zoo besuchen – eben Sachen tun, für die vor 50 und mehr Jahren als Freizeitvergnügen galten. Wo „Spaß haben“ noch nicht Lebenszweck war.

Unsere „Corona-Zeit“ wird wohl in ein paar Jahrzehnten anders gesehen werden als heute. Im Rückblick seltsam anmuten und vieles wird man anders als heute bewerten. Unser Verein sammelt Belege zur Volkskunde, auch zeittypisches – damit es nicht untergeht. Fotos aus dem Dorf mit Personen, die zum Einkaufen Mund- Nasenschutz tragen. Auch zeittypische Innenaufnahmen von Geschäften. Volkskunde hat viele Aspekte, sie ist kein verstaubtes Hobby für Rentner. Wir werden „nach der Pandemie“ eine Rückschau auf die „Corona-Zeit“ halten. Also sammeln Sie Belege und stellen diese dem Heimatkreis zur späteren Veröffentlichung zur Verfügung.    

(3120)

Vorplanungen auch wegen Corona

 Lichtmess 2021 --  ohne Corona?
Lichtmess 2021 -- ohne Corona?

Mit den Auswirkungen der augenblicklichen Corona Krise auf unseren Verein befassten sich am vergangenen Donnerstag Vorstand und  Beirat.  Sie stellten fest, dass die seitherigen turnusgemäßen Zusammenkünfte im Flehinger Bahnhof noch bis mindestens November ausgesetzt bleiben, und auch in Großvillars bleibt die sonst seit Jahren zusammen mit dem Bürgerverein angebotene Veranstaltung dieses Jahr offen. Man wird sehen, ob sich die Lage bis zur Großvillarser Kirchweih beruhigt. Voraussichtlich kann der anvisierte Termin für die zweite Auflage des Ortsfamilienbuchs Derdingen mit Großvillars gehalten werden. Frau Riedling kümmert sich um die Ergänzungen und Korrekturen. Wir wollen das Buch noch vor Weihnachten vorlegen. Auch der Rundbrief 60 wird spätestens im Advent 2020 erscheinen.

Breiten Raum nahm in der Diskussion die Vorschau auf Lichtmess 2021 ein. Denn im Rück-blick auf dieses Jahr musste man feststellen, dass dieser für Oberderdingen wichtige Termin „ausgedünnt“ gefeiert wurde. Weniger Marktbesucher, weniger Gäste auch im Unterdorf beim Beginn unseres, für Süddeutschland einzigartigen Brauchtums. Der Heimatkreis will sich dafür einsetzen, dass das hiesige Lichtmessbrauchtum nicht weiter zurückgeht. Im Oberdorf ist Markt, aber die Schulkinder werden nach dem Ständchen vor der EGO nun im Unterdorf entlassen. Man beschäftigte sich mit denkbaren Angeboten welche die Kinder veranlassen könnten, mit der Musik ins Oberdorf zu ziehen. Sah aber die Schwierigkeit die bei Kälte oder schlechter Witterung auftritt, wenn der Aufenthalt der Grundschüler im Freien zu lange an-dauert.  Man überlegte weiter, wie man wohl die Kinder aus den Ortsteilen Flehingen oder Großvillars mit ins Geschehen von Lichtmess einbeziehen könnte. Die Diskussion sollte in dieser Richtung weitergehen, damit Lichtmess fest in der Gemeinde verankert bleibt. Was sich ja auch auf den Lichtmesstanz bezieht, der schon immer geboten wurde, ja sogar in der prüden Zeit der Sittenkontrolle durch den Kirchenkonvent gab es ihn in Derdingen, wo Faschingsfeiern mehr als verpönt waren. Die Diskussion über die Frage, wie man das Lichtmesstreiben bei uns stärken kann, sollte weitergehen, man wird sich nun mit der Gemeinde abstimmen.

(3020)

Die Gegenwart ist unser Thema

Fahne des Flehinger Kriegervereins, die vor 100 Jahren noch öffentlich gezeigt wurde.
Fahne des Flehinger Kriegervereins, die vor 100 Jahren noch öffentlich gezeigt wurde.

Unser Verein sichert alte Fotos für unsere Enkel, die vielleicht in dreißig Jahren hier in Oberderdingen leben werden. Zu allen möglichen Themen und Motiven aus der Orts- und Familiengeschichte, eben als Spuren dessen, wie es einmal war. Aus bürgerlichen Foto-alben, Vereinsarchiven, Schuh-kartons und verstaubten Bühnen / Speichern, was in zehn oder zwanzig Jahren vermutlich nicht mehr da sein wird, weil es im Müll landete, oder auswärtigen Verwandten überlassen wurde. Aber Bilder leben im Heute, dessen Hintergrund sie abdecken, die Vergangenheit braucht die Gegenwart, sonst ist sie vergessen, zum Bewahren gehört auch das Weitergeben.

Akzeptieren wir die böse Aussage, wir lebten in einer „Wegwerfgesellschaft“, dann müssten wir jedoch auch definieren was wir brauchen und deshalb behalten wollen. Tiefer verstanden sogar die Frage stellen, wer wir sind, und was wir den nach uns kommenden Generationen weitergeben wollen. Dann verstehen wir, dass allseits offene „Beliebigkeit“ kein Zukunfts-rezept ist. Denn wir würden dann nichts, oder nur Austauschbares weitergeben. Unsere Vergangenheit ist aber weder beliebig noch austauschbar.

In diesem Sinne reflektiert unser Verein Lokalgeschichte oder heutiges Umfeld (Volkskunde). Wie sehen wir einen Vorgang heute, wie sah man ihn früher – und schließlich annäherungsweise, was war damals aufs Lokale bezogen, tatsächlich los. Vor 150 Jahren hatte Frankreich Preußen den Krieg erklärt, weshalb es dann zur Gründung des Deutschen Reiches kam und in Derdingen eine Bismarck Eiche gepflanzt wurde. Eine Fahne hat vor 100 Jahren andere Gefühle als heute angesprochen.

(2920)

Damit nicht alles verloren geht …

Ein „Schützenkönig“ des Flehinger Kleinkaliberschützenvereins aus den 30 er Jahren – wer kennt seinen Namen?
Ein „Schützenkönig“ des Flehinger Kleinkaliberschützenvereins aus den 30 er Jahren – wer kennt seinen Namen?

So gut wie nichts hat sich von verschiedenen kleinen Vereinen im Ort erhalten. Ein paar Split-ter im kollektiven Gedächtnis der Gemeindebürger, die weniger werden und ver-blassen: Wer weiß z.B. noch etwas vom Flehinger Klein-kaliberschützenverein? Man erinnert sich dunkel an seinen Schießstand hinter der Säge-mühle. Vor Ort erkennt man ihn nicht mehr. Fotos fehlen. Vergessen ist, wer seinerzeit Vereinsvorstand war. Auch in der Presse oder in Gemeinde-akten konnte man über den Verein bislang nichts finden. Das Generallandesarchiv in Karlsruhe verwaltet zwar die Akten des ehemaligen Brettener Bezirksamts, dort wird man jedoch auch nicht fündig.

Sicher, der Verein existierte nur im Dritten Reich. Nach 1945 wurde er, weil er als Schützen-verein „militärisch angehaucht“ war, per Gesetz aufgelöst. Hat sich von diesem Verein in der Bürgerschaft wirklich gar nichts erhalten, (fast) keine Fotos, kein Schriftverkehr, Protokolle vom Vereinsgeschehen oder Zeitungsausschnitte? Wäre doch schön, wenn noch Bruchstücke seiner früheren Tätigkeit irgendwo auftauchten, man diese so sichern könnte, dass nicht nur der Name eines früher in die Gemeinde durchaus eingebunden gewesenen Vereins bleibt, wenn auch nur als Schatten seiner früheren Bedeutung. Es wäre wichtig, wenn von denjenigen, die sich in ihm aus sportlichen oder kameradschaftlichen Gründen trafen, noch Fotos gesichert und archiviert werden könnte. Wer hat noch Unterlagen vom Flehinger Kleinkaliberschützenverein? Der Heimatkreis würde sie gerne einscannen und für die Zukunft sichern. 

(2820)

Unser Verein – mit Schwächen und Stärken

Schulkinder vor dem alten Derdinger Schulhaus ca. 1905.“
Schulkinder vor dem alten Derdinger Schulhaus ca. 1905.“

Die Zusammenkünfte im Flehinger Bahnhof sind seit gut einem Vierteljahr ausgesetzt – und das wird wohl wegen Corona auch in nächsten Monaten so bleiben. Ebenso haben wir unsere Exkursionen nach Speyer, Weißenburg und Eberdingen zumindest vorläufig abgesagt. Das ist nicht gut für die Gemeinschaft der Mit-glieder, weil Ziele wegfallen. Andere Angebote sind denkbar, aber noch nicht „reif“, z.B. eine Wanderung zu den „politi-schen Bäumen in unserer Region“, bzw. zu verlassenen Steinbrüchen, die Siedlungsge-schichte erzählen. Wir sind kein eindimensionaler Verein, der sich nur mit „Vergangenheit“ und deren Verästelungen beschäftigt, unser Anspruch ist weitergespannt. Herumgesprochen hat es sich, dass wir alte Fotos sammeln. Nicht als Selbstzweck, sondern weil wir „Zeitge-schichte konservieren“ und für die nach uns kommenden Generationen sichern möchten. Durch die heutige „Digitalfotografie“ wird Überlieferung schlecht gespeichert. Ob es in „normalen“ Haushalten in 30 Jahren noch Geräte gibt um die Clips anzusehen, ist wohl fraglich. Es sind ja heute bei Privaten kaum mehr Videorekorder erhalten, mit denen man sich die Bänder, die um die Jahrtausendwende Speicherstandard waren, ansehen kann. Auch diese Erinnerungen wollen wir sammeln und bitten die Bevölkerung, Videobänder mit Familien- und Ortsbezug nicht wegzuwerfen, sondern im Zweifelsfall uns zu überlassen.

Um (frühestens) 2022 einen weiteren Band der Reihe Ortsfamilienalben mit Aufnahmen aus allen Ortsteilen herauszugeben, sammeln und suchen wir dringend weitere Fotos. Nicht bloß Bilder die in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden, sondern auch und sehr gerne uralte Fotos. So kam letzthin eine Fotografie in unser Archiv, die eine Klasse um 1905 vor dem alten Derdinger Schulhaus zeigt. Nur eine Person ist bekannt, aber das Bild vermittelt exemplarisch das Zeitgefühl um die vorige Jahrhundertwende.

Bitte erlauben Sie uns, Ihre Aufnahmen digital zu speichern, um sie dann in einem Gemeindefamilienalbum zu zeigen. Ansprechpartner für Fotos sind Frau Riedling im Aschingerhaus, Herr Combe in Großvillars und Herr Kowarsch in Sickingen.  

(2720)

Johannis

Johanniskraut kennt man schon seit der Antike.
Johanniskraut kennt man schon seit der Antike.

Als vor 50, 60 Jahren in den Ortskernen der Kraichgaudörfer noch in fast jedem Haus ein bisschen Landwirtschaft betrieben wurde, achtete man -ganz anders als heute- aufs Wetter. Man kannte die Wetterregeln und Lostage. Johanni war auch ohne das in anderen Landschaften oft übliche  Sonnwendfeuer ein fester Termin im Bauernjahr. Johanni lag zwischen Heuet und bald beginnender Ernte, man wusste, dass in einem halben Jahr Weihnachten sein wird. Das Mitte Juni blühende „Johanniskraut“ ist ein Volksmittel gegen viele Leiden gewesen, es hilft bei Fieber und ist ein Wundstillmittel. Den rötlichen Saft der Blütenblätter des Johanniskrauts nennt man „Johannisblut“, er gilt als wunderkräftig, eine unterschwellige Anspielung auf den Märtyrertod des Heiligen.

Johannes der Täufer war der Heilige für Schneider, Hirten und Maurer, er war für das Gedeihen der Weinstöcke und für die Haustiere zuständig. In Osttirol gilt er Johannistag noch als halber Bauernfeiertag. Der Malteserorden (die Johanniter, einer der drei großen Ritterorden), erwählte ihn zu ihrem Beschützer. In Bretten gab es eine Johanneskirche auf dem Salzhoferfriedhof, bei der die Sprantaler und Ruiter früher ihre Toten begraben ließen. Sie wurde 1785 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Die wenigsten Derdinger wissen es: Sprantal gehörte ehedem zum Herrenalber Klosteramt Derdingen. Sprantal kam 1747 an die Pfalz, und 1771 an Baden. Insofern hat Derdingen über Sprantal einen Bezug zu diesem Heiligen, dessen Kirchen oft in der Nähe von Bächen oder Quellen lagen. Übrigens ist Johannes der Täufer, der einzige Heilige, der an seinem Geburtstag, und nicht an seinem Sterbetag gefeiert wird. Am 24. Juni ist Johanni, und das halbe Jahr fast rum.  

                    Vor Johanni bitt um Regen -- Nachher kommt er ungelegen.

(2620)

Recycling

Der Ofenstein ist in einer Hausfassade in der Sickinger Östl. Bahnhofstraße eingemauert. Er zeigt ein bäuerliches Motiv, eine Pflugschar mit einem Pflugsech belegt.
Der Ofenstein ist in einer Hausfassade in der Sickinger Östl. Bahnhofstraße eingemauert. Er zeigt ein bäuerliches Motiv, eine Pflugschar mit einem Pflugsech belegt.

Nachhaltigkeit oder Ressourcenschonung sind heutzutage moderne Begriffe. Aber immer schon handelte die Dorfbevölkerung nach vergleichbaren Grundsätzen.

Mauersteine waren teuer. Man musste sie aufwändig brechen und zur Baustelle fahren, wenn man Ziegel verwendete, waren diese ebenfalls nicht billig. Weshalb man ohne Scheu Abbruchmaterial für einen Neubau verwendete. Da konnte es dann vorkommen, dass unter dem Abbruchmaterial auch verzierte Steine waren. Auch solche, die vorher in keiner Außenmauer steckten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen die großen guss-eisernen Stubenöfen auf, die auf einem Sandsteinfuß ruhten, der gerne ein Handwerks-zeichen oder eine wappenähnliche Darstellung zeigte. Solche Öfen wurden vom Hausgang aus mit Holz geheizt. Kohlen waren vor 200 Jahren hier bei uns kein übliches Heizmaterial. Die zurückbleibende Asche verwendete man im Garten, sie düngte und hielt die Schnecken ab. Diese „deutsche Öfen“ wurden um die vorige Jahrtausendwende unmodern. Wenn bei einem solchen Ofen eine gusseiserne Platte zersprang, brach man den ganzen Ofen ab und ersetzte ihn durch einen modernen Kachelofen oder einen sparsamen „Kanonenofen“, man wollte jetzt auch mit Kohlen schüren. Den unmodernen alten Ofenfuß konnte man als schmucken Mauerstein verwenden.

Weggeworfen wurde früher eigentlich wenig. Kaputtgegangene Sauerwasserkrüge verwendete man als Einfassung von Gartenbeten und gesprungene Dachplatten zur Gartenwegbefestigung. Zersprang ein irdener Kochhafen, so versuchte man ihn zuerst mit einem Drahtgeflecht zu stabilisieren. Ging das nicht, so taugte er zumindest noch als Napf für das Hühnerfutter. Der Bäcker verpackte sein Brot nicht in Tüten und der Kaufmann verpackte das gewünschte Pfund Erbsen in eine selbst aus Zeitungspapier zusammengerollte Tüte. Die Zeiten haben sich geändert…    

(2520)

Mundschutz war schon früher modern

DIE EDEL VND TVGENTSAM FRAV MARGRETHA VON STADION * EIN GEBORENE VON FLEHINGEN
DIE EDEL VND TVGENTSAM FRAV MARGRETHA VON STADION * EIN GEBORENE VON FLEHINGEN

In der Flehinger Kirche auf dem Senselberg hat sich das Grabmal der Margaretha von Stadion erhalten, eine Tochter Erpf Ulrichs von Flehingen und der Anna Hofwart von Kirchheim. Ihr Vater hat bei der Verteidigung Brettens gegen die Truppen des Herzog Ulrich von Württemberg im Jahre 1504 eine Rolle gespielt. Auch dessen Epitaph ist in der evangelischen Kirche zu sehen.

Margaretha von Stadion, 1574 verstorben, ist aufwändig in ein Brokatkleid gewandet, sie schmückt sich mit einer Halskrause und einem wohl goldenen Anhänger. Ganz modern wirken ihre Haube und ihr „Mundschutz“. In Flehingen hörte man früher, diese Maulbinde habe man ihr wegen ihres flinken Mundwerks verpasst, ist aber wohl eher als ein vornehmes Trachtbestandteil aufzufassen.

Ihr Ehemann Hans Ludwig von Stadion, starb schon vier Jahre vor ihr. Er entstammte dem schwäbischen Uradel, dessen Stammsitz in Oberstadion an der Donau bei Ehingen lag. Das Geschlecht derer von Stadion war eine weitverzweigte adelige Familie, sie versahen über mehrere Generationen das Amt als Erbtruchsess des Augsburger Bistums und stiegen später in den Grafenstand auf. In der Habsburger Monarchie war ein von Stadion sogar Innen-minister, ein anderer Gouverneur von Triest, auch in Ungarn hatten sie Güter.

Jedenfalls zeugt schon das Grabmal der Margarethe von Stadion mit ihrem ziemlich modern anmutenden Mundschutz von einer Familie die etwas auf sich hielt, wenn auch ihr Ehemann ausweislich des Hundes zu seinen Füßen ein treuer Ritter in kurpfälzischen Diensten war.     

(2420)

Pfingstlümmel

„Pfingstlümmel 1983“
„Pfingstlümmel 1983“

An Pfingsten ist der Winter vorbei, weshalb die Hirten und Hütebuben das Fest für sich reklamierten. Man „fährt“ mit dem Vieh raus. Der umgangs-sprachliche Ausdruck „geschmückt wie ein Pfingstochs“ erinnert an dieses längst vergangene Wirtschaften. Das leider jetzt in Oberderdingen verschwundene Brauchtum des „Pfingstlümmels“ geht auf Hirtenbräuche zurück. Ihn kennen nur noch die Alten. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte jede Unter- oder Oberdörfer Gasse ihren Pfingstlümmel. Kaum der Schule entwachsene Buben holten sich Hasel- und Erlenzweige und banden einen Kameraden damit von Kopf bis Fuß ein. Groß musste er daherkommen. Wer in dem grünen Zweigbündel steckte, das durfte man nicht erkennen. Er pfetzte mit seiner Rute die Mädchen und machte den kleinen Kindern ordentlich Angst. Nach dem Krieg lebte der Brauch nur noch sporadisch im Unterdorf auf, schlief aber dann in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts endgültig ein.

Alte Originalfotos vom „Pfingstlümmel“ sind nicht bekannt. Wer dennoch ein Originalbild besitzen sollte, das diesen Brauch abbildet, wird herzlich gebeten es zum Abscannen bereitzustellen. Es wäre sehr wichtig solches Brauchtum nicht nur schriftlich sondern auch mit Bildbelegen zu dokumentieren. Übrigens gab es Pfingstlümmel früher auch in Schützingen, Gündelbach und Zaisersweiher. Jetzt ist er auch dort verschwunden. Nur einmal in den 1980er Jahren wurde im Unterdorf ein Pfingstlümmel nachgebaut.      

(2320)

Nichts ist mehr wie früher

Unser geplanter Ausflug nach Oerlinghausen muss warten – vielleicht nächstes Jahr!
Unser geplanter Ausflug nach Oerlinghausen muss warten – vielleicht nächstes Jahr!

Es ändert sich unser Alltag. Gewohntes bricht weg. Auch bei den Vereinen. Blasmusik machen wird schwierig, auch vereinsmäßiges Singen oder trainieren in Mannschafts-sportarten, Fußballspielen vor Publikum fällt aus. Ebenso geht es zurzeit in der geschäfts-mäßigen Verwaltung der Vereine anders zu als früher. Ausschusssitzungen entfallen, nur telefonisch oder über das Internet kann man sich „absprechen“. Nicht alle wollen solche Freizeiteinschränkungen akzeptieren. Und was passiert, wenn eine zweite Corona-Welle kommt? Mundschutz zu tragen und Großveranstaltungen zu meiden wird wohl von der Mehrheit hingenommen, wenn nur so die Wirtschaft und das Geschäft wieder anlaufen können.

Auch unser Verein hat Einschränkungen zu „schlucken“. Die monatlichen Zusammenkünfte im Flehinger Bahnhof sind bis über die Sommerferien hinaus ausgesetzt. Vorgesehene Museumsbesuche fallen aus. Im Juli vor 150 Jahren begann der 70er Krieg. Unsere Vorbereitungen zu einem Besuch auf den Höhen bei Weißenburg, auf denen die Kämpfe begannen, haben wir eingestellt. Der Ausflug ist auf später verschoben, wenn die Grenze nach Frankreich wieder geöffnet ist. Abgesagt ist die vorläufig auch die Fahrt ins Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen, das von Karl Banghard junior geleitet wird. Was wir aber trotz aller Einschränkungen des Gewohnten machen können ist, für die Belange unseres Vereins zu werben. Wir wollen Wissen vermitteln. Unsere Regionalgeschichte ist spannend. Sich damit zu beschäftigen lohnt. Ebenso ist das Gebiet, das man mit „Volkskunde“ definiert, facettenreich und anregend. Unsere Rundbriefe befassen sich mit beidem. Zwei Exemplare erscheinen pro Jahr, auf etwa 140 Seiten erhalten unsere Mitglieder für ihren Jahresbeitrag von 10 € Informationen zu diesem Thema. Den diesjährigen Beitrag wollen wir anfangs Juni einziehen.

Der geänderten „Virus-Großwetterlage“ angepasst, bieten wie jetzt für Neumitglieder, die sich zum Vereinsbeitritt bis 1. September dieses Jahre anmelden, zusätzlich zu den beiden Jahresheften für 2020 auch die Hefte 57 und 58, die letztes Jahr erschienen, als Prämie an. Ist das keine Motivation als Neues Mitglied unserem Verein beizutreten?

(2220)

Rundbrief 59

In einem alten Lautsprecher des ehemaligen Ortsrundfunks Flehingen haben sich Vögel in der Östlichen Bahnhofstraße ihr Nest gebaut. Wir sammeln weiterhin alte Fotos von allen Ortsteilen.
In einem alten Lautsprecher des ehemaligen Ortsrundfunks Flehingen haben sich Vögel in der Östlichen Bahnhofstraße ihr Nest gebaut. Wir sammeln weiterhin alte Fotos von allen Ortsteilen.

Wann immer möglich, achtet der Heimatkreis auf ein aus-gewogenes Themenangebot in seinen Rundbriefen. Einfach ist dies nicht, denn ganz unter-schiedlich ist das Quellen-angebot vor Ort. So haben sich von Flehingen im Gemeinde-archiv mehr Akten erhalten als von Derdingen oder Sickingen. Auch Großvillars ist gut vertreten. Das hängt bei der Derdinger Überlieferung mit „Kriegsverlusten“ zusammen, d.h. mit dem Verbrennen von Akten vor dem Einmarsch der Franzosen und der „Entnazifizierung“ der Überlieferung in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Bei Sickingen gingen Akten verloren, als das dortige Rathaus 1936 nach der Eingliederung nach Flehingen aus-geräumt wurde. Ein bisschen spiegelt der jetzt den Mitgliedern zugestellte Rundbrief 59 die unterschiedliche Aktenzugänglichkeit wieder.

Auf Derdingen beziehen sich Artikel zum Marktrecht und zur Zuwanderung nach dem 30 jährigen Krieg. Ein Thema, das besonders Familienforscher interessieren wird, weil hier Herkunftsorte von Familien genannt werden, die heute noch hier wohnen. Kurt Moser, ein Kunsthistoriker aus Sulzfeld, beschäftigt sich mit einer nach 1976 verschwundenen Inschriftentafel, die früher über dem Haupteingang der Sickinger Magdalenenkirche angebracht war. Der Rückblick auf 1920 ist „badenlastig“, weil Zeitungen aus dem Württembergischen Oberamt Maulbronn der Corona-Krise wegen, nicht zugänglich waren. Macht aber nichts, der Blick in den Kraichgau vor einem Jahrhundert ist nicht uninteressant, und die Verhältnisse im Württembergischen werden damals nicht wesentlich anders gewesen sein. Ein Aufsatz zur Volkskunde geht der Tendenz nach, inwieweit sich die Lebensver-hältnisse in Stadt und Land im letzten Jahrhundert angenähert haben. Großvillars ist mit einem Artikel zu den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs vertreten, und bringt die Vita des in der Jahreshauptversammlung 2020 zum Ehrenmitglied ernannten „Bodendenkmalfinders“ Martin Kößler. Was fehlt, sind Nachrichten zu unseren Partnergemeinden Villar Perosa und Heinfels. Nach unseren Redaktionsrichtlinien für die Rundbriefe wollen wir pro Jahrgang einen entsprechenden Artikel zu unseren Partnergemeinden veröffentlichen. Übrigens haben wir auch in Heinfels Mitglieder. Wir sorgen dafür, dass unsere Vereinsnachrichten auch diejenigen Mitglieder erreichen, die nicht das Ortsblättle beziehen. Grob geschätzt ist dies 1/5 unseres inzwischen auf gut 400 angewachsenen Mitgliederbestandes. Eine Mitgliedschaft in unserem Verein lohnt sich. Für den Jahresbeitrag von 10 € erhält man etwa 150 Seiten Informationen zur Heimatgeschichte und Volkskunde.

Der Rundbrief 59 hat einen Umfang von 68 Seiten und eine Auflage von 500 Exemplaren. Wir erhoffen uns auch in diesem Jahr weiteren Mitgliederzuwachs, da wir eine Zweitauflage der Ortsfamilienalben von Derdingen und Großvillars im Herbst planen. Wir werden diese dann wahrscheinlich mit einer Fotoausstellung der Öffentlichkeit präsentieren. So zumindest die Vorplanung. Aber alles steht unter dem Vorbehalt einer beherrschbaren Entwicklung der Corona-Krise.   

(2120)

Eisheilige

Frostberegnung in der Reblage Gaisberg im Unterdorf im Mai 1960
Frostberegnung in der Reblage Gaisberg im Unterdorf im Mai 1960

Als es noch keine Wetter-vorhersage im Fernsehen gab, wusste man: „Erst Mitte Mai - Ist der Winter vorbei.“ Auf die „Eisheiligen“ achtete man auch in der evangelischen Weinbau-gemeinde Derdingen. Zwar waren die sie betreffenden Heiligenlegenden nicht geläufig, wohl aber war bekannt, dass am 15. Mai die Nachtfrostgefahr in aller Regel vorbei ist. Empfindliche Zierpflanzen wie Dahlien, Gladiolen oder Begonien kamen früher vor diesem Termin nicht in den Garten, auch Bohnen legte man erst etwa Mitte Mai in die Erde, ebenso mussten die Paprikaschoten bis zu diesem Termin warten. Erst nach den Eisheiligen stellt man heute noch Balkonpflanzen, wie etwa Geranien ins Freie. Die in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgetretenen Spätfröste waren für die Reblagen im Unterdorf ein großes Risiko. Weshalb der 1955 gegründete Wasser- und Bodenverband Gaisberg eine Frostberegnungsanlage erstellte. Sie wurde 1993 wieder abgebaut, weil ihre Technik den Einsatz moderner Wirtschaftsmethoden erschwerte, und auch das wärmer gewordene Klima sie überflüssig machte.  

Erfahrungsgemäß tritt in der ersten Hälfte des Mai oft ein Witterungsumschlag ein, weshalb die Kirche früher Bittgänge festsetzte. „Gestrenge Herrn“ waren die Wetterheiligen: Pankraz steht am 12. Mai im Kalender. Der Legende nach kam er als zehnjähriger Knabe nach Rom und wurde in der diokletianischen Christenverfolgung verhaftet und geköpft. Servaz war Bischof von Tongeren, verstarb am 13. Mai 384 (?) als fast hundertjähriger Greis, auf seinem Grab blieb der Legende nach kein Schnee liegen, er konnte über theologische Dinge in allen Sprachen der Welt reden. Bonifaz, „Bonifatius von Tarsus“, ein Märtyrer, der 306 mit siedendem Pech getötet worden ist. Sophia von Rom erlitt ebenfalls während der diokletianischen Christenverfolgung den Märtyrertod. Ihr Gedenktag ist der 15. Mai. Wie heißt es von ihr so treffend: Sophie bringt zum Schluss --  Gern noch einen Regenguss

(2020)

„Klimaänderung”

Hochwasser in Sickingen am 04.08.1931. So wie hier standen zahlreiche Kraichgaudörfer unter Wasser.
Hochwasser in Sickingen am 04.08.1931. So wie hier standen zahlreiche Kraichgaudörfer unter Wasser.

Auch heute kann man in manchen Volkskalendern, z.B. im „Hundertjährigen", nach-schlagen wie das Wetter wohl wird. Gegen diesen Aber-glauben schritt bereits 1779 Friedrich der Große in Preußen ein und verbot die Aufnahme dieser Wetterprophezeiungen in Kalendern. Mit der Folge, dass der Absatz aller Kalender spürbar zurückging. Der Unwille der Käufer war so groß, dass man 1780 notgedrungen solche „unbegründeten Wetterprophezeiungen" wieder abdruckte. Die Aufklärung wetterte gegen den weit verbreiteten Aberglauben, dass sich im hundertjährigen Rhythmus das Klima wiederhole.

Trotzdem lohnt ein Blick auf die Klimatabelle in Heunisch‘s Beschreibung des Großherzog-tums Baden, in der die mittlere Temperatur der Jahrgänge, Maximaltemperaturen und phänologische Beobachtungen von 1779 an zusammengestellt sind. Für 1820 — also vor 200 Jahren, dem „doppelten Hundertjährigen"-- steht, dass dieser Jahrgang eine reiche Ernte brachte. Der Wein war von mittlerem Ertrag aber schlechter Qualität, die Reben blühten am 12. Juni. Am 20. Mai gab es die ersten reifen Kirschen und am 10. Juli begann vor 200 Jahren die Ernte. In dieser Tabelle fallen auch die „Ausrutscher" auf, so wies sie das Jahr 1781 als ein reiches Jahr mit viel und gutem Wein aus. Das Revolutionsjahr 1798 wurde ebenfalls als guter Jahrgang bezeichnet, und 1800 war von großer Trockenheit geprägt, es gab seinerzeit wenig, dafür aber sehr guten Wein. 1805 war ein Fehljahr. Im Jahr 1814 war „durch die Frühjahrsfröste viel verdorben, ebenso 1815 und beim Jahr 1816 steht „gänzliches Fehljahr", Wein gab es damals überhaupt keinen. Im Schnitt kamen auf ein schlechtes Jahr, zwei gute Jahre im ersten Viertel des 19ten Jahrhunderts in Baden.

Selbstverständlich beobachtete man auch in Württemberg amtlicherseits das Wetter. Der landwirtschaftliche Verein veröffentlichte Niederschlags- und Temperaturtabellen, später das statistisch-topographische Büro. Die Auswertung der Wetterbeobachtung half bei der Landbewirtschaftung, gab Hinweise welche Fruchtsorten hier gut wuchsen, was man von anderen Ländern zum Anbau übernehmen konnte. Württemberg gehört in „denjenigen Teil Europas, wo die meisten Regen im Sommer fallen, oder in die Provinz des vorherrschenden Sommerregens, im Gegensatz zu den Provinzen des vorherrschenden Herbstregens im Westen bis Süden und des vorherrschenden Winterregens im Süden".

Auf Derdingen bezogen beobachtete der Unterdörfer Bauer und Anwalt, Christian Friedrich Schäfer, das Wettergeschehen. 1820 schrieb er die Preise für landwirtschaftlichen Güter und das Witterungsgeschehen so auf: „ Am 2. März hat es einen solch großen Schnee gelegt, dass die Vögel haufenweis in den Flecken gekommen sind und haben so Hunger gehabt, dass sie ganz betäubt waren, dass man sie mit den Händen hat fangen können, der Schnee blieb liegen bis zum 13. Die Weinberge sind am 27. April erfroren, aber nicht hart. Hat aber gar wenig Wein gegeben."

Inzwischen weiß man, dass sich das Klima immer schon geändert hat. Wärme und Niederschlagsmengen weichen in den einzelnen Jahrgängen stark voneinander ab. 1798 betrug die Differenz zwischen dem wärmsten Tag, dem 4. August mit 35 Grad und dem kältesten, dem 26. Dezember mit minus 25 Grad ganze 60 Grad. Diese Differenz war 1830 mit 60,1 Grad sogar noch größer. Der niederste Differenzwert lag bei 37,5 Grad im Jahr 1863. Hier war es am 10. August 33,1 Grad warm und das Thermometer fiel auf minus 4 Grad am 14. Januar. Dürre und Überschwemmungen gab es auch, wie Fotos aus Flehingen oder Sickingen aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zeigen. In diesem Jahrhundert sind wir bislang von solchen Wetterkapriolen verschont geblieben. Aber ausschließen kann sie niemand.

(1920)

Der Mai ist gekommen…

Streich am 1. Mai 1992 in Oberderdingen
Streich am 1. Mai 1992 in Oberderdingen

Vor 35 Jahren stiftete die Blanco den ersten Maibaum in Oberderdingen. Heuer fallen die „Maibaumfeste“ wohl wegen Corona in den meisten Gemeinden Baden-Württembergs ersatzlos aus, denn dieses Frühlingsfest lässt sich schlecht in den Herbst verschieben. Wer sich in der einschlägigen Volkskunde-literatur zu den Frühlings-bräuchen informiert, findet im Standardwerk „Badisches Volksleben im 19. Jahrhundert“ den Satz: Die Errichtung eines großen Maibaums „scheint rein germanisch zu sein. Ob eine solche Handlung wie sie von der ganzen Gemeinde auf dem Dorfplatz vorgenommen wird, noch in Baden vorkommt, ist nicht bekannt“. Und das Parallelstück „Volkskundliche Überlieferung in Württemberg“ aus dem Jahr 1904 erzählt von Maistreichen, bringt aber nur einen kurzen Hinweis, dass in Aalen, Bahlingen und der Gegend um Freudenstadt Maibäume auf öffentlichen Plätzen oder auf einem Brunnen aufgestellt werden. Erst im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts wurden hohe Fichten als „Maibaum“ in Süddeutschland üblich „deren Stamm geschält ist, so dass nur oben eine kleine grüne Fichtenkrone bleibt“. Der Stamm ist in dieser Tradition mit den Sinnbildern der Handwerker oder deren Berufswappen geschmückt. Oft wetteifern Nachbargemeinden um den „Ruhm“ den höchsten Maibaum zu besitzen. Jedenfalls stellt die Feuerwehr dieses Jahr in Oberderdingen keinen Maibaum vor dem Amthof auf. Auch das Fest des Musikvereins auf dem Horn fällt aus, und der Vatertagsausflug der Heranwachsenden mit Bollerwagen und Bierkasten wird den jetzt geltenden Corona-Abstandsvorschriften nicht genügen können.

Weiter zurück geht jedoch der vor 40 oder 50 Jahren bei uns noch allgemein üblich gewesene Brauch des „Maiensteckens“, bei dem der Bursche seinem Mädchen eine Birke mit farbigen Bändern vor ihr Fenster stellte. In Derdingen konnte man jemand mit einer „Strohpuppe“ am 1. Mai ärgern – oder noch gemeiner mit einer Spur aus Sägemehl zum Farrenstall. Die Nacht zum 1. Mai wurde zu allerhand Schabernack benutzt. Es war ja die „Walpurgisnacht“, in der die Hexen tanzten und Gartentore aushängten oder Holzbeigen versetzten. Üblicherweise waren die Lehrer dabei beliebte Zielscheiben von grobem Unfug, wobei oft Klopapier-drapierungen verwendet wurden. Heuer ginge so etwas nicht, bei dem allgegenwärtigen Mangel dieses Hygieneartikels in den Supermärkten. Aber auch Jux, Ulk und feiner Humor konnten vorkommen, wenn sich die Walpurgisnachthexen etwas einfallen ließen. 

(1820)

Nichts bleibt so wie es ist…

Derdinger bei einem Fahrradausflug - lang ist es her! Wer kennt noch ihre Namen?
Derdinger bei einem Fahrradausflug - lang ist es her! Wer kennt noch ihre Namen?

In Bayern gibt es eine Institution, die sich um „nichtstaatliche Museen“ kümmert. Diese hat den „Heimatmuseen“ empfohlen,  Aushängezettel zur Corona-Krise zu fotografieren. Diese seien ein typisches Zeitzeugnis, um das heutige Lebensgefühl begreifbar zu machen. Die Seuche habe großes Potential unser Leben zu ändern.

Dazu gibt es ein ganz anderes Pendant zu der Zeit vor 70 und ein paar Jahren. Gleich nach dem Krieg konnte man nichts  auf privaten Fotos festhalten. Denn Fotoapparate wurden von den Siegern – von den Franzosen – konfisziert. Die Zeit des Umsturzes und die Zeit kurz danach, sind sowieso eine ganz schwierige Epoche. Hinterher sieht vieles anders aus, als es für Hiesige seinerzeit war. „Befreiung“ und „Gewaltexzesse“ lagen nahe beieinander. Bilder die dies belegen, gibt es nur sehr sparsam. Wer 1945 einen Fotoapparat besaß fotografierte damit nicht, sondern versteckte ihn lieber, damit er nicht „wegkam“. Es gab in der Zeit bis zur Währungsreform wenige private Aufnahmen, die etwas vom Zeitgeist festhielten. Essen war damals wichtiger, auf Mode brauchte man in der Gruppe nicht zu achten, weil darauf niemand Rücksicht nahm. Man zog an, was man hatte, und das war bei keinem viel. Sonntagsausflugsziele waren bescheiden. Die Wirtschaften führten Dünnbier, Mittagessen gab es nur auf Marken.

Welche Erinnerungen wohl die Corona-Zeit überliefern wird? Hinterher wird man es wissen. Aber auch, ob die Fotos von Zugangsbeschränkungen, Mundschutz tragenden Spaziergängern und leere Klopapierregale in den Supermärkten die Essenz der Zeit bei uns anfangs der 20er Jahre des 21. Jahrhunderts  richtig beschreiben.   

(1720)

Alles hat seine Zeit…

Der Brieftaubenverein Flehingen beim Umzug zur 1200 Jahrfeier 1979
Der Brieftaubenverein Flehingen beim Umzug zur 1200 Jahrfeier 1979

In den vergangenen vier Wochen hat sich so viel geändert. Wir können das in unserer Hauptversammlung beschlossene Programm nicht mehr halten. Die Wande-rausstellung „Kleindenkmale“, sogar der Ostermontagsmarkt, sie fallen aus. Am 16. April ist keine Zusammenkunft im Flehinger Bahnhof, und ob wir im Mai eine Fahrt mit der Bahn zu einem Museum organisieren, steht auch noch in den Sternen. Insgeheim haben wir uns schon darauf eingestellt, dass die Öffnungstermine der Ausstellungen „Medicus“ in Speyer und „Sultan und Kaiser“ in  Karlsruhe abgelaufen sind, wenn das Kontaktverbot wieder gelockert wird. Welch große Wirkung ein mikroskopisch kleines Virus hat, merkt man auf Schritt und Tritt. Geschlossene Geschäfte, Leute mit Mundmasken, die eigentlich gar nicht in unser gewohntes Straßenbild passen wollen, Sonderferien in den Schulen und Kindergärten, lockere Schlangen vor Supermärkten, Kurzarbeit in den Betrieben.

Aber es gibt durchaus andere interessante Mitmachaufgaben für unseren Verein: Internet hat fast jeder Haushalt. Also ist Kontakthalten ohne Live-Präsenz möglich, deshalb auch Recherche ohne physischen Archivbesuch. Das Telefon funktioniert, man könnte sich so problemlos absprechen, und damit Themen recherchieren, die jetzt schon „fast vergessen“ sind. Etwa Fakten zu Vereinen, die es heute nicht mehr gibt. In Flehingen beispielsweise der Kleinkaliberverein, dessen Schießstand kraichabwärts hinter dem Sägewerk Braxmeier lag. Wer hat noch Fotos aus den Aktivzeiten des Vereins? Das wäre doch eine Recherche wert. Oder Daten und Erinnerungen zum Brieftaubenverein. Zeitungsartikel, Protokolle, und natürlich auch Fotos. Sich damit zu beschäftigen, das wäre doch zumindest ein Mittel gegen die Langweile, und damit könnte man ja ohne Terminzwang beginnen. Am Anfang steht dabei stets die Überlegung, wer könnte noch etwas über den Verein wissen, kennt man noch alte Vereinsmitglieder, oder wessen Eltern waren dabei? Ein Telefonat weckt Interesse… Für eine Beratung, wie man so eine Recherche angehen kann, stehe ich als Vorstand zur Verfügung: Erwin Breitinger Tel. 07045/912800. Trauen Sie sich, und engagieren Sie sich in unserem Verein, glauben Sie mir, dies ist eine  durchaus sinnstiftende Beschäftigung.  

(1520)

Palmsonntag

Palmenweihe vor der St. Martinskirche in Flehingen am 30. März 2005
Palmenweihe vor der St. Martinskirche in Flehingen am 30. März 2005

Spezielles Brauchtum kennt unsere Gegend wenig. Im Gegensatz zu den ehemals vorderösterreichischen Landen (Freiburger Gegend und Oberschwaben) ist hier im ehemals „fränkischen“ Stammesgebiet der Festkalender dürftiger. Schon die Fasnet war nicht so ausgelassen wie in Südbaden, und die am Palmsonntag in den kath. Kirchen geweihten „Palmen“ waren Sträuße von Weidenkätzchen und keine zimmerhohen Gebinde. Bei den Evangelischen wurden ehedem Palmbrezeln gebacken und der Spätaufsteher bekam den Titel „Palmesel“. Die Fastenzeit wird bei vielen als Ritual angesehen, den „Weihnachtsspeck“ zu verlieren. Dieses Jahr entfällt in den katholischen Kirchen die „Palmenweihe“. Ostern wird 2020 nicht so wie seither gewohnt gefeiert werden.

Ungewöhnlich sind ebenfalls die momentanen „Schlangen“ vor den Läden oder die leeren Regalfächer für bestimmte Artikel in Supermärkten, ganz allgemein die menschenleeren Städte und geschlossenen Geschäfte. So etwas gab es schon einmal in anderen Zeiten. Vor 1949 war dies sogar „normal“. Nicht immer gab es alles zu kaufen, und anstellen musste man sich dann auch noch. Überhaupt: seinerzeit war alles von Staats wegen bewirtschaftet. Man bekam Lebensmittelmarken zugeteilt, die waren wichtiger als das Geld. Und wie war es vor 75 Jahren, als der Zweite Weltkrieg endete? Der sechste und somit letzte Sonntag der Fastenzeit fiel auf den 25. März 1945. Man hörte hier schon den Kanonendonner der näher rückenden Front, musste auf Tiefflieger Obacht geben, und keiner wusste wie es weitergehen würde. Die „Corona-Krise“,  die uns heute im Griff hält, ist dagegen bis jetzt noch harmloser, auch wenn allenthalben große Unsicherheit spürbar ist. In unserem Bilderarchiv sind kaum Fotos aus den Umsturzzeiten vor 75 Jahren. Nach dem Einmarsch der Franzosen mussten auf den Rathäusern alle Fotoapparate abgeliefert werden.     

(1420)

Kleintierzucht  --  Ein Volkskundethema

Im neuerbauten Züchterheim richtete der Kleintierzüchterverein Derdingen 1976 eine Kreisgeflügelschau aus.
Im neuerbauten Züchterheim richtete der Kleintierzüchterverein Derdingen 1976 eine Kreisgeflügelschau aus.

Es stimmt schon, kein Ereignis hat in den vergangenen Jahren unser Leben, unsere Gesellschaft so beeinflusst, wie zurzeit das Corona Virus. Ob die getroffenen Maßnahmen nutzen, und demnach be-rechtigt sind, stellt sich wie immer bei Katastrophen erst hinterher heraus. Jedenfalls nimmt unser Verein die Vorgaben ernst. Ob wir die Medicus-Ausstellung in Speyer – sie ist zurzeit geschlossen, und war bis Juni geplant – noch besuchen werden, hängt nicht bloß von unserem Willen ab.

Das Thema, das wir uns für die Zusammenkunft am 16. April vornehmen wollten, können wir nicht wie geplant vorbereiten, weil ja alle sozialen Kontakte ausgedünnt werden sollen. Für einen Artikel im Herbst-Rundbrief 60 wollen wir der Kleintierzucht nachgehen. 1913 wurde der Kleintierzüchterverein Flehingen, und 1940 der entsprechende Derdinger Verein gegründet. In der Geschichte dieser beiden Vereine spiegelt sich deutlich die dörfliche Gemeinschaft und ihr Wandel in den vergangenen hundert Jahren, also ein durchaus allgemeines Volkskunde-thema. Deshalb will der Heimatkreis Oberderdingen, um zuerst einer allgemeinen Tendenz nachzuspüren, alte Vereinsaufnahmen sammeln und sichten, und dies egal was sie zeigen. Wer einschlägige Fotos hat, soll sie bitte dem Heimatkreis kurzfristig überlassen. Dafür sind Ansprechpartner Erwin Breitinger in Oberderdingen und Heinrich Kowarsch in Flehingen. Wir geben sie den Eigentümern garantiert unbeschädigt zurück. Auch wenn sie in Fotoalben eingeklebt sind, passiert den Bildern nichts.

In einem zweiten Schritt wollen wir uns mit den jeweiligen „Zeitproblemen“ dieser Vereine beschäftigen, z.B. was bewegte die Mitglieder in den 1950er oder 1960er Jahren? Typisch war z.B. der Zusammenschluss der Zuchtverbände für die „Reichshühner“ und derjenige für die „Zwergreichshühner“ in den 1980er Jahren. Er passierte seinerzeit in Flehingen. Inwieweit wirkt sich der „Artenschutz“ als gesellschaftlicher Modebegriff auf die Vereinstätigkeit aus? Sicher werden sich im Laufe der Themenbearbeitung weitere Rechercheansätze ergeben. Wir haben ja bis zum Redaktionsschluss für den Herbst-Rundbrief 60 noch acht Monate Zeit, und „Kleintierzucht“ als Antwort der Dorfgesellschaft auf Zeitprobleme ist nur ein Thema für den Rundbrief, der im Advent herauskommen soll.

Das Manuskript des Frühjahr-Rundbriefs 59 steht und geht demnächst zur Druckerei. Wir erwarten die Hefte anfangs April. Ob wir sie dann auch gleich verteilen dürfen, hängt von der Reaktion der Politik zum weiteren Corona Virus Verlauf ab. 

(1320)

Vom „Bohnenviertel“

Bohnenviertel“ - links im Bild das ehemalige Schulhaus, jetzt Metzgerei Klotz, das kleine Fachwerkhaus ist abgerissen, die Fläche wird als Parkplatz genutzt
Bohnenviertel“ - links im Bild das ehemalige Schulhaus, jetzt Metzgerei Klotz, das kleine Fachwerkhaus ist abgerissen, die Fläche wird als Parkplatz genutzt

Der „Krumme Weg“, so hört man es in der Derdinger Bevölkerung heute noch manchmal, führt ins „Bohnenviertel“, eine Straßen-bezeichnung, die man noch nie auf Gemarkungskarten ge-funden hat. Das Gebiet bei der „Kreuzstraße“, der Vorderen Gass zum Friedhof hinauf und der Straße nach Flehingen war der Siedlungskern vom „Oberdorf“. Das „Unterdorf“ war im Mittelalter als bürgerliche Siedlung größer. Der Amthof blieb als Klosterhof und Verwaltungsmittelpunkt des Herrenalber Territoriums im südöstlichen Kraichgau für die bäuerliche Bevölkerung ver-schlossen. Nur im Unterdorf gab es eine Kirche und einen Friedhof. Erst nach der Säkularisation Herrenalbs 1534 wuchs die profane Siedlung im Oberdorf kräftig.

An der Südflanke des kleinen Gänsbergs ließen sich Keller in den Hang graben, was für eine Weinbaugemeinde wichtig war. Dort war die Bebauung dicht, wie zumeist bei allen frühen Siedlungskernen bei uns. Im Bohnenviertel wohnte im 19. Jahrhundert der ärmere und kinderreiche Teil der Bevölkerung. Man sah dies den Häusern und ihren Nebengebäuden durchaus an. „Bohnenviertel“ ist eine Ableitung und  Verballhornung von Essgewohnheiten der „Kleinen Leute“. Auch in Stuttgart gibt es diese (nicht amtliche) Flurbezeichnung für einen Teil der Altstadt. Dort wohnten früher kleine Weingärtner und Gartenbauern. Getrocknete Bohnen sind Eiweißträger wie auch Linsen, die ja als schwäbisches Nationalgericht gelten (weil sie billiger als Fleisch waren). Die ärmeren Leute im „Bohnenviertel“ waren auf vege-tarisches Eiweiß angewiesen.

Für einen Artikel im nächsten Rundbrief sind Fotos von Geflügelausstellungen sowohl im Flehinger Kleintierzüchterheim als auch vom entsprechenden Oberderdinger Verein gesucht, ja ganz allgemein Bilder von den Aktivitäten der Kleintierzüchter, oder wie sie in Derdingen scherzhaft hießen, vom „Hasenschwänzlesverein“. Wer will sich darum kümmern?

Die am vergangenen Samstag geplante Fahrt nach Karlsruhe ins Badische Landesmuseum fiel aus. Wegen dem Corona Virus blieb das Museum zu. Wahrscheinlich wird die Landes-ausstellung „Kaiser und Sultan“ über den 19. April hinaus nicht verlängert. 

Unser nächster Treff im Flehinger Bahnhof am Donnerstag, 19. März 2020, fällt aus!

(1220)

Die Emanzipation der Frau vor 100 Jahren

Bis in den Ersten Weltkrieg hinein hing der „Stand“ der Frau von dem des Mannes ab
Bis in den Ersten Weltkrieg hinein hing der „Stand“ der Frau von dem des Mannes ab

 

Ohne den Ersten Weltkrieg wäre die gesellschaftliche Entwicklung in ganz Europa anders verlaufen. Auch die Emanzipation der Frau. Erst seit 1919 dürfen Frauen in Deutschland wählen. Und unverheiratete Frauen blieben ein ganzes Leben lang „eine Jungfer“. Dies empfanden manche als Diskriminierung, besonders dann, wenn ihr Verlobter patriotisch „zu den Fahnen eilte“, um schließlich „auf dem Feld der Ehre“ zu bleiben. Sie fühlten sich dann als „Kriegerwitwe“ und wollten so auch in der Gesellschaft wahrgenommen werden. Diesem durchaus verständlichen Wunsch kam der badische Staat nach. So hat im März 1920 – also vor genau 100 Jahren – das badische Staatsministerium das Innenministerium ermächtigt, ledigen Personen weiblichen Geschlechts, auf einen besonderen Antrag hin die Führung der Bezeichnung „Frau“ zu gestatten. Der Antrag war beim zuständigen Amtsgericht zu stellen und zu begründen. Weil es im Ersten Weltkrieg keine „Ferntrauungen“ gab, kam unter „besonderen Umständen“ sogar die Änderung des Familiennamens in Betracht, „wenn die Gesuchstellerin ernstlich verlobt war und ihr Bräutigam während der Verlobungszeit fürs Vaterland gestorben ist“. Heute ist der „Stand“ der Frau nicht mehr von dem des Mannes abhängig, für beide Geschlechter gibt es ähnliche Verhaltensregeln und gleiche Handlungsverbote.

Wir fahren am Samstag, den 14. März 2020, nach Karlsruhe ins Badische Landesmuseum und besuchen dort die Ausstellung „Kaiser und Sultan“. Sie brauchen nicht Mitglied unseres Vereins sein. Wenn Sie das Thema interessiert, kommen sie einfach am 14.03.2020 um 13.10 Uhr an den Stadtbahnhalt Flehingen-Industriegebiet. Am frühen Abend werden wir wieder zurück sein.

(1120)

Von der „guten“ alten Zeit

Vor hundert Jahren kümmerten sich die Hausfrauen auch um den Hühnerhof
Vor hundert Jahren kümmerten sich die Hausfrauen auch um den Hühnerhof

Nach dem Ersten Weltkrieg hungerte Deutschland, die meisten Lebensmittel waren bewirtschaftet, auch die Hühnereier. So hob 1920 der badische Staat deren Zwangsbewirtschaftung auf, hatte aber Sorge, dass dann keine Eier mehr für „Kranke, Krankenanstalten, Alte und Kinder“ zur Verfügung stünden. Weshalb der damalige Innenminister Remmele verfügte, erst dann dürften die Hühnerhalter über ihre Eier nach eigenen Vorstellungen verfügen, wenn sie vorher einen Teil dem Staat zu einem Festpreis von 60 Pfennig per Stück verkauft hätten, und zwar 8 Eier pro Huhn. Am Preis sieht man, dass die Inflation begonnen hatte, die 1923 mit einem Totalzusammenbruch des Geldverkehrs und Verarmung der Bevölkerung endete. Der Innenminister erwartete, dass die Hühnerhalter ihrer Verkaufsverpflichtung bis zum 1. Juni 1920 nachkämen. Die Gemeinden hatten für die Ab-lieferung zu sorgen. So machte es sich der badische Staat einfach, er hatte ja die statistischen Zahlen von den regelmäßigen Viehzählungen, die seit dem Krieg auch Geflügel erfassten. Vorgeschrieben war sogar das Mindestgewicht von 50 Gramm pro Hühnerei. Heute wäre eine solche „Eier-Zwangsbewirtschaftung“ so nicht mehr durchführbar. Zur Selbst-versorgung im Haushalt werden Hühner zurzeit wohl kaum mehr gehalten.  

Am Mittwoch, den 11. März 2020, um 19 Uhr stellen Arthur Machauer und Iris Eßwein im Flehinger Bahnhof ihr kürzlich erschienenes Buch „Jöhlingen, Bilder, Menschen, Erinnerungen“ vor. Es befasst sich mit dem Schnittpunkt von Volkskunde und Genealogie. Nicht die Häuser, die Natur oder die Landschaft haben die Autoren im Blick, sondern die Menschen in ihrer Umgebung. Das Konzept ähnelt demjenigen unserer Ortssippenbücher, ist deshalb für uns interessant, weil wir ebenfalls alte Fotos sammeln und beschreiben.

Am Samstag, den 14. März 2020, fahren wir nach Karlsruhe zur Großen Landesausstellung „Kaiser und Sultan“ im Badischen Landesmuseum.     

(1020)

Wir wollen Wissen weitergeben

Motorcross in Derdingen in den 1960er Jahren
Motorcross in Derdingen in den 1960er Jahren

Am Samstag, den 14. März 2020, besuchen wir die große Landesaustellung im Karlsruher Schloss „Kaiser und Sultan, Nachbarn in Europas Mitte“.

Das 17. Jahrhundert war besonders für den Kraichgau eine schlimme Zeit. Der Dreißigjährige Krieg, und dann die Franzoseneinfälle, die möglich wurden, weil die Türken im Osten das Reich bedrängten. Die Landes-ausstellung zeigt nicht das Leid der unter der Kriegsfurie stöhnenden Bevölkerung, sondern die Pracht der aufeinander prallenden Mächte. Es ist der erste Museums-besuch unseres Vereins in diesem Jahr. Interessierte sind herzlich eingeladen, sie brauchen nicht einmal Vereinsmitglieder  zu sein.

Mit einem ganz anderen Thema beschäftigen sich am Mittwoch, den 11. März, um 19 Uhr die Genealogen im Flehinger Bahnhof: Die Sicherung von Überlieferung. Also dem Schnittpunkt von Ahnenforschung und Volkskunde. Dabei geht es um Fotos aus Privatbesitz, deren Dokumentation und die Situationsbeschreibung von Aufnahmen. Unser Verein hat ja mit den Ortsfamilienalben von Großvillars, Derdingen, Sickingen und Flehingen bereits einiges vorgelegt. Wir wollen weitermachen, sammeln also für einen Fortsetzungsband unserer Ortsfamilienalben Bilder. Wobei wir die Gesamtgemeinde im Blick haben, also auch die Zeit von 1973 bis 2000. Eine Zeit im Umbruch. Vereine, Feste, aber auch den Werktag mit Bildern der typischen Mode in Aufnahmen des Alltagslebens. Unser Verein geht davon aus, dass hier einiges zusammen kommen kann. Denn ab den 1970er Jahren des vergangenen Jahr-hunderts gab es doch in jedem Haushalt einen Fotoapparat. Aufnahmen in Fotoalben, in Schachteln oder Schubladen müssten also reichlich vorhanden sein. Bevor sie einmal achtlos in den Container fliegen, sollte man sie sichten und das „zeittypische“ für die kommenden Generationen bewahren. Wenn wir dies nicht tun, geht Substanz unwiederbringlich verloren. Dankbar sind wir selbstverständlich auch für Aufnahmen vor 1972. In vier Jahren feiern wir das 325 jährige Jubiläum der Waldenseransiedlung in Württemberg, und damit auch in Großvillars. Wir suchen jetzt schon Bilder für eine diesbezügliche Dokumentation und Rückblick.

Ansprechpartner für alte Bilder sind Helga Riedling im Aschingerhaus, Heinrich Kowarsch in Sickingen und Oskar Combe in Großvillars.      

(0920)

Kulturgut Friedhof

Vor 85 Jahren hatten die Friedhöfe bei uns ein ganz anderes Aussehen. Alles ändert sich halt.
Vor 85 Jahren hatten die Friedhöfe bei uns ein ganz anderes Aussehen. Alles ändert sich halt.

Die Vorstellung, dass Ahnen-forschung (Genealogie) ein verstaubtes Steckenpferd für Pensionäre sei, räumte Fritz Hahn von der Volkshochschule Mosbach bei seinem Vortrag am vergangenen Mittwoch im Flehinger Bahnhof gründlich ab. Es sind vorwiegend junge Leute, die Gräber fotografieren und so dokumentieren sie im Rahmen eines Volkshoch-schulprojekts bereits sämtliche Friedhöfe des Rhein-Neckar-Kreises. Dort kann man jetzt mit dem heimischen Computer das Grab der Großmutter besuchen (ansehen), auch recherchieren, wo Verwandte begraben liegen. Es dokumen-tieren Ehrenamtliche die heutige Friedhofskultur, bewahren das Andenken an Verwandte, leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Verständnis der Gesellschaft, dokumentieren Zeitgeschichte. Friedhöfe spiegeln die Gesellschaft. Vor Jahr-zehnten waren „FriedWald Gräber“ oder Kolumbarien noch nicht in Mode. Heute sind Familiengräber zumeist Tiefgräber, Urnengräber werden auf allen Friedhöfen vermehrt nachgefragt.

Ausgehend von dem vom Verein für Computergenealogie angeregten Projekt der Gräber-dokumentation, diskutierte die Runde lebhaft über weitere Möglichkeiten der genealogischen Computerrecherche. So gibt es eine von der Badischen Landesbibliothek ins Netz gestellte Zeitungsdatenbank, die nach Stichworten durchsucht werden kann. Oder das Projekt „Sterbebilder“ des Vereins für Computergenealogie. Hier sind die in katholischen Gemeinden früher üblichen Sterbebilder erfasst, oder man kann in einer weiteren Datenbank Todes-anzeigen von Zeitungen recherchieren. Es zeigte sich ganz deutlich, dass Genealogie auch etwas für „Computerfreaks“ sein kann.

So war in aufgelegten Büchern zu sehen, was man mit Excel-Tabellen in Ortschroniken oder Familienbüchern alles darstellen kann. Oder im kleineren Kreis sah man sich Projekte von Bilderchroniken an (wir sagen dazu im Heimatkreis „Ortsfamilienbücher“), und wie diese mit Texten erschlossen werden. Es zeigte sich deutlich, dass Genealogie alles andere als ein „altbackenes Pensionärs-Hobby“, sondern ein quicklebendiges Beschäftigen mit Volkskunde ist. Im Umlauf war eine kürzlich erschienene zweibändige Ortschronik von Büchenau mit vielen Bildern und „genealogischer Schlagseite“, deren Vorwort so beginnt: „Was man nicht aufschreibt und veröffentlicht,  geht verloren“. Wie Recht hat doch der Verfasser!

Übrigens: Die Gräber des Großvillarser Friedhofes sind dokumentiert, man kann sie im Internet besuchen.  

(0820)

Nach Lichtmess ist vor Lichtmess

Kinder und Farbenpracht gehörten auch in diesem Jahr zur Derdinger Lichtmess
Kinder und Farbenpracht gehörten auch in diesem Jahr zur Derdinger Lichtmess

Unser Lichtmessheftle kam beim Publikum gut an. Im Zelt auf dem Marktplatz war es zeitweise arg eng, und der Lichtmesstanz beim Weinkern gut besucht, es ist nichts Schlimmes passiert, was will man an so einem Tag mehr!

Nacharbeiten lohnt jedoch immer. Wir wollen dies einmal mit dem Thema Bildergalerie und Erfahrungsaustausch versuchen. Dazu sind die an Lichtmess Interessierten eingeladen, ihre digitalen Bilder – auch aktuelle – auf einem Stick mitzubringen und zu erlauben, dass man diese öffentlich zeigt. Dieses Treffen von „Lichtmessfreunden“ ist am kommenden Samstag, den 15. Februar 2020, um 19 Uhr in der Vinothek. Dort wollen wir auch schon einen Teil der Fotos zeigen. Unser Verein überlegt, ob wir ein Ortsfamilienalbum Oberderdingen auflegen, das zeitlich bis 2000 reicht und alle Ortsteile umfasst. Dafür sammeln wir jetzt Bilder. Auch Lichtmess wird dabei vorkommen.

Aber der Termin am kommenden Samstag ist speziell auf Lichtmess zugeschnitten. Unter Erfahrungsaustausch fallen auch Überlegungen, wie kann man den Oberderdinger Nationalfeiertag attraktiver machen und ihn noch deutlicher als etwas unverwechselbar Besonderes in das Bewusstsein unserer Bevölkerung bringen kann. Das Lichtmessheftle, das wir zusammen mit Glinde auflegten, ging in diese Richtung.

Übrigens: es sind noch ein paar Lichtmessheftle vorhanden, sie können zu 2.--€ im Bürgerbüro, im Aschingerhaus und in der Vinothek gekauft werden.   

(0720)

Grabsteinprojekte

Alte Grabsteine auf dem Großvillarser Friedhof mit Waldensernamen
Alte Grabsteine auf dem Großvillarser Friedhof mit Waldensernamen

Turnusgemäß treffen sich die Genealogen am 12. Februar 2020 um 19 Uhr im Flehinger Bahnhof. Es geht um ein „Grabsteinprojekt“. Unbestreitbare Tatsache ist, dass die Zusammensetzung der Gräber auf den Friedhöfen sich dauernd ändert. Die Friedhöfe sahen vor 30 oder 50 Jahren ganz anders aus als heute. Grabstätten, die seinerzeit vorhanden waren, sind verschwunden, die Daten auf den Grabsteinen vergessen. Dem „Vergessenwerden“ will ein Friedhofsprojekt des Heimatvereins Kraichgau entgegenwirken, und damit einem Trend folgen, den der Verein für Computergenealogie vor Jahren anregte, und den nun verschiedene Geschichtsvereine unterstützen und praktizieren. Das Projekt wird von Hinterbliebenen in nah und fern oft und gerne genutzt. Beim Auffinden verschollener Verwandter hat sich das Friedhofprojekt  bereits ebenfalls als hilfreich erwiesen. In ihm sind schon 2,1 Millionen Fotografien von mehr als 1,7 Millionen Grabstellen auf 5.500 Friedhöfen und die Daten von über 3.4 Millionen Verstorbenen erfasst worden, die jeder kostenlos durchsuchen kann. Als Pilotprojekt für den Kraichgau würden sich kleinere Friedhöfe wie z.B. der von Großvillars anbieten oder die Friedhöfe von Bahnbrücken oder Neuenbürg.

Jedenfalls werden Herr Roland Hahn und Herr Fritz Müßig vom Kraichgauer Heimatverein das Projekt vorstellen. Sie haben die Friedhöfe des Neckar-Odenwaldkreises fotografiert und deren Daten auf dem Server des Vereins für Computergenealogie hinterlegt.

Vorschau: Am Samstag, den 14. März 2020, werden wir nach Speyer fahren und die dortige Medicus-Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz besuchen. Eintritt und Fahrt werden pro Person abhängig von der Teilnehmerzahl so um die 25 € kosten. Wir fahren mit dem Zug und werden im Lokal zum Domnapf, das ganz in Nähe des Museums liegt, zu Mittag essen. Unsere übliche Monatszusammenkunft ist am darauffolgenden Donnerstag, den 19. März. Details zu diesen Terminen erhalten Sie noch rechtzeitig über das Blättle.   

(0620)

Vom Kuchenritt

Lichtmess in Derdingen - Bunte Bänder flattern als Willkommen
Lichtmess in Derdingen - Bunte Bänder flattern als Willkommen

Die „Hiesigen“ wissen es: Wenn Lichtmess (02. Februar) auf Samstag oder Sonntag fällt, dann feiert man in Oberder-dingen am darauffolgenden Dienstag. Das kommt daher, weil Lichtmess früher ein Fest-tag vorwiegend für Knechte und das Hauspersonal war, sie bekamen ihren Jahreslohn ausbezahlt und konnten ihre Stelle wechseln, deshalb gab es im bäuerlichen Derdingen an Lichtmess einen ganz wichtigen Jahrmarkt. Der Krämermarkt samt Kuchenritt hat sich über die Jahrhunderte hier gehalten, Lichtmess ist unbestritten der „Derdinger Nationalfeiertag“. Auch anderwärts gibt es Lichtmesstraditionen z.B. in Glinde oder in Spergau. Beide liegen in Mitteldeutschland und gehören zu Sachsen-Anhalt. In Glinde gibt es sogar ein Lichtmessmuseum, das unser Verein im April 2019 besuchte. Dieses Jahr geben wir zusammen mit dem dortigen Museums- und Heimatverein eine 20-seitige Broschüre heraus, in der das Brauchtum in beiden Gemeinden skizziert und mit Fotos illustriert ist. Sie kostet 2,- € und ist morgens im Unterdorf am Kirchplatz (Fam. Kroh) und später im Oberdorf im Zelt auf dem Marktplatz zu kaufen. Mal sehen, wie so etwas ankommt. Brauchtum hält sich nur dann, wenn es von der Bevölkerung ganz selbst-verständlich gelebt wird. Deshalb ist es wichtig, dass schon die Schulkinder, und damit die Eltern und Großeltern an Lichtmess dabei sind. Man merkt ja, dass die Grundschüler Spaß am Tanz auf dem Lindenplatz haben. Für die Oberderdinger Musiker ist ihr Lichtmessauftritt etwas ganz Besonderes. Sicher in mehrfacher Hinsicht anstrengend, dann gibt es noch den „Napoleon“, der den Tag beschließt. Und auch die Reiter, sie stehen im Mittelpunkt der Überlieferung, sind Anlass für das Fest, deshalb unverzichtbar. Früher war es kein Problem ledige Reiter zu finden, wo die Bauern noch mit Gäulen ihre Äcker bestellten, heute sind die Pferde hochsensibel, sie sind solchen „Umtrieb“ nicht gewohnt. Jahr für Jahr zieht der „Derdinger Kuchenritt“ viele Auswärtige ins Dorf, und das ist gut so, Lichtmess in Oberderdingen ist halt etwas Besonderes – und soll es auch bleiben.  

(0520)

Aus der Generalversammlung

Barbara Novak wurde für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt
Barbara Novak wurde für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt

Neben Rück- und Ausblick des Vorsitzenden, beschäftigten Wahlen, also Personalent-scheidungen die Versammlung. Ohne Gegenstimme wurde die bisherige Vorstandschaft in ihren Ämtern für die nächsten drei Jahre bestätigt.

Vor 25 Jahren trat Frau Barbara Novak dem Heimatkreis als Mitglied bei und engagierte sich im Verein, baute eine Biedermeiergruppe auf, die in historischen Kostümen bei Vereinsumzügen den Heimatkreis repräsentierte. Mit einem Blumenstrauß und einer Urkunde wurde sie in der Generalversammlung geehrt. Auch Karlheinz Hauffler aus Bretten ist seit 1995 Mitglied des Vereins, er hat seinerzeit unsere dritte Sonderveröffentlichung verfasst.

Zum Ehrenmitglied ernannte der Heimatkreis Herrn Martin Kößler aus Großvillars, den Autor des ersten Ortsfamilienalbums unserer Gemeinde. Er sammelte über viele Jahre nicht nur alte Fotos seiner Heimatgemeinde, sondern hat mit viel Spürsinn in akribischen Nachforschungen die darauf gezeigten Personen identifiziert. Inzwischen sind in dieser Reihe alle Ortschaften unserer Gemeinde mit historischen Fotos vertreten. Eher in der Öffentlichkeit bekannt ist Martin Kößlers Engagement als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesdenkmalamts. Seine dort erworbenen Spezialkenntnisse hat er weitergegeben, und beispielsweise in archäologischen Experimenten das Kochen auf Steinzeitart vermittelt, oder das römische Wegenetz in Führungen erklärt.  

Von den Mitgliedern akzeptiert wurde der Vorschlag, regelmäßige Exkursionen oder Ausflüge künftig am Samstag vor der regulären Zusammenkunft (jeweils am dritten Donnerstag des Monats) anzubieten, damit auch Leute an diesen Veranstaltungen mitfahren können, die noch keine Rentner sind. Wir fahren deshalb am Samstag, den 15. Februar 2020, zur „Medicus“-Ausstellung im Speyerer Museum. Details dazu in einem späteren Blättle. Vorgestellt wurde auch ein auf Lichtmess 2020 bei uns und in Glinde herauskommender Flyer. Er wird zum Selbstkostenpreis von 2 € am Dienstag, den 4. Februar, in Oberderdingen verkauft. 

(0420)

Generalversammlung am 16.1.2020

Der Flehinger Bahnhof in einer Aufnahme um 1912. Hier findet am 16.01.2020 unsere Generalversammlung statt.
Der Flehinger Bahnhof in einer Aufnahme um 1912. Hier findet am 16.01.2020 unsere Generalversammlung statt.

Der Heimatkreis Oberderdingen e.V. lädt alle Mitglieder zur diesjährigen Generalversammlung auf Donnerstag, den 16. Januar 2020, um 19.30 Uhr in den Flehinger Bahnhof ein.

 

 

 

 

Als Tagesordnung ist vorgesehen:

1.      Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden

2.      Bericht der Schatzmeisterin

3.      Kassenprüfung und Entlastung

4.      Wahlen

 

                        -   Vorstand

                        -   Erster Stellvertreter des Vorstands

                        -   Zweiter Stellvertreter des Vorstands

                        -   Schatzmeister

                        -   Schriftführer

                        -   Mitglieder des Beirats

 

5.      Verschiedenes

 

Die Versammlung gibt die Möglichkeit einer Generalaussprache, alles was den Verein betrifft darf dort angesprochen werden. Auch das Veranstaltungsprogramm für 2020.

 

Wir haben das „Foto sammeln“ nicht aufgegeben. Weil im digitalen Zeitalter das „Verloren gehen von Erinnerung“ größer wird. Zwar vergisst der Computer nichts, aber es ist nicht die Frage, ob die Festplatte abstürzt, sondern nur, wann dies geschieht. Eine Veröffentlichung von Erinnerungen ist deren beste Sicherung. Insoweit hat „Heimatpflege“ sein vergilbtes Image verloren und interessiert auch Kreise, die seither eher zurückhaltend waren. Deshalb versucht der Heimatkreis sein Angebot auszubauen. Er sucht „Mitmacher“. Kommen Sie deshalb zu unserer Generalversammlung und bringen Sie sich in das Vereins geschehen ein. 

(0320)

Ein Geschenk auf die „Schnelle“

Ein Dorf - zwei Kirchtürme, aus dem Ortsfamilienalbum Flehingen
Ein Dorf - zwei Kirchtürme, aus dem Ortsfamilienalbum Flehingen

Schwierig ist es, ein passen-des Geschenk für den zu finden, der „schon alles hat“. Das trifft ja für die meisten von uns zu. Was zum Anziehen – eigentlich langweilig, Gut-scheine oder Geld sind nicht unbedingt phantasievoll, „ist ihm nichts Besseres einge-fallen?“ Ein bisschen indi-viduell sollte das Mitbringsel ausfallen, wenn man – wie es in vielen Familien noch der Brauch ist, am zweiten Weih-nachtsfeiertag die Verwandt-schaft besucht. Wenn es geht, sollte es sogar kommunikativ anregend sein. So ist z.B. die Durchsicht älterer Fotoalben im Familienkreis sehr gesprächsanregend, man erfährt dabei manch Halbvergessenes, und dies aus zum Teil unterschiedlichen Blickwinkeln. In diese Kategorie kann man auch die Ortsfamilienalben des Heimatkreises einordnen. Für Flehingen, Sickingen oder Großvillars (Teil 2) gibt es noch käufliche Exemplare. Damit kann man bei der Verwandtschaft „punkten“, weil sie weder langweilig sind, noch einen „verstaubten Beige-schmack“ besitzen, sie liegen auch bei Jüngeren im Trend. Beim gemeinsamen Durchblättern erfährt man öfter als man es erwartet „neue Geschichten“. Dies sogar zumeist mit weit-läufigem Verwandtschaftsbezug. Wenn Sie also ein passendes Mitbringsel für den Feiertags-besuch bei Nachbarn oder Verwandten suchen, mit einem „Ortsfamilienbuch“ liegen Sie nicht falsch.

 

Normalerweise wäre am 20. Februar 2020 die Jahreshauptversammlung unseres Vereins im Flehinger Bahnhof gewesen. Aber weil da „Schmutziger Donnerstag“ ist, haben wie den Termin auf den 16. Januar 2020 vorverlegt. Treffpunkt: Bahnhof Flehingen, um 19.30 Uhr.

 

Tagesordnung:

 

  •     Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden
  •     Bericht der Schatzmeisterin
  •     Kassenprüfung und Entlastung
  •     Neuwahlen (Vorstand, erster Stellvertreter, zweiter Stellvertreter, Schatzmeister,
  •     Schriftführer, Mitglieder des Beirats)
  •     Verschiedenes.

 

 

Wir werden über die Aktivitäten im neuen Vereinsjahr zu diskutieren haben, weil wir vom Image eines reinen „Lesevereins“ weg, zu einem „Mitmachverein“ in der Wahrnehmung wechseln, und den Mitgliedern etwas zum „Mitmachen“ bieten wollen. Mit Kurzausflügen in die Umgegend, oder auch zu mehrtägigen Exkursionen wie im Frühjahr nach Glinde machten wir schon mal den Anfang.        

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