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Adlerwirts Eheleute in den 1960er Jahren in Großvillars mit einem Maien, ähnliche Bilder sucht unser Verein, alte Ortsansichten möchten wir in einer Broschüre nächstes Jahr zeigen
Adlerwirts Eheleute in den 1960er Jahren in Großvillars mit einem Maien, ähnliche Bilder sucht unser Verein, alte Ortsansichten möchten wir in einer Broschüre nächstes Jahr zeigen

In den zurückliegenden zwei Jahren lief unser Verein auf „Sparflamme“. Die meisten der sonst üblichen monat-lichen Zusammenkünfte im Flehinger Bahnhof entfielen, und auch der Rhythmus der Jahresversammlungen verschob sich vom Frühjahr ins Spätjahr. Wir sollten nun, nachdem die Beschränk-ungen wegen Corona weniger wurden versuchen, wieder in den gewohnten Ablauf zu kommen. Ganz wird es uns wohl in diesem Jahr noch nicht gelingen. Die nächste Zusammenkunft im Flehinger Bahnhof ist am Donnerstag, den 19. Mai 2022 um 19.30 Uhr. Im Juni wird dann Pause sein, denn Fronleichnam fällt dieses Jahr auf den dritten Donnerstag im Monat. 

Zu besprechen gibt es ja einiges – nicht nur Termine. Wir wollen die Reihe „wer kennt die Kirchen unserer Heimat“ fortsetzen. Vorgeschlagen wird zusammen mit dem Heimat- Kultur- und Trachtenverein Zaisenhausen eine weitere Kirche des ehemaligen Derdinger Stabsamtes zu besichtigen. Dafür bietet sich die Kirche in Oberacker an. Terminiert wieder an einem Samstagnachmittag. Zu besprechen sind auch anstehende oder mögliche Sonderveröffent-lichungen. Zum Beispiel über die Schwierigkeiten der Metternich‘schen Verwaltung mit ihren Flehinger Untertanen. Ein gut 200 Seiten starkes Manuskript liegt druckfertig vor. Es könnte dieses Jahr veröffentlicht werden. Nächstes Jahr ist eine Broschüre zur Verwaltungsreform vorgesehen. Wir sollten uns auch Gedanken machen über den 500. Todestag Franz von Sickingens und den Bau der Sickinger Kirche vor 500 Jahren. Alles Anlässe, die unser Verein aufgreifen sollte, was jedoch in jedem Fall finanzielle Konsequenzen hat. Seither gaben wir unsere Sonderveröffentlichungen unseren Vereinsmitgliedern als „Gegenleistung“ für ihre Mitgliedschaft ohne Kostenansatz weiter, d.h. sie galten mit der Jahresbeitragszahlung als „abgedeckt“. Dies können wir uns so wohl nicht mehr leisten.

Die ungünstigste Lösung wäre zur Anteilsfinanzierung den jährlichen Mitgliedsbeitrag zu erhöhen. Als bessere Alternative stünde ein moderater Verkaufspreis und Abgabe an interessierte Mitglieder als Kalkulationsgrundlage zur Beratung an. Dann könnte man auch mit der Auflagenhöhe reagieren. Darüber sollten wir unbedingt am 19. Mai reden.

Die für Pfingsten vorgesehene weitere Ausstellung über ältere Derdinger Bilder haben wir auf den Septembermarkt verschoben, weil dieser Termin als Publikumsmagnet sich besser eignet. Er ist auch günstiger vom Bilderangebot und er Betreuung leichter zu organisieren. Es gibt bei der kommenden Monatszusammenkunft am 19. Mai doch einiges zu besprechen, nicht zuletzt auch die vom Grundsatz her die anstehende Jahresversammlung vorzubereiten.  

(1922) 

Der Mai ist gekommen

1988 – Blanco stiftet den ersten Maibaum.
1988 – Blanco stiftet den ersten Maibaum.

Corona hat vieles verändert, auch am seitherigen Brauch-tum. So fiel dieses Jahr das „Maibaumaufstellen“ der Feuerwehr mit einer Hocketse vor dem Amthof aus. Der Musikverein hat sich heuer den Pandemie-regeln bei seinem Angebot „Wandern mit Musik“ am 1. Mai auf dem Horn ange-passt. Auch die „Scherze“ in der Walpurgisnacht haben sich gewandelt, der (böse) Schabernack hat (zum Glück) etwas nachgelassen. Auch die „Maien“ vor dem Haus der Braut, eine bändergeschmückte frischgrüne Birke, sieht man seltener, ebenso den Strohwisch als seine Spottversion.

Auf die Wetterregeln wie „erst Mitte Mai ist der Winter vorbei“ haben Krankheiten allerdings keinen Einfluss. Die „Eisheiligen“ haben ein festes „Lostagsdatum“. Am ersten Mai beginnt das Sommerhalbjahr, zwar nicht nach dem Kalender, doch aus dem Gefühl, und Frühauf-steher beginnen ihre Maienwanderung bereits im Morgengrauen. Seit 1889 ist der erste Mai als „sozialistischer Weltfeiertag“ nachgewiesen, bei uns organisieren Gewerkschaften Demonstrationen zum „Tag der Arbeit“.

Auch unser Verein will im Mai die üblichen Zusammenkünfte jeweils am dritten Donnerstag des Monats, also am 19. Mai 2022 im Flehinger Bahnhof wieder aufnehmen, verschoben haben wir die ursprünglich für Pfingsten geplante weitere Fotoausstellung im Derdinger Rathaus auf den Septembermarkt. .  

(1822) 

Unterdörfer Kirche und Ostermontag-Ausstellung

Die Kirche St. Peter und Paul war einst Pfarrkirche für ganz Derdingen. Rund 40 Interessierte ließen sich bei einer Führung über die Entstehungsgeschichte und kunsthistorische Bedeutung informieren.
Die Kirche St. Peter und Paul war einst Pfarrkirche für ganz Derdingen. Rund 40 Interessierte ließen sich bei einer Führung über die Entstehungsgeschichte und kunsthistorische Bedeutung informieren.

Recht ordentlich war der Besuch unserer Ausstellung von alten Fotos am Oster-montag im alten Rathaus. Es wurden dabei bislang unbe-kannte Personen auf Grup-penbildern identifiziert, so dass für das nächstes Jahr geplante neue Ortsfamilien-album Ergänzungen zusam-menkamen. Auch die Führ-ung durch die Unterdörfer Kirche am darauffolgenden Samstag fand Anklang. Über 40 Interessierte folgten den Ausführungen von Pfarrer a.D. Wolfgang Palmbach und Bürger-meister a.D. Erwin Breitinger. Die um 1380 entstandenen Fresken im Chorraum lassen sich grob in zwei Themenbereiche gliedern: Neutestamentliche Bilderfriese an den Wänden und Heiligendarstellungen in den Fensterbögen. Technik und Motivwahl zeigen eine Nähe zu den Wandmalereien in der Eppinger Stadtkirche, der Künstler könnte, so vermutet man, aus Böhmen stammen. Außerordentlich selten ist die Darstellung eines Details aus der Weihnachtsgeschichte an der Chor-Nordseite in unserer Peter- und Paulskirche: Der Gruß Mariens an Elisabeth: „und da hüpfte das Kind in ihrem Leibe“. Jedenfalls unser ehemaliger Pfarrer W. Palmbach verstand es treffend, die Verbindung des biblischen Bildprogramms mit der spätmittelalterlichen Welt herzustellen. Ergänzt wurden seine Ausführungen durch Grund-satzüberlegungen zum frühchristlichen Derdingen durch E. Breitinger. Er stellte die Rolle des Reichsklosters Weißenburg im Elsass in den Mittelpunkt seiner Ausführungen, zeigte auf, dass schon die Vorgängerkirche im Unterdorf die Pfarrkirche für ganz Derdingen war, und dass der Weinbau urkundlich bei uns erstmals 1227 erwähnt wurde. Wahrscheinlich war die hiesige Peter- und Paulskirche auch Mittelpunkt eines merowingischen Kirchenbezirks.

Diese zweite, gemeinsam mit dem Heimat- Kultur- und Trachtenverein Zaisenhausen ange-botene Veranstaltung der Reihe „wer kennt die Kirchen unserer Heimat?“, soll im Sommer fortgesetzt werden. Die Kirchen von Bahnbrücken oder Oberacker bieten sich dafür an.  

(1722) 

Zeitenwende

Die heutigen Baumaschinen unterscheiden sich schon größenmäßig von denjenigen der Nachkriegszeit. Besonders an profanen Dingen erkennt man „Zeitenwenden“. Mit diesem Betonmischer wurde das Laurentiusheim gebaut.
Die heutigen Baumaschinen unterscheiden sich schon größenmäßig von denjenigen der Nachkriegszeit. Besonders an profanen Dingen erkennt man „Zeitenwenden“. Mit diesem Betonmischer wurde das Laurentiusheim gebaut.

Städtenamen der Ukraine sind jetzt keine „Böhmischen Dörfer“ mehr, man unterhält sich über die dortigen Kriegszustände, bewertet leichthin das Verhalten der Russen oder der Ukrainer. Dabei hat man meistens ein ungutes Gefühl. Ist der Krieg wirklich so weit weg? Gesprächsthemen im Alltag unterscheiden sich heute schon ein bisschen von der Zeit vor zwei Jahren, damals machte man sich Sorgen über Unruhen im Nahen Osten.

Sicher, man hat auch früher schon über Krankheiten gesprochen, im Winter gab es schon immer Grippe und Erkältungen. Aber einen Mundschutz musste man nicht tragen. Weshalb in ein paar Jahr-zehnten dieses Attribut bei der Datierung von Fotos in Alben dienen kann - vor 2020 oder danach? Jetzt sind die Gaststätten wieder geöffnet, und in den Kaufläden muss man nicht draußen anstehen, wenn sich schon einige Wenige im Verkaufsraum aufhalten, den Impfnachweis muss man nur noch selten zeigen. Man braucht keine Alltagsdinge mehr im Internet kaufen, sondern kann sie wieder in „Natura“ ansehen und sogar anprobieren.

Die wirtschaftlichen Verwerfungen durch Krieg und Pandemie hinterlassen Spuren. Das Wort „Inflation“ taucht jetzt in den Nachrichten viel öfter auf als früher. Bald wird auch wieder Speiseöl in den Regalen der Supermärkte stehen, aber die Kunden werden wohl eher pessimistisch bleiben. Die letzte große Zeitenwende erlebten wir mit dem Fall der Mauer in Berlin. Danach war auch im „Westen“ Deutschlands einiges nicht mehr so wie vorher. Dass es auch jetzt irgendwie weiter gehen wird, können wir gewiss sein.   

(1622) 

Vergangene Zeiten

Beim Herbsten 1965, eines von über 80 Bildern der Ostermontag-Ausstellung in Derdingen.
Beim Herbsten 1965, eines von über 80 Bildern der Ostermontag-Ausstellung in Derdingen.

Früher war nicht alles besser, jedenfalls war der Alltag nicht leichter. In der Familie waren die Aufgaben getrennt, theoretisch zu-mindest. Die Frau war im Haus, der Mann für den Hof zuständig, und das blieb dann auch vom Prinzip her so, wenn der Mann „zum Schaffen“ ging. Vergangene Zeiten - nicht alles ist in Fotos festgehalten. Wer wollte auch Alltagsszenen fürs Familienalbum fotografieren? Eher wurden die großen Ereignisse abgelichtet: Hochzeiten, Jahrgangstreffen, Konfirmationen. Fotografieren kostete auch Geld, und das war in der Nachkriegszeit rar. Man brauchte es für andere Dinge, weil man z.B. bauen wollte, oder für die eigene (Feierabend-) Landwirtschaft eine Agria brauchte. Vor fünfzig oder sechzig Jahren war Vieles anders.

Wir wollen einen Teil davon in alten Fotos zeigen. Am Ostermontag im alten Rathaus an der Brettener Straße eine Ausstellung mit Aufnahmen bis zur Jahrtausendwende. Geöffnet ab 11 Uhr bis ca. 18 Uhr, eben zu den üblichen Verkaufszeiten unseres traditionellen Ostermontags-Marktes. Der Schwerpunkt liegt bei „Personenaufnahmen“ aus Derdingen. Also ähnlich der Ausstellung in Flehingen an Kirchweih mit alten Bildern aus Flehingen und Sickingen. Dieses Mal mit Bildern aus Derdingen und Oberderdingen. Auf Kirchweih in Großvillars bereiten wir eine entsprechende Ausstellung dort vor.

Interessieren Sie sich für vergangene Zeiten, so sind Sie recht herzlich zu dieser Fotoaus-stellung eingeladen. Unser Verein sucht weiter Bilder aus einer Zeit in der es weniger Autos gab. In der noch mehr Leute Landwirtschaft trieben, damals waren bei Allen die Maschinen noch kleiner. Wir suchen typische Bilder aus allen Ortsteilen, weil wir eine Bilderbroschüre im Rückblick auf die Gemeindereform nächstes Jahr herausgeben wollen. Hoffen wir, dass uns am Ostermontag einige „alte Bilder“ zum Scannen angeboten werden. Wenn es reicht, wird dann (wahrscheinlich) an Pfingsten eine weitere Ausstellung angeboten, und das dann vermutlich im Ratssaal des jetzigen Rathauses im Amthof.

(1522) 

Vergessene Zeiten!

Die Werkzeugmacherei der EGO in den 1960er Jahren.
Die Werkzeugmacherei der EGO in den 1960er Jahren.

Wir leben in der Gegenwart und schauen in die Zukunft. Alles andere wäre fahrlässig. Aber zurückschauen wie es früher war, darf man auch. Dabei helfen alte Fotos, mit denen man einst versuchte das damalige Zeitgefühl einzufangen und zu konser-vieren. Aus diesem Grund haben unsere Vorfahren Fotoalben angelegt, heute ist dies nicht mehr unbedingt „en vogue“. Man hat ja das Smartphone immer dabei mit dem man alles fotografieren kann. Die vielen eingefangenen Schnappschüsse lädt man sich günstigenfalls auf den Computer – und findet sie nach ein, zwei Jahren nicht mehr. Die Vorstellung übertreibt wohl nicht allzu sehr, dass nach zwei Generationen von diesen Bildern nicht mehr viele und dauerhaft familiär abrufbar bleiben werden. Wohl auch nicht mehr, als uns beispielsweise an Fotos aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Familienfotoalben überliefert sind.

Solche Aufnahmen aus privaten Fotoalben will der Heimatkreis am Ostermontag in einer Ausstellung im alten Derdinger Rathaus zeigen. Fotos mit vergangenen Motiven aus früheren Zeiten. Die in ihrer Summe aber den Zeitgeist des 20. Jahrhunderts zeigen, dessen Erinnerung langsam verblasst. Wir haben die Jahrtausendwende als willkürlichen Schlusspunkt gesetzt.

Schlendert man durch die Fotoausstellung erkennt man, dass heute mehr Autos und weniger Kinder auf den Straßen zu sehen sind, dass damals die Gesellschaft und die Nachbarschafts-kontakte stärker waren. Auf den Gruppenaufnahmen identifiziert man Personen, die heute nicht mehr leben. Erinnerungen an den Arbeitsalltag und Freizeitvergnügungen werden gezeigt. Der Heimatkreis kann nur solche Belege zeigen, die ihm zugänglich sind, weshalb er ja dauernd versucht an alte Privatfotos zu gelangen, um sie als Ausdruck der Zeitgeschichte unserer Region zu konservieren.

Die Ausstellung hat noch einen weiteren Zweck, wir wollen uns auf das Datum der Gemeinde-reform vorbereiten, die 2023 ein halbes Jahrhundert zurückreicht. Geplant ist dafür von uns ein einschlägiges Ortsfotoalbum, das alle Ortsteile berücksichtigt. Die Ausstellung am Ostermontag, den 18. April 2022, ist von 11 Uhr bis 18 Uhr im alten Derdinger Rathaus geöffnet. Lockerungen der Coronaregeln machen diese schon letztes Jahr vorgesehene Ausstellung nun möglich.     

(1422) 

Rundbrief 63 wird zugestellt

Freiheitsdenkmal in Waghäusel. Die Badische Revolution von 1848 hatte auch Folgen für Flehingen.
Freiheitsdenkmal in Waghäusel. Die Badische Revolution von 1848 hatte auch Folgen für Flehingen.

Noch vor Ostern wird der erste Rundbrief für dieses Jahr unseren Mitgliedern zugestellt. Auf 80 Seiten enthält er Lesestoff zu regionalen, volkskundlichen und geschichtlichen Themen. Ein ausführlicher Artikel schildert unsere Gegend vor 100 Jahren und wie bescheiden die Leute im Verhältnis zu heute leben mussten. Man erfährt, wie grundlegend anders die Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg waren. Weil wir mit dem Zaisenhäuser Heimat-, Kultur- und Trachtenverein zusammenarbeiten, erscheinen zwei Artikel mit Zaisenhäuser Bezug im aktuellen Rundbrief: Der Rathausesel als Denkmal des Zaisenhäuser Utznamens, und eine Abhandlung über Kaufläden und Geschäfte in dieser Gemeinde. In einem weiteren Aufsatz werden die „Unkräuter“ vorgestellt, die es bei uns gibt. Die restlichen Beiträge befassen sich mit länger zurückliegenden Zeiten, z.B. die Auswüchse der Badischen Revolution in Flehingen, den Waldhüterdienst oder die detektivische Untersuchung einer „Applikation“, die früher einmal auf einem priesterlichen Gewand (Pulviale) für die Flehinger Simultankirche angebracht war. Alles in allem passende Lektüre für abendliche Stunden. Im aktuellen Heft wird auch Frau Essert-Lehn vorgestellt, die Künstlerin des Derdinger Lichtmessdenkmals und der Skulptur „der Lesende“ in der Mediathek.

Ohne stabile Mitgliederbasis wäre es nicht möglich ein solches Vereinsorgan herauszugeben. Genauso wichtig sind Vereinsangehörige, die Artikel schreiben und dabei Themen aufgreifen, die in unserem Interessensgebiet liegen. Im April möchten wir den diesjährigen Vereinsbeitrag von 10 € bei den Mitgliedern abbuchen. Wir haben seit Einführung des Euro nicht aufgeschlagen, der Mitgliedsbeitrag bleibt auch in diesem Jahr stabil. Der Termin für unsere Jahreshauptversammlung steht noch nicht fest, weil wir wegen Corona kein Risiko eingehen wollen.          

(1322) 

Nach dem Krieg

Schaufenster der Bäckerei Seyfried in Derdingen um 1950.
Schaufenster der Bäckerei Seyfried in Derdingen um 1950.

Ob es wohl stimmt, dass Dieselautofahrer ihre Tanks mit billigem Salatöl füllen, und für die leergekauften Öl-Regale in den Supermärkten mitverantwortlich sind? Eigentlich schlecht vor-stellbar, denn so ganz unproblematisch ist dieser Sparansatz nicht. Er kann dem Motor schaden und belastet die Umwelt. Steuergünstiges und demnach im Verhältnis zum Sprit billiges Heizöl zu tanken ist strafbar, kommt deshalb nur sehr selten vor. Weniger oft das Auto bewegen ist der klügere Sparansatz.

Manches erinnert zurzeit ein bisschen an die Koreakrise vor gut 70 Jahren. Eine Grundunsicherheit in der Bevölkerung, eine unterdrückte Angst, das Gefühl nichts gegen eine gespürte Bedrohung machen zu können. In den Zeitungen las man damals von Kämpfen an der Demarkationslinie und vom 38. Breitengrad in Korea. Der US-Verteidigungsminister George Marshall wollte die 3,5 Millionen US-Streitkräfte in Europa auf 4 Millionen aufstocken, und General Eisenhower sprach im US-Senat von der Anwendung der Atombombe bei einem russischen Einmarsch in Mitteleuropa. Lauter schlimme Nachrichten für eine Bevölkerung, die noch den Schrecken des Krieges vom eigenen Erleiden kannte. Und doch war etwas anders: Es gab keine Bilderflut. Auf den Titelseiten der Zeitungen stand nur Gedrucktes. Fotos fehlten zumeist, Fernsehen mit einem bedrohlichen Bilderangebot gab es noch nicht. Privatleute fotografierten selten. Alltagsbilder aus den frühen 1950er Jahren fehlen. Aus der Nachkriegszeit gibt es nur ausnahmsweise private Fotos die das seinerzeitige Lebensgefühl zeigen. Man kleidete sich anders. Es gab zumeist Handarbeit, wenig Maschinen und noch keine Automaten für die einfachen und wiederkehrenden Tätigkeiten. Auch weniger Autos, das Sonntagsvergnügen suchte man mit Gleichgesinnten.

Unser Verein ist sehr an Fotos aus der Nachkriegszeit interessiert. Auch für eine geplante Ausstellung am Ostermontag. Typische Bilder aus einer Zeit die bescheidener war, jedenfalls sich genauso unsicher anfühlte wie die heutige.       

(1222) 

Die Not besiegte den Stolz

Das Derdinger Gasthaus „Sonne“ verliert den Putz.
Das Derdinger Gasthaus „Sonne“ verliert den Putz.

Typisch sind Fachwerk-häuser für Weinbau-gemeinden. Stolz zeigen sie her, wem sie gehörten, meist ziert auch noch eine Bauin-schrift ihre Balken. Man kann einträgliche Zeiten erkennen, in denen sie gebaut wurden, zumeist nach Kriegen. Ein Fachwerkensemble wirkt heute wie ein Magnet auf den Fremdenverkehr. Man bewundert seine Pracht.

Aber 200 Jahre zurück war es anders. Damals sah man im Fachwerk der Häuser ein Risiko. Wenn es brannte, konnten Flammen in den dicht bebauten Ortschaften auf die Häuserbalken der Nachbarschaft überspringen. Brandbekämpfung war damals ein großes Problem, ganze Dörfer brannten ab, wie beispielsweise Güglingen. Weshalb im 19. Jahrhundert Fachwerkhäuser aus Brandschutzgründen verputzt werden mussten. Vieles änderte sich daran bis in die Nachkriegszeit hinein nicht. Da konkurrierte auch etwas anderes ums Geld, das man ja nur einmal ausgeben kann. Dies änderte sich erst nach dem Krieg in der Aufbau-zeit der 1950er und 1960er Jahre. Wer es sich leisten konnte, baute am Ortsrand neu, die „ortsbildprägenden Fachwerkhäuser“ in den Dorfkernen, wurden von denen, die blieben hergerichtet. Große Fachwerkhäuser aus vergangenen Jahrhunderten gehörten ja zumeist den Familien der örtlichen Führungsschicht.         

(1022) 

Rundbrief 63 in der Druckerei

Herbert Berger mit Zöglingen vom Erziehungsheim 1959  beim Grubbern an der alten Gochsheimer Straße.
Herbert Berger mit Zöglingen vom Erziehungsheim 1959 beim Grubbern an der alten Gochsheimer Straße.

So wie es jetzt aussieht werden wir den ersten Rundbrief des Jahres 2022 unseren Mitgliedern auf Ostern zustellen können. Das Manuskript ist in der Druckerei. Es hat einen Umfang von 80 Seiten, beschäftigt sich mit Lokal-geschichte, Volkskunde und dieses Mal auch mit „Ackerunkräutern“.  Ein- oder zwei Generationen zurück, hätte man dieses Thema nicht aufgreifen müssen. Auf dem Land kannte jeder noch den Huflattich oder die Distel, auch Dialektnamen wie „Feldmägen“. Heute ist es ein bisschen anders geworden. Fürs Unkraut interessieren sich nur noch diejenigen, die es im Garten jäten müssen und fragen, mit was man es „wirksam be-kämpfen“ kann. Wer noch Landwirtschaft treibt, orientiert sich im Internet und nicht in der Literatur über die jahreszeitlich anstehenden Feldarbeiten. „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt…“ dieses Frühlingslied ist aus dem Lehrplan der Schulen gestrichen, weil damit niemand mehr etwas anfangen kann, auch die Lehrer vom pflügen und „zackern“ nichts mehr aus eigener Wissenschaft erzählen können. Dies war ein Grund für unseren Verein dieses nicht mehr aktuelle Thema aufzugreifen. 

In diesem Frühjahr haben wir vor, uns die Unterdörfer Kirche in Derdingen anzusehen, als Folgeveranstaltung in der Reihe „Wer kennt die Kirchen unserer Heimat?“ Stand in Zaisenhausen die Architektur im Mittelpunkt, der Großherzoglich Badische Oberbaurat Heinrich Hübsch, Erbauer der Zaisenhäuser Kirche, war ja für den „Historizismus“ stilprägend -- werden wir dieses Mal die Fresken der Spätgotik und die Epitaphien der Württembergischen Ehrbarkeit, die in der Peter und Paulskirche zu sehen sind, dem interessierten Publikum vorstellen.       

(0922) 

Vom Fasten

Für Viele hat „Fasten“ die christliche Wurzel verloren, sie verstehen heute darunter schlichtweg „abnehmen“. Aber dies ist nicht der Sinn dieses in fast allen Völkern geübten Brauches. Fasten kann man aus unterschiedlichen Anlässen: Als Christ während der „Fastenzeit“ 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern (die Sonntage werden dabei nicht mitgezählt) oder als Moslem während des Ramadans. Man kann fasten als Bußübung verstehen sich an Speisegebote und -verbote halten, wie am Freitag kein Fleisch essen. Das Ziel ist die leiblich-geistige Gesundheit zu erreichen, die auf Zucht, Maß, Ordnung und Freiheit von der menschlichen Triebhaftigkeit beruht. Manches davon geht auf israelitische Anschauungen zurück.

Heute wird im „christlichen Umfeld“ eher lax aufs Fasten geachtet. Vor 60 und mehr Jahren hätte niemand eine Tanzveranstaltung während der „geschlossenen Zeit“, der Fastenzeit besucht. So etwas tat man nicht, auch wenn es nicht ausdrücklich verboten war. Oder umgekehrt, man musste es obrigkeitlich nicht regeln, weil es sowieso niemand tat. Im evangelischen Württemberg lebte man in der „Passionszeit“ und kannte am Palmsonntag, (dem Sonntag vor Ostern) die Palmbrezeln und der Langschläfer bekam den Titel „Palmesel“. Am Karfreitag aß man kein Fleisch von warmblütigen Tieren. Auch die kirchliche Liturgie war ehedem in der Fasten- oder Passionszeit anders: die Altäre verhängte man mit „Hungertüchern“. Heute geht es vielen beim Fasten um den bewussten Verzicht auf liebgewordenen Gewohnheiten wie Alkohol, Süßigkeiten und Nikotin. In katholischen Gegenden war es bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts üblich, dass dort vor Ostern gefastet wurde. Wer auf Reisen, krank oder über 60 Jahre alt war, brauchte sich nicht an die Speisegebote halten, die beispielsweise nur eine volle Mahlzeit am Tag und je zwei kleinere Stärkungen erlaubten. Die Fastenzeit beginnt bei den Katholiken am Aschermittwoch mit dem Aufruf zur Buße, zur Umkehr, der Priester zeichnet ein Aschenkreuz dem Kirchenbesucher auf die Stirne. Übrigens: Das freitäglich-christliche fleischlose Fasten lag nicht im „Grünen Sinn“, als von dort ein fleischloser Wochentag angeregt wurde. Bei diesem „Fleischverbot“ ging es ums „weltliche Tierwohl“.

(0822)    

Archäologischer Zeitgeist

Bronzeschmuck aus einem keltischen Frauengrab in Flehingen.
Bronzeschmuck aus einem keltischen Frauengrab in Flehingen.

Wie es vor tausend Jahren oder noch viel weiter zurück hier aussah, rekonstruiert die Archäologie als die Zulieferin der Geschichtswissenschaft. Manchmal ziemlich unsicher, was sich auf Grund der oft dürftigen „Datenlage“ nicht vermeiden lässt. Trotzdem kann man den Blick auf die europäischen Kulturen richten, und manches was „heute läuft“ verständlich einmessen. Da hat man in einer „Eiszeithöhle“ in Serbien ein Kindergrab gefunden, das Schmuck aufwies, und die Zusammenschau der Fundsituation eine Interpretation zuließ, dass damals Frauen und Männer gesellschaftlich annähernd auf gleicher Stufe standen.  Viele dachten über dieses „Problem“ früher nicht nach – zumindest findet sich darüber in den gängigen Handbüchern nichts, so war es unlängst in der Frankfurter Allgemeinen zu lesen.

Ein paar Jahre zurück hatte Harald Pflüger und Martin Kössler in Flehingen ein keltisches Frauengrab entdeckt. Sein Bronzeschmuck wurde in der jüngsten Landesausstellung über die Kelten in Konstanz gezeigt. Daraus kann man einen ähnlichen Interpretationsansatz ableiten, wie er kürzlich in der FAZ für das steinzeitliche Grab auf dem Balkan beschrieben wurde. Andersherum: können wir mit heutiger, von der Kulturtradition definierten Sichtweise etwas interpretieren, was weit zurück liegt, „unvorstellbar lange“ schon vergangen ist? Gibt es auch beim Menschen reflexhafte Instinkte? Einfacher formuliert, ist das Bedürfnis, dass sich Frauen schmücken wollen, angeboren? Träfe dies zu, dann wird es wahrscheinlich, dass auch Männer instinkthafte Handlungszwänge aufweisen, die über die triebhaft-archaische Ebene hinausgehen. So gesehen kann Archäologie auch für die heutige Gesellschaft Erkenntnisse bringen, zumindest zum Nachdenken anregen.  

(0722) 

Zaisenhausen

Teilnehmer der Kirchenführung vor dem Portal der Liebfrauenkirche in Zaisenhausen.
Teilnehmer der Kirchenführung vor dem Portal der Liebfrauenkirche in Zaisenhausen.

Man kann die Fakten zur Zaisenhäuser Kirche sicher exakt in der von Herrn Hartmut Hensgen verfassten Ortschronik nachlesen – aber etwas anderes ist es, wenn man vor Ort das Bau-werk erklärt bekommt. Bei der vom Heimat- Kultur- und Trachtenverein Zaisenhausen zusammen mit dem Heimatkreis Oberderdingen gebotenen Auftaktveranstaltung für 2022 trafen sich in der Liebfrauenkirche von Zaisenhausen rund 40 Interessierte. Das Thema wurde also vom Publikum angenommen, Herr Hensgen hat auch das Bemerkenswerte der Kirchenarchitektur verständlich erläutert.

Heinrich Hübsch, ein Weinbrennerschüler, versuchte nach dem Empire einen eigenen Stil zu finden. Also die Anfänge des Historismus, die Gotik zu verstehen und in die damalige Gegen-wart zu übersetzen. Schließlich war der „Vormärz“ gesellschaftspolitisch doch ganz anders als das Mittelalter. Davon wollte er weg und probierte dies in seiner Sprache, der Architektur. Die Zaisenhäuser Kirche gibt davon Zeugnis.

Die Vorgängerkirche St. Peter zerstörte ein Blitzschlag 1807, dreißig Jahre später war -nach erheblichen lokalpolitischen Querelen- die neue Liebfrauenkirche durch Heinrich Hübsch fertiggestellt. Samuel Friedrich Sauter, damals Pensionär in Flehingen, kommt in seinem Gedicht zur Entstehung der neuen Kirche in Zaisenhausen zu dem Schluss „und jetzt macht das Gebäude, den Bürgern Ehr und Freude“. Frau Henriette Pfefferle, die Vorsitzende des Heimat- Kultur- und Trachtenvereins Zaisenhausen, trug zum Einstieg in die Thematik des Zaisenhäuser Kirchenbaus das ganze Sautergedicht vor. Und die neuere Baugeschichte mit der Renovierung 2009 zeigte Herr Rainer Maier an Hand von Dias. Abgerundet wurde die Kirchenbesichtigung durch den langjährigen Organisten Herrn Werner Reinbold, der mit Klangbeispielen und Choralvorträgen das doch schon 180 Jahre alte Instrument erläuterte.

Nach Abfrage der Teilnehmer besteht durchaus Interesse auch andere Kirchen unserer Heimat kennenzulernen. In diesem Sinne ist ein Kandidat im Frühjahr dafür unsere Peter- und Paulkirche im Unterdorf.

(0622) 

Wer kennt die Kirchen unserer Gegend?

Die evangelische Liebfrauenkirche in Zaisenhausen wurde 1836 erbaut. Die zwei Kirchtürme sollen an die beiden früheren Dorfkirchen erinnern.
Die evangelische Liebfrauenkirche in Zaisenhausen wurde 1836 erbaut. Die zwei Kirchtürme sollen an die beiden früheren Dorfkirchen erinnern.

Damit rechnet wohl keiner, dass in einem 614 Seiten dicken Buch aus dem Jahre 1842 mit dem Titel: „Zürich und die wichtigsten Städte am Rhein in Bezug auf alte und neue Werke der Kunst“ die „evangelische Kirche zu Zaisenhausen (zwischen Carlsruhe und Heilbronn an der Landstraße)“ aufgeführt wird. Sie steht in einer Reihe mit der Lutherkirche zu Barmen, dem Waisenhaus zu Frankfurt oder den Kirchen zu Epfenbach und Bauschlott – alles Gebäude, die der „Oberbaurat und Chef der Civilbaudirektion in Carlsruhe, Heinrich Hübsch“ errichtete. Damals ein modernes, kaum fünf Jahre altes Bauwerk. Wir wollen uns die Zaisenhäuser Liebfrauenkirche ansehen. Dazu treffen wir uns am kommenden Samstag, den 12. Februar 2022, auf dem Zaisenhäuser Rathausplatz gegenüber der Kirche um 14.30 Uhr. Wir fahren wegen der „Corona-Einschränkungen“ mit dem eigenen PKW dorthin. Herr Hartmut Hensgen, ein ehemaliger Lehrer an der Strombergschule, wird uns und Interessierten aus Zaisenhausen die Kirche zeigen.

Wir schätzen das Gesundheitsrisiko für uns bei solchen Veranstaltungen in Coronazeiten als gering ein. Weshalb wir anschließend, wer will und kann, (Impfnachweis ist dafür notwendig) noch eine Gaststätte für ein Viertele besuchen. Übrigens: Herr Hensgen hat eine Neuausgabe der Zaisenhäuser Chronik verfasst, das über 600 Seiten starke Werk „Zaisenhausen, aus der Geschichte eines Kraichgaudorfes“ kostet 29 €. Herr Hensgen wird Exemplare mitbringen.   

(0622) 

Es passt!

„Die Pfarrscheune im Amthof Derdingen trägt die Inschriftentafel, die 1580 abgeändert wurde.“
„Die Pfarrscheune im Amthof Derdingen trägt die Inschriftentafel, die 1580 abgeändert wurde.“

Unter der Überschrift „Lateiner sind gefragt“ wurde letzthin hier versucht, das Rätsel der Inschriftentafel an der Pfarrscheune im Amthof zu lösen. Es hat geklappt! Pfarrer i.R. Palmbach gab den Hinweis, dass „..orius“ wohl für Georgius stünde. Tatsächlich war ein Georg Tripelmann von 1548 bis 1555 Abt in Herrenalb. Nach dem „Interim“ waren die Klöster an die Orden zurückzugeben. Maulbronn war nach der Säkularisation das Sammelkloster für nicht „weltlich“ gewordene Mönche, auch für die des ehemaligen Herrenalber Klosterkonvents. Vier oder fünf von ihnen wählten ihren Bruder „Jeorius“ zum Abt. In sein Amt eingeführt wurde er vom Abt des Zisterzienserklosters Neuburg am 15. November 1548. Herzog Ulrich bestätigte ihn, nachdem er auf die Restitution der seither in Abgang gekommenen Klostergüter verzichtete.

Aber während seiner Amtszeit rissen in Herrenalb schwere Missstände ein. Die Offizialen von Speyer und Straßburg drängten auf Veränderung und schließlich auf Rücktritt des Abtes, in den Georg Tripelmann 1555 einwilligte. Der habe sich an einer Viehmagd vergangen, war der Hauptvorwurf, der ihn zum Einlenken brachte. Diese heiratete er und zog nach Merklingen. Sein Prior Philipp Degen, der die Beschwerden gegen ihn auch beim Württembergischen Herzog vorbrachte, wurde sein Nachfolger als erster evangelischer Abt in Herrenalb. Verständlich ist, dass der Hinweis auf ihn auf der Inschriftentafel an dem Gebäude im Amthof getilgt wurde. Wahrscheinlich 1580, denn zu dem Zeitpunkt zog ein neuer Württembergischer Amtmann in Derdingen auf.     

(0522) 

Alles fließt…

Heuer sieht Lichtmess in Oberderdingen anders aus!
Heuer sieht Lichtmess in Oberderdingen anders aus!

Zurzeit ändert sich vieles. Auch Lichtmess in Oberderdingen. Um 9 Uhr beginnt am 2.2.2022 der Derdinger Nationalfeiertag zwar wieder an der Oberen Mühle, aber das folgende Programm ist dann gegen-über dem seitherigen Ablauf „gestrafft“. Das ist hinnehm-bar und allemal besser als ein Totalausfall, der im 20. Jahrhundert nur in Kriegs-zeiten passieren konnte.

Die Angebote unseres Vereins werden in diesem und im nächsten Monat auch anders. Unsere Zusammenkünfte im Flehinger Bahnhof fallen bis auf Weiteres aus. Als weniger risikoreich schätzen wir Fahrten mit dem eigenen PKW an interessante Orte mit kurzen Wanderungen oder Kirchenbesichtigungen ein. Da gäbe es in der Nachbarschaft durchaus lohnende Ziele. Der Michaelsberg am Kraichgaurand bei Untergrombach oder die Kirchen in Zaisenhausen oder Bahnbrücken. Wir werden Alternativen für den Februar prüfen.

In den Zeiten vor Corona lag unsere Generalversammlung immer im ersten Vierteljahr, letztes Jahr wichen wir davon ab, und auch dieses Jahr wird uns wohl nicht viel anderes übrig-bleiben, als den Termin erneut hinauszuschieben. Vorbereiten wollen wir jedoch eine Fotoausstellung an Ostern im Ratssaal. Wir suchen dafür passende Fotos aus „Derdingens alten Tagen“.

Auf Ostern soll auch der nächste Rundbrief erscheinen. Anfangs März ist für dessen Artikel Redaktionsschluss. Aber wer etwas zur Ortsgeschichte oder Volkskunde schreiben, will ist herzlich eingeladen, nach der Nr. 63 des Rundbriefs kommt die Nr. 64, und dafür liegen noch keine Aufsätze vor. Themen jedoch gäbe es viele. Welcher Autor oder Autorin kann sich daran erinnern oder weiß aus Erzählungen was es früher an der Konfirmation zum Essen gab, wo diese gefeiert wurde und wer dazu eingeladen war? Auch da hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges geändert. Auch der „Jahresurlaub“ wäre ein Thema, wie begann das Reisefieber in der Nachkriegszeit, Ziele und Dauer, Pauschalreisen, Italien, Fernreisen mit dem Flugzeug dann Corona; es gibt sicher noch weitere Stichworte für einen Aufsatz.  Übrigens, als die heute 50-Jährigen heranwuchsen, hörten sie weg, als ihnen der Vater sagte: „nichts ist mehr wie früher!“ 

(0422) 

Lateiner sind gefragt

Sandstein mit Inschrift von 1580 an der Pfarrscheuer im Amthof
Sandstein mit Inschrift von 1580 an der Pfarrscheuer im Amthof

In der Ostwand der Pfarr-scheuer im Amthof ist ein (heute allerdings über-wucherter) Sandstein mit Inschrift eingemauert. Diese Spolie trägt die Jahreszahl 1580, die über einer (lateinischen?) Inschrift und dem undeutlichen Rest eines Wappens eingemeißelt ist. Ihr Geheimnis konnte bis jetzt nicht aufgelöst werden. Im Standardwerk „Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe“ steht: „kaum mehr lesbares Inschriftenfragment und Jahreszahl, die Oberfläche ist fast völlig abgerieben“. Die Kelter mit angebauter Pfarrscheuer wurde um 1500 erbaut, der Kragstein an ihrer Westseite frägt das Wappen von Marcus von Gernsbach, der in Herrenalb von 1506 bis 1529 amtete.

Der Text der Spolie lautet nach Seeliger-Zeiss: „- - orius“ darüber ist 1580 eingeschlagen. Vor dem Wortrest „orius“ fehlen ein bis höchstens zwei Buchstaben, ob Abschlussbuchstaben fehlen ist offen. Bis 1579 ist Sebastian Dreher Amtmann in Derdingen, er baute die Laurentiuskirche. Sein Nachfolger (ab 1580) wurde Jacob Fleck, der seiner Ehefrau Barbara in der Oberderdinger Kirche ein Epitaph gesetzt hat. Wie kann man den wohl lateinischen Wortrest „orius“ sinnvoll ergänzen? Ist es ein Vorname? Oder kann man ihn auch so ergänzen, dass er auf Deutsch einen Sinn ergibt? Der Derdinger Ortschronist Brandauer wies das abgeschlagene Wappen Württemberg zu, was aber auszuschließen ist. Hat Jacob Fleck die Erinnerung an seinen Vorgänger mit der eingemeißelten Jahreszahl 1580 löschen wollen? Möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich. Der Wappenstein war möglicherweise bevor er in die Pfarrscheuer eingemauert wurde woanders angebracht. Wer kann Latein oder kann sonst helfen?      

(0322) 

Zu neuen Ufern lockt ein neues Jahr

Spielmannszug der Hitlerjugend 1940
Spielmannszug der Hitlerjugend 1940

 

Was unsere Mitglieder nicht tun durften, änderte sich im vergangenen Jahr meh-rmals. Wir können uns darauf einstellen, dass dies in nächster Zeit nicht viel anders wird. Weshalb wir uns überlegen sollten, was wir für die Zeit vorbereiten, in der die Einschränkungen gelockert werden. Von einem Lockdown sind Suchen, Recherchieren und Ordnen nicht betroffen, wenn man in den eigenen vier Wänden bleibt.

Im Archiv der Gemeinde sind Aufnahmen aus der Zeit des Dritten Reiches rar. Dies ist einer-seits verständlich, da 1945 auch private Fotoalben „entnazifiziert“ wurden, d.h. dass Fotos mit Hakenkreuzen entfernt und verbrannt wurden. Sicher haben sich aber trotzdem Fotos von Aufmärschen erhalten. Die gab es ja jedes Jahr und in jeder Gemeinde. An solchen Bildern ist der Heimatkreis interessiert. Sie dokumentieren einen Teil der Ortsgeschichte. HJ- Spiel-mannszüge gab es überall, aber fast keine Aufnahmen sind im Archiv der Gemeinde oder des Heimatkreises. Das eine oder andere Foto hat sich doch in Privatalben erhalten, und wäre als Zeitdokument für die Nachwelt interessant. Wir suchen Reproduktionsmöglichkeiten von solchen Fotos.

Unsere monatliche Zusammenkunft im Flehinger Bahnhof wird im Januar 2022 pande-miebedingt ausfallen. Eine Fahrt zu einem Museum werden wir erst dann wieder anbieten, wenn man ohne Mundschutz Ausstellungen besuchen darf. Vorbereiten könnten wir jedoch im Blick aufs Frühjahr ein gemeinsames Vorhaben mit dem Nachbarverein in Zaisenhausen. Ein Versuch ist es allemal wert, und gemeinsam interessierende Themen gibt es. In diesem Sinne wird der Heimatkreis nun die Zeit der gebremsten Möglichkeiten im Neuen Jahr nutzen.

(0222) 

Gesunde Feiertage

Weihnachten vor 70 Jahren, Familie Karl und Wilhelmine Böhler in Derdingen
Weihnachten vor 70 Jahren, Familie Karl und Wilhelmine Böhler in Derdingen

Ob es wohl früher besser war? Es war vor sieben Jahrzehnten anders und bescheidener. Urlaub in fernen Ländern, das kannte man nicht, man schenkte sich zu den Festtagen, was man brauchte und freute sich darüber. Der Krieg war vorbei, man spürte, es ging aufwärts.

Was sind heute unsere Sorgen und was gibt uns Hoffnung, über was redet man heute am Familientisch an Weihnachten? Sicher nicht nur über das allgegenwärtige Coronathema, übers Impfen, sondern auch darüber wie es wohl weitergeht, über die Zukunftsaussichten der Kinder und Enkel. Welche Berufsbilder sind morgen gefragt, welche Fähigkeiten sollte man besitzen. Bei den Überlegungen zur Zukunft ist auch Erfahrungswissen gefragt. Die Tage zwischen Weihnachten und Dreikönig werden erfahrungsgemäß allgemein zu Familienbesuchen genutzt. Erinnerungen an vergangene Zeiten, an die eigene Jugend, werden von den Älteren gerne erzählt. Das „soziale Umfeld“ war damals einfacher und übersichtlicher, und die Zukunftspläne überall ähnlich.

Die Enkel werden eine Generation später wohl auch den heutigen Zeiten nachtrauern und davon erzählen „wie es früher war“. Pflegen wir also an den Feiertagen ganz bewusst das Gespräch in der Familie, das nachwirkt und länger hält, als die meisten Weihnachtsgeschenke. Vielleicht ist unsere Coronazeit mit ihren Einschränkungen dann für die Enkel der Drehpunkt, an dem auch Jugenderinnerungen hängen.  

(5121) 

Zukunftsplanungen

In der Sebastian-Kirche in Bahnbrücken befinden sich wertvolle Wandmalereien, die erst vor 110 Jahren wiederentdeckt wurden.
In der Sebastian-Kirche in Bahnbrücken befinden sich wertvolle Wandmalereien, die erst vor 110 Jahren wiederentdeckt wurden.

Von dem, was unser Verein sich für das ablaufende Jahr vornahm, konnte wenig umgesetzt werden. Gut, mit unseren Rundbriefen hielten wir Kontakt mit den Mit-gliedern, nur weniges durfte man „gemeinsam unter-nehmen“. Ein Spaziergang zur Bismarckeiche, und der Besuch auf dem Michaelsberg im Zabergäu war es dann für den Herbst.

Einen Termin für die Jahreshauptversammlung 2022 können wir noch nicht angeben. Bei der Altersstruktur unseres Vereins ist eine „Internetkonferenz“ nicht angesagt. Wir werden warten, bis es wieder möglich ist, sich analog, also „körperlich“ zu treffen. Auch gemeinsame Ausflüge mit der Bahn scheiden so lange aus, bis man dort ohne Maske den Zug benutzen darf. Bleibt für uns eigentlich nur wenig übrig: Organisierte Autofahrten mit Privat-PKW und Spaziergänge in der näheren Umgebung. Auch dafür gäbe es lohnende Ziele, für die sich zumindest einen Teil unserer Mitglieder interessieren könnte. Zum Beispiel die Kirchen in der näheren Umgebung. Wenige Derdinger werden die Bahnbrücker Kirche von innen kennen, und wenige Flehinger waren wohl schon der Kirche von Hohenklingen. Auch der Michaelsberg bei Bruchsal wäre ein lohnendes Ziel, praktisch der zweite Teil unseres Ausflugs ins Zabergäu. Vielleicht wäre auch in Zusammenarbeit mit dem Förster ein winterlicher Waldbegang möglich, oder mit unserem Nachbarverein in Zaisenhausen eine Besichtigung der dortigen Kirche. Durch ihren Weißenburger Ursprung hatte eine der Vorgängerkirchen ein Petruspatrozinium. Viel weiter sollte man wohl nicht planen, denn „Zeit und Umstände“ fürs nächste Vierteljahr sind noch wenig abschätzbar.

(5021)