Aktuelles

Jahreshauptversammlung am Donnerstag, den 16.9.2021

Weitere solcher Bilder von „nicht mehr Vorhandenem“ suchen wir auch für die geplanten Ausstellungen an Kirchweih in Flehingen (und Großvillars)
Weitere solcher Bilder von „nicht mehr Vorhandenem“ suchen wir auch für die geplanten Ausstellungen an Kirchweih in Flehingen (und Großvillars)

Für Vereine ist die Corona-Pandemie eine Heraus-forderung. Vieles, was früher spontan möglich war, geht heute - wenn überhaupt, nach strengen Vorgaben. Zu einer Zusammenkunft in einem geschlossenen Raum sollen nur Geimpfte, Genesene oder Getestete kommen. Dann gelten noch Abstandsvorschriften, und einen Mundschutz soll man auch beim Hineingehen tragen. Als man in den Vereinssatzungen regelte, wie Versammlungen abzulaufen haben, hat man an solche Vorgaben nicht gedacht. Ebenso wenig ist in den Satzungen vorgesehen, dass man sich im Internet zum Meinungsaustausch und zur Abstimmung zusammenschalten kann. War man früher stolz, wenn Generalversammlungen gut besucht waren, muss man heute eher auf Teilnehmerbeschränkung achten. Die Hoffnung bleibt: auch das geht vorüber. Spurlos aber sicher nicht!

Bei manchen Vereinen werden sich nicht nur das kurzfristige Angebot, sondern sogar mittelfristig die Schwerpunkte von Aktivitäten ändern: Wenn Proben längere Zeit ausfallen, ändert sich z.B. das spontan abrufbare Repertoire bei Musik- oder Gesangvereinen und bei Kulturvereinen im weiteren Sinne auch das Angebot für deren Mitglieder. Die Gemeinschaft wird brüchig, Kontakte reißen ab. Gemeinsame Interessen kann man nur noch schwer gemeinsam pflegen. Man sieht es ja ein, dass man wegen der Infektionsketten vorsichtig sein muss, dass enge Kontakte Gesundheitsrisiken bringen, und es unter Seuchengesichts-punkten besser wäre, wenn man zu Hause bliebe. Aber Menschen sind gesellige Wesen, wenn vielen die Decke auf den Kopf fällt, bleiben gesellschaftliche Probleme für alle nicht aus. Also sind Kompromisse gefragt.

Der Heimatkreis hat seine Monatsversammlungen im Flehinger Bahnhof über ein Jahr lang ausfallen lassen. Wie wir weitermachen soll die Hauptversammlung am Donnerstag, den 16. September 2021, beginnend um 19.30 im Flehinger Bahnhof, entscheiden. Freiluftveranstaltungen sind eher möglich – probiert unser Verein im nächsten Monat so etwas aus? Eine Herbstwanderung- ohne gemeinsamen Abschluss wäre denkbar – aber was bringt so etwas für eine gefühlte Gemeinschaft? Alte Fotos kann man sich in einer Gruppe im Internet am Computer anschauen. Mehr Spaß macht es jedoch, wenn man zusammensitzt und redet. Ein Viertele schmeckt auch am eigenen Küchentisch, besser jedoch in der Stammkneipe. Wir müssen uns auf die geplanten Ausstellungen an der Großvillarser und Flehinger Kirchweih vorbereiten, uns Fotos von Privatleuten ausleihen und erbitten. Personen ansprechen, bei denen wir vermuten, dass sie noch unveröffentlichte Aufnahmen in Privatalben besitzen, sie motivieren, ihre Bilder öffentlich zu zeigen, damit nicht alles verloren geht. Auch in schwierigen Zeiten wollen wir Wissen weitergeben und Erinnerungen pflegen.     (3721) 

Jahreshauptversammlung

Erinnerungsfoto mit Bezug zur Familie Gäckle. Wer kann bei der Auflösung helfen?
Erinnerungsfoto mit Bezug zur Familie Gäckle. Wer kann bei der Auflösung helfen?

Ins Archiv kam ein schönes Erinnerungsfoto, das sicher 100 Jahre alt ist und die Familie Gäckle zeigt. Allerdings sind die Personen noch nicht zuordenbar. Wer sie zu kennen glaubt, kann sein Wissen auf dem Rathaus oder im Aschingerhaus weitergeben. Für unsere geplante Ausstellung über Ostern 2022 im Rathaus suchen wir weiter solche Bilder. Jetzt auch aus den 60er bis 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aus Oberderdingen. Veranstaltungen, Jahresfeiern, und sonstige Ereignisse wie Schulhausneubau auf dem kleinen Gänsberg, auch Fotos welche die Aufbruchsstimmung in den 50er Jahren rüberbringen. Genauso dringend werden entsprechende Fotos von Großvillars aus dem gleichen Zeitraum gebraucht. Dort soll ja dieses Jahr schon an Kirchweih eine Fotoausstellung geboten werden, ebenso in Flehingen im Bahnhof an der dortigen Kirchweih. Ansprechpartner für Großvillars ist Herr Oscar Combe, für Flehingen und Sickingen die Herren Franz Weber und Heinrich Kowarsch. Wir können nur zeigen, was uns die Bewohner aus ihren Fotoalben zur Verfügung stellen. 

Am 16. September 2021 treffen wir uns im Flehinger Bahnhof um 19.30 Uhr zur diesjährigen Jahreshauptversammlung.

Bitte bringen Sie dazu Ihren Impfausweis oder die Bescheinigung über die überstandene Corona Infektion und den Mundschutz mit. Wir müssen uns an die zu diesem Zeitpunkt für Versammlungen geltenden Vorschriften halten. Desinfektionsmittel halten wir vor.

 

Auf der Tagesordnung stehen die üblichen Verhandlungspunkte:

 

1.      Bericht des Vorstands

2.      Bericht der Schatzmeisterin

3.      Aussprache über die Berichte

4.      Kassenprüfung und Entlastung

5.      Sonstiges und Ausblick

 

Wobei unter „Sonstiges“ über alles, was interessiert, gesprochen werden kann. So hat der Vorstand und Beirat in seiner letzten Sitzung überlegt, ob man nicht mit Privat-PKW Fahrten zu Museen oder sonstigen interessanten Zielen vom Verein aus organisieren soll. Genannt wurden die Heimatmuseen in Östringen oder Heidelsheim. Es gibt aber auch im Zabergäu Punkte, die unser Verein anfahren könnte. Den Michaelsberg z.B., der ja bis in die Nachkriegszeit hinein Wallfahrtsziel von einigen Flehinger oder Sickinger Katholiken war. Eine Anregung, uns die gotische Kirche auf dem Wallfahrtsberg anzusehen, könnten wir durchaus aufgreifen.  

(3221) 

50 Jahre Oberderdingen im Landkreis Karlsruhe

Die Vorbereitungen für das Jahr 2023, in welchem Oberderdingen 50 Jahre im Landkreis Karlsruhe ist, und mit Flehingen und ganz Großvillars eine neue Gemeinde bildet, laufen nun an. Der Heimatkreis will ein Fotoalbum herausgeben, in dem der Wandel sichtbar wird. Darüber informierten sich Vorstand und Beirat in der Sitzung am vergangenen Donnerstag. Dieses Album wird aus zwei Teilen bestehen, die Ortschaften vor der Verwaltungsreform 1973 mit ihren Bewohnern zeigen, und im zweiten Teil das Zusammenwachsen darstellen. Mit Bildern von Veranstaltungen und sonstigen denkwürdigen Vorkommnissen. Aber der Heimatkreis kann nur Bilder zeigen, die er hat. Deshalb wollen wir an der diesjährigen Kirchweih in Flehingen und in Großvillars jeweils ortsteilbezogen Ausstellungen anbieten und so versuchen, weiteres Material für das Album zu erhalten. Das Vorhaben ist eine große logistische Aufgabe, denn man kennt ja die an Kirchweih wegen der Epidemie wohl geltenden Vorschriften heute noch nicht.

Eigentlich war Corona das Generalthema der Vorstandsitzung. Was können wir unseren Mitgliedern wohl in nächster Zeit bieten? Solange die Maskenpflicht für Bus- und Bahnfahrten gilt, wird der Heimatkreis solche nicht organisieren. Aber man könnte doch im Herbst mit Privat PKW Museen der Umgebung besuchen. Wenige kennen die Heimatmuseen in Heidelsheim oder Östringen. Auch Wanderungen zu Zielen in der näheren Umgebung könnte man anbieten. Gegenstand der Besprechung waren auch Volkskundethemen. Was gab es z.B. vor 50 und mehr Jahren in Flehingen traditionell zum Essen an der Konfirmation. Schreibt man dies heute nicht auf, geht solches Wissen verloren.

Festgesetzt wurde auch der Termin unserer diesjährigen Generalversammlung auf Donnerstag, den 16. September 2021 um 19.30 Uhr im alten Bahnhof von Flehingen.

 

Als Tagesordnung ist vorgesehen:

1.      Bericht des Vorstands

2.      Bericht der Schatzmeisterin

3.      Aussprache über die Berichte

4.      Kassenprüfung und Entlastung

5.      Sonstiges und Ausblick

 

Hinweis: Für die Teilnahme gelten die dann vorgeschriebenen Corona-Regeln für öffentliche Versammlungen. 

 

E. Breitinger, Vorsitzender.   

 

(3521)

Unbeschwerte Ferien!

Besuch der Gedenkeiche des Fürsten Otto von Bismarck (1815-1898) im Derdinger Staatswald, vermutlich gepflanzt zu seinem 80. Geburtstag
Besuch der Gedenkeiche des Fürsten Otto von Bismarck (1815-1898) im Derdinger Staatswald, vermutlich gepflanzt zu seinem 80. Geburtstag

Was uns im Herbst erwartet, weiß heute noch niemand. In der „veröffentlichten Meinung“ befürchtet man deutliche Einschränkungen wegen Corona. Dann wäre es am vernünftigsten die jetzigen Freiheiten (mit Vorsicht!) zu nutzen. Das hätte für unseren Verein bedeutet, in den Ferien eine Hauptversammlung in einer Gartenwirtschaft einzu-berufen. Oder aber darauf zu setzen, dass dann im Herbst, geimpfte, genesene oder getestete Personen auch in geschlossenen Räumen zusammenkommen dürfen. Wir sind Optimisten und setzen auf Letzteres und darauf, dass unsere Mitglieder geimpft sind oder sich bis dahin impfen lassen.

Am vergangenen Samstag haben wir die „Bismarckeiche“ besucht, was ohne große Einschränkungen möglich war. Der Waldspaziergang vom Horn aus dauerte insgesamt gute zwei Stunden und diente, neben der Auffrischung von Schulwissen zur Deutschen Geschichte, ganz schlicht auch zur Kontaktpflege untereinander. So werden wir für unser Archiv und fürs nächste Ortsfamilienalbum noch einige Fotos erhalten. Zum Ausklang im Garten des Weinguts Lutz brachte ein Vereinsmitglied Erinnerungen an den 1870er Krieg mit. Fotos mit schlecht lesbaren Notizen seines Urgroßvaters. Mal sehen, was daraus wird….

Wir werden voraussichtlich auf Oktober eine Sonderveröffentlichung zum Thema „Gemeingut Wald“ herausbringen. In ihr wird im weitesten Sinne der Waldgeschichte auf unserer Markung nachgegangen. Während der Schulferien ist ja der Flehinger Bahnhof für Vereinsver-anstaltungen geschlossen. Hat auch sein Gutes! Man braucht nicht begründen, warum Zusammenkünfte ausfallen. Zu beobachten  ist, dass die Leute darauf warten etwas zu erleben. Wohnwagen sieht man jetzt öfter als früher naturnah parken. Die Straßen sind voll Autos, man merkt es an den Staumeldungen der Autobahnen im Verkehrsfunk. Offensichtlich wollen viele wegfahren, Ferienwohnungen sind ausgebucht, man will etwas unternehmen. Viele versuchen jetzt nachzuholen was sie (angeblich) versäumt haben.

Unseren Mitgliedern wünscht die Vereinsvorstandschaft unbeschwerte Ferien. Nach der allgemeinen Sommerpause werden wir unter Beachtung der dann geltenden Regeln wir Angebote unterbreiten, und wenn es bloß Zusammenkünfte in einer Gartenwirtschaft unter freiem Himmel, oder bei einer kleinen Wanderung sein werden. Das öffentliche Leben und auch das Vereinsleben werden weitergehen. Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln.    

(3121) 

Vom Wald

Waldarbeiter in der kalten Jahreszeit
Waldarbeiter in der kalten Jahreszeit

Wie angekündigt werden wir am kommenden Samstag, den 31. Juli 2021, vom Horn aus zur Bismarckeiche wandern. Wir treffen uns um 15.00 Uhr an der Grillhütte. Der etwas längere Spaziergang – durch den der „Breite Weg führt“ ist fast eben – dauert etwa anderthalb bis zwei Stunden. Wer will, kann anschließend zum Ausklang noch mit in eine Gartenwirtschaft.

Zurzeit bereitet unser Verein eine Sonderveröffentlichung zum Thema „Gemeingut Wald“ vor, sie soll zum 3. Oktober erscheinen. Insofern ist dieser „Waldspaziergang“ ein passender Themeneinstieg. Für diese Broschüre suchen wir noch Bilder „ohne Altersbeschränkung“. Waldarbeiter und Waldarbeiterinnen, vom Vollernter, vom Stämmerücken und Meterholz-setzen, eben alles was mit der Waldwirtschaft zusammenhängt. Sicher, die Sonderver-öffentlichung wird kein „Bilderbuch“ auch deshalb nicht, weil in unserem Vereinsarchiv bislang kaum Bilder zum Waldbau sind. Sie würden sehr helfen, wenn Sie „Waldfotos“ zur Verfügung stellen könnten. Ansprechpartner dafür ist E. Breitinger. . 

(3021)

Spaziergang zur Bismarckeiche

Dies sind Ausflugsteilnehmer des Derdinger ev. Kirchenchors, der Autonummer des Omnibusses nach war dies vor 1955, das „A.W.“ steht für „Amerikanische Besatzungszone Württemberg“
Dies sind Ausflugsteilnehmer des Derdinger ev. Kirchenchors, der Autonummer des Omnibusses nach war dies vor 1955, das „A.W.“ steht für „Amerikanische Besatzungszone Württemberg“

Hoffen wir einmal, dass es ausgangs nächster Woche schönes Wetter sein wird, und wir uns vom Horn aus -auch wegen gelockerter Versammlungsvorschriften- zur Bismarckeiche wandern können. Bei einem solchen längeren Spaziergang gibt es ja viel zu erzählen. Nicht nur über Bismarck, dem Namensgeber des Baumdenkmals und über den „Breiten Weg“, der ja den Staats- und Gemeindewald auf dem Höhenrücken erschließt. Wir werden uns sicher auch über Vereinsfragen unterhalten: Was können, was sollen wir unseren Mitgliedern dieses Jahr noch anbieten?

Vorbereiten sollten wir uns auf das vorgesehene Ortsfamilienalbum für die Gesamtgemeinde mit ihren Ortsteilen, das anlässlich des Verwaltungsreform-Jubiläums 2023 erscheinen wird. Dafür suchen wir Fotos die vor dem Jahr 2000 aufgenommen wurden und typisch fürs Ortsgeschehen sind. Auch Vereinsaufnahmen. Wir müssen auch Leute finden, die uns bei der Beschreibung der Bilder und der Identifikation der Personen gerne helfen. Auch für unsere künftigen Rundbriefe suchen wir Fotos aus der Schwarz-Weiß-Zeit, weil wir den Ehrgeiz verspüren, nicht nur Texte zur Ortsgeschichte und zur Volkskunde abzudrucken, sondern die „vergangenen Zeiten“ in Bildern fürs Archiv zu konservieren. Im Zweifel können Sie ihr „altes Foto“ auch auf dem Rathaus abgeben. Sie erhalten es sicher unbeschädigt zurück. 

Diese Woche ist vom Land Baden-Württemberg der Zuschussbescheid für die Druckkosten unserer zwei Rundbriefe und der geplanten Sonderveröffentlichung eingegangen. Er beträgt 2.250 €, liegt damit um 250 € unter dem Höchstzuschuss. Wir bedanken uns sehr herzlich beim Land für diese Förderung, besonders auch im Hinblick darauf, dass unser nachträglicher Erhöhungsantrag wegen der Zusammenarbeit mit Zaisenhausen unproblematisch durchging. 

(2921)

Mitmacher gesucht!

Vor der Eintracht in Sickingen. Wer kennt den Anlass und die Personen auf dem Bild?
Vor der Eintracht in Sickingen. Wer kennt den Anlass und die Personen auf dem Bild?

Nach „Corona“ muss uns etwas einfallen, um das Vereinsleben wieder „hochzufahren“. Über ein Jahr lang gab es keine Zusammenkunft mehr unseres Vereins. Jetzt sind bald Schulferien, wir hoffen, dass wir uns danach im Flehinger Bahnhof wieder regelmäßig treffen können. Es gäbe so viel zu besprechen.

Auch die jährliche Generalversammlung für 2021 steht noch aus. Vielleicht sind jetzt sogar andere Ansätze für die Vereinsarbeit wichtig? Wer interessiert sich z.B. für Volkskunde oder Alltagskultur. Wir suchen „Mitmacher“. Zum Beispiel ehemalige Schriftführer von Vereinen. Weil wir es als wichtig ansehen auch die Geschichte der kleineren Vereine unserer Gemeinde zu überliefern. Beispielsweise von Vereinen, die keine Chronik anlässlich ihres 50-jährigen oder 75-jährigen Bestehens herausgeben (können). Wie etwa der VdK in Oberderdingen oder Flehingen, oder der Kleinkaliberverein Flehingen der Vorkriegszeit.  

Wir planen auch ein Fotoalbum zum 50er Jubiläum der Gemeinde Oberderdingen nach der Verwaltungsreform. Dazu sammeln wir Aufnahmen bis zu Jahrtausendwende, rückwärts gerechnet ohne Begrenzung. Bilder aus jedem Ortsteil und zu allen wichtigen Ereignissen. Auch typische Gruppenaufnahmen und möglichst frühe Fotos von Straßenszenen. Für uns ist niemand, der dabei mitmachen will zu alt. Im Gegenteil, wir suchen Menschen, die helfen wollen auf älteren Fotos Personen zu identifizieren. Wenn Sie in die Derdinger Infothek oder Post gehen, finden Sie einen Aushang mit Aufnahmen die nicht mehr ganz neu sind, und auf denen man Personen erkennen kann, deren Namen aber nicht mehr bekannt sind. Helfen Sie bitte mit, diese zu identifizieren.

Zu Beginn der großen Ferien werden wir eine Wanderung (längerer Spaziergang) zur Bismarckeiche am Breiten Weg von Derdingen anbieten. Gutes Wetter ist dafür Voraussetzung. Dazu wird man sich an der Grillhütte am Horn treffen. Von dort aus führt der Weg fast eben durch den Wald zu unserem Ziel. Angedacht ist entweder Samstagnachmittag, der 31. Juli oder eine Woche später. Warten wir den Wetterbericht und eventuell weitere „Corona-Lockerungen“ ab. 

(2821)

Alte Bilder für neues Album sichern

Bei einem Ausflug Ende der 1950er Jahre. Wer kann bei der Indentifizierung helfen?
Bei einem Ausflug Ende der 1950er Jahre. Wer kann bei der Indentifizierung helfen?

In alte Fotoalben zu blättern ist immer kurzweilig, auch dann, wenn man viele der dort gezeigten Personen eigentlich nicht kennt. Man ahnt die Umstände in der das Bild entstand und kann auch ungefähr die Zeit der Aufnahme abschätzen. Wenn dann noch Freunde am Tisch sitzen, die auch die Bildersammlung anschauen, kommt es oft zum Gespräch, und das ist wichtig in einer Gemeinschaft, die in der Pandemie die Tendenz zur Eigenbrötlerei entwickelte, Vereinsamung sagt man heute neutral dazu. Auch wir vom Heimatkreis können zurzeit keine Versammlungstermine zum Bilderanschauen bieten. Mit Mundschutz lässt es sich nicht gut in geschlossenen Räumen diskutieren.

Aber wir sammeln weiter Fotos, weil wir auf 2023 ein neues „Ortsfamilien-Gesamtalbum Oberderdingen“ für unsere Gemeinde mit allen Ortsteilen auflegen möchten. Wer alte Fotos hat, die sich für das geplante Album zum 50. Gemeindejubiläum eignen, soll diese bitte vom Heimatkreis scannen lassen. So ist die Erinnerung auch für kommende Zeiten gesichert. Ein Grundstock alter Aufnahmen ist zwar schon beieinander, weil das Album auch die Zeit zwischen 1973 und 2000 abdecken soll, in der durchaus viel fotografiert wurde und man auch noch die gezeigten Personen relativ leicht identifizieren kann. Die hier abgebildete Aufnahme, deren Anlass nicht überliefert ist, wird wohl bei einem Ausflug Ende der 1950er Jahre fotografiert worden sein.

Die Zweitauflage des Ortsfamilienalbum Oberderdingen kann wieder im Aschingerhaus gekauft werden, sie kostet 10 €. Es können also „noch ins Geschäft gehende“ an den Wochenenden das über 200 Seiten starke DIN A 4 Buch dort kaufen. Denn bis zu den Schulferien ist das Aschingerhaus Freitag bis Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Während der Geschäftszeiten des Rathauses oder der Vinothek sind die Ortsfamilienalben aller Ortsteile auch dort zu erwerben.   

(2721)

Heuet

Vor zwei Generationen wäre jetzt Hauptschaffenszeit in der Landwirtschaft gewesen. Denn alle, auch die kleineren Feierabendbauern hielten Vieh, für das man Futter für den Winter, eben Heu, brauchte. Man war jetzt extrem vom Wetter abhängig. Frühmorgens wurde mit der Sense, und später mit dem Mähwerk am Bulldog gemäht, dann ein paar Tage das Mähgut auf dem Feld zum Trocknen ausgebreitet, anschließend zusammengerecht und mit dem großen „Heuwagen“ in die Scheune gefahren. Wenn „ein Wetter über der Erd“ stand, wurde es hektisch. Wie seinerzeit in Großvillars, wo der Vater mit seinem noch zur Schule gehenden Buben spätnachmittags das Heu heimfuhr, und eben die Kurve nur knapp schaffte, d.h. sein Heuwagen kippte um. Es hatte wegen des drohenden Gewitters zu arg pressiert. Vom Schlepper abgestiegen, beschaute er die Bescherung, und klagte seinem Buben: „wenn nur die Mutter dabei gewesen wäre!“ Der Bub meinte darauf, „die hätte den Wagen doch auch nicht halten können!“ Worauf der Vater antwortete: „aber einen Schuldigen hätten wir gehabt!“

In der Heuet lagen die Nerven blank, der Tag war lang und das Geschäft anstrengend. Man musste auch aufpassen, dass das Heu ganz trocken war. Denn feuchtes Heu war gefährlich. Es konnte sich in der Scheune – wenn es dumm lief – selbst entzünden. Weshalb auch die Gebäudebrandversicherung „Heusonden“ finanzierte, mit denen die Bauern die Temperatur ihres eingebachten Winterfutters messen konnten. Silage war seinerzeit allgemein noch nicht üblich. 

(2621)

Fotos aus der Schwarz-Weiß-Zeit gesucht

Mit dem Bus auf Gruppenreise - Ende der 1950er Jahre. Wer kann beim Zuordnen helfen?
Mit dem Bus auf Gruppenreise - Ende der 1950er Jahre. Wer kann beim Zuordnen helfen?

Zwar  gab es in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts durchaus schon Farbfilme. Sie waren aber so teuer, dass „Amateure“ auf dem Land sie kaum nutzten. In alten Fotoalben sind oft Bilder vorhanden, die man schwer zuordnen kann. Wurden sie in Derdingen oder in Flehingen  fotografiert? Wahrscheinlich ist, dass sie in solchen Fällen nur dann ins Album kamen, wenn die Aufnahme einen Bezug zur Familie hatte, der das Album gehörte. Es kann also durchaus sein, dass das abgebildete Foto nicht in unserer Gemeinde aufgenommen wurde. Es stammt ausweislich seines bebauten Umfelds wohl aus den 1950er Jahren. Auch der kleine Omnibus im Hintergrund belegt dies. Waren die jungen Leute Rekruten die Ende der 50er Jahre für die Bundeswehr gemustert wurden? Könnte durchaus sein. Die Wirtin? (Bedienung?) in ihrer Mitte deutet dies an.

Auch solche, auf den ersten Blick nicht eindeutig zuordenbare Fotos „sammelt“ der Heimatkreis Oberderdingen. Schwarz-Weiß Fotos sind allemal historische Belege mir Charme und Aussagekraft, wenn sie irgendwie zusammengehörige Gruppen zeigen. Schön wäre es, wenn es gelänge den Anlass des Fotos zu erfahren, und vielleicht auch noch den einen oder anderen Namen der abgebildeten Leute. 

(2521)

Großvillars

1940 in der Freudensteiner Straße in Großvillars
1940 in der Freudensteiner Straße in Großvillars

Könnte man heute noch die Hausbäume an der Freudensteiner Straße von Großvillars „steubern“? Man sieht es der Frau mit ihren Kindern an, dass es Sonntag ist, und im Sommer 1940 waren viele Ehemänner bereits zur Wehrmacht eingezogen. Fotos hatten damals einen ganz anderen Erinnerungswert, sie unter-scheiden sich deutlich von den heutigen digitalen Formaten. Von letzteren ist zu befürchten, dass die wenigsten 80 und mehr Jahre alt werden, weil sie nur in Ausnahmefällen ausgedruckt und in Fotoalben geklebt werden. Eigentlich schade.

Unser Verein hofft, dass nach den Sommerferien wieder „normale Zusammenkünfte“ ohne Mundschutz möglich sein werden, denn es steht unsere Hauptversammlung für dieses Jahr noch aus. Alte Bilder sind im vergangenen Jahr eingegangen, die zu beschreiben wären, und auch sonst gäbe es einiges zu besprechen. Was können wir z.B. in Großvillars bieten? In den vergangenen Jahren haben wir immer im Herbst eine Veranstaltung im Feuerwehrhaus zusammen mit dem Bürgerverein organisiert. Kommen dieses Jahr noch so viele Bilder zusammen, dass es vielleicht noch zu einer Ausstellung reicht? Gesprächsbedarf ist also auch in unserem Kreis „nach Corona“ vorhanden.       

Bei einem informellen Gespräch in Zaisenhausen stellten die Vorstände des Heimatkreises Oberderdingen und des Heimat, Kultur und Trachtenvereins (HKTV) Zaisenhausen fest, dass es beiden Vereinen zum Vorteil gereichen würde, wenn sie zusammenarbeiteten. So kann der Zaisenhäuser Verein in den nächsten beiden Jahren das Publikationsorgan des Heimatkreises Oberderdingen zur Veröffentlichung von eigenen Artikeln nutzen. Es würde nie schaden, wenn die an Lokalgeschichte Interessierten sich austauschen würden, denn die Themen überschneiden sich nicht nur heute, sondern auch in der Vergangenheit. Man kam überein, dass aber die strikte organisatorische und finanzielle Trennung der beiden Vereine bestehen bleibt. Dies bringt nicht nur Kostenvorteile, beide Seiten haben interessante, sich überschneidende Themen wie „Schwefelbad“ und „Samuel Friedrich Sauter“. Sie haben eine ähnliche klösterliche  Vergangenheit, Herrenalb oder Maulbronn waren ja Zisterzienserklöster.

Jedenfalls, der Wille beider Vereinsvorstände war es, den aufgenommenen Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen, man will sich deshalb in absehbarer Zeit zu weiteren Gesprächen treffen.

(2421)

Säckzeichner

Ein Derdinger Maltersack von 1848 wird an den Heimatkreis übergeben.
Ein Derdinger Maltersack von 1848 wird an den Heimatkreis übergeben.

Nur noch selten findet man in ehemaligen Bauern-häusern alte Fruchtsäcke. Sie tragen zumeist einen Namen, eine Jahreszahl und eine Hausmarke oder Zinken. Letztere lassen oft Rückschlüsse auf den Nebenberuf des ehemaligen Besitzers zu. Üblich war auch eine Nummer, die bei der Mühle dann die Ab-rechnung erleichterte. So hat Herr Walter Eißler aus Dürrenbüchig der Gemeinde Oberderdingen über den Heimatkreis einen historischen Getreidesack zukommen lassen, der von Wilhelm Friedrich Marbach stammt. Vererbt wurde er über die weibliche Linie, und landete so in Dürrenbüchig. Er misst 58 auf 156 Zentimeter und fasste einen Scheffel Früchte, das sind 177 Liter Getreide, er ist aus grober Leinwand ge-fertigt und mehrfach geflickt. Schrift und „Weberschiffchen“ waren nicht freihändig aufgemalt, sondern dies erfolgte mit Hilfe von Schablonen, die aus Pappendeckel geschnitten wurden. Auch in einer eher kleinen Landwirtschaft (Selde) brauchte man ja mehrere Säcke, und was repräsentieren sollten diese ja auch. Die Beschriftung nahm ein Spezialist vor, den man in Derdingen „Säckzeichner“ nannte. Üblich war dafür eine Farbe aus Kienruß, Bleiweiß und Leinöl.

Die „Marbach“ sind in Derdingen heute ausgestorben. Wilhelm Friedrich Marbach, 1817 in Lienzingen geboren, war Webermeister. Sein Berufssignet, das Weberschiffchen, ist sogar zweifarbig aufgemalt und steht zwischen der Jahreszahl 1848. Er heiratete 1845 nach Derdingen eine Christine Katharina Kortner, die Tochter des hiesigen Webermeisters Ludwig Friedrich Kortner. Man kann unterstellen, dass Wilhelm Friedrich Marbach drei Jahre nach seiner Heirat sich selbständig machte, das Jahr 1848 war eine auch im württembergischen Derdingen sehr unruhige Zeit. Aus seiner Ehe gingen 11 Kinder hervor, die zweitjüngste Tochter Catharina blieb in Derdingen sie starb 1944 ledig. Zwei Kinder wanderten nach Amerika aus. Der Sohn Johann Friedrich heiratete nach Maulbronn, die Tochter Regine Christina heiratete nach Michelbach. Der „Maltersack“ wurde von Herrn Günther Krauß aus Dürrenbüchig nach Derdingen gebracht und vor der Kulisse der ehemaligen Zehntscheune dem Heimatkreis übergeben.   

(2321)

Zeittypisch

„Der 85-jährige Landwirt Jakob Paulus wie ein Junger auf dem Fahrrad“
„Der 85-jährige Landwirt Jakob Paulus wie ein Junger auf dem Fahrrad“

Heute erlebt das Fahrrad als „klimaneutrales“ Beförder-ungsmittel eine wertschätz-ende Wiederentdeckung. Man diskutiert über Fahrradwege und die für Fahrräder notwendigen Sicherheitsvorkehrungen in den Innenstädten. Viele Räder haben einen zusätz-lichen Elektroantrieb, sind auch sonst oft „ergonomisch“ verbessert. Das Bild zeigt den Sickinger  Jakob Paulus, der 1966 mit seinen 85 Jahren noch von Sickingen nach Bretten radelte, auf der Bundesstraße heute nicht ganz ungefährlich.

Damals gab es deutliche Unterschiede bei den Fahrradgestellen. Herrenräder hatten eine stabilisierende Querstange zwischen der Lenkeraufhängung und dem Sattel, wohingegen diese bei den Damenrädern tiefer gelegt, und parallel zur Rahmenverbindung der Vorderradaufhängung zur Hinterachse verlief, weil Frauen ja Röcke trugen. Ältere Männer, wie auch der Sickinger Landwirt bevorzugten damals die nicht ganz so stabilen Damenräder als Transportmittel, weil sie auf diese besser aufsteigen konnten. Übrigens, Jakob Paulus war ein Tabakbauer, der das in den 50 er und 60 er Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht nur in der Hardt, sondern auch bei uns beliebte „Handels-gewächs“ anbaute. Es brachte bei den üblichen landwirtschaftlichen Kleinbetrieben halbwegs auskömmliche Erträge. Wer heute mit dem Rad von Flehingen nach Bretten fährt hat sicher ein anderes „Outfit“ an wie seinerzeit Jakob Paulus der sich, seinem Ziel in der Stadt ent-sprechend, feiertäglich angezogen hatte.

Auch solch einfache Bilder aus Familienfotoalben können Geschichten aus einer vergangenen Zeit erzählen, von der die meisten der heutigen Fahrradnutzer keine eigene Erinnerung besitzen. Wie schon öfters betont, unser Verein sammelt und sichert solche typischen Belege der Nachkriegszeit. Für Derdingen ist Frau Riedling, für Großvillars Herr Combe und für Flehingen mit Sickingen Herr Kowarsch Ansprechpartner. Wir warten darauf, dass wir bald wieder im alten Bahnhof (ohne Mundschutz!) zusammenkommen dürfen, um die in letzter Zeit eingegangenen Bilder zu zeigen. 

(2221)

Heimatkreis steuerbegünstigt

Der Ortskern von Derdingen vor dem Krieg
Der Ortskern von Derdingen vor dem Krieg

Der Blick vom Oberdörfer Kirchturm ins Zentrum von Vorkriegs-Derdingen zeigt den für einen württem-bergischen Weinort typischen Ortskern. Große Wohnhäuser, zumeist mit verputztem Fachwerk, und nicht ganz so große Scheunen. Der alte Kastenbrunnen vor der Schmiede, dann Baum-wiesen, die bis an den Ortsrand reichen. Die Häuser stehen giebelständig zur Straße, wie oft bei Haufendörfern in leichter Muldenlage. Das Bild zeigt eine dichte Bebauung und wurde, wie man an den Schatten sieht, an einem Vormittag im Frühjahr aufgenommen. Das Dorf war „tot“, die Kinder in der Schule und die Erwachsenen auf dem Feld. Die meisten Straßenszenen, die wir bislang bei uns archivieren durften, zeigen auch Personen. Denn bloß so zum Spaß hatte man früher nicht fotografiert, dafür waren die Filme zu teuer.

Der Heimatkreis ist steuerbegünstigt und von der Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer befreit. Alle drei Jahre überprüft das Finanzamt, ob die Voraussetzungen der Steuerbefreiung noch vorliegen. Letzte Woche bekam der Heimatkreis Oberderdingen e.V. den aktuellen Freistellungsbescheid. D.h. wir dürfen also weiterhin für Zuwendungen, die unser Verein erhält, Spendenbescheinigungen ausstellen. Unsere Ortsfamilienalben wären ohne namhafte Spenden nicht zu finanzieren gewesen. Für solche Sonderveröffentlichungen hoffen wir weiter auf steuerbegünstigte Zuwendungen unserer Förderer.   

(2121)

Goldene Hochzeit von Jakob Paulus und Anna geb. Stöckle im Nov. 1955 in Sickingen
Goldene Hochzeit von Jakob Paulus und Anna geb. Stöckle im Nov. 1955 in Sickingen

Eine „Goldene Hochzeit“ ist auch heute ein großes Familienfest, das aber früher seltener gefeiert werden konnte. Die Lebenserwartung der Partner war niederer als heute, und Kriegsverluste spielten auch eine Rolle. In unserem Vereinsarchiv – und damit im Gemein-dearchiv – gibt es einige einschlägige Erinnerungsaufnahmen aus Familienalben. Sie erzählen aus „vergangenen Zeiten“. Der Kirchgang zur Goldenen Hochzeit war selbstver-ständlich. Ja die kirchliche Hochzeitsfeier war der Anknüpfungspunkt für das Jubiläum überhaupt. Die Geschenke waren eher bescheiden, ein Geschenkkorb war üblich, aber die Familie, Kinder, Enkel, Geschwister mit Nichten und Neffen kamen zu diesem Ehrentag. Wer eine „Goldene Hochzeit“ feiern konnte, postierte sich und die Gäste für ein obligatorisches Erinnerungsfoto. Im Vergleich der Aufnahmen miteinander kann man „Kostümstudien“ treiben. Oft tragen die Frauen eine „Brautkrone“. Jedenfalls war ein goldenes Ehejubiläum eine durchaus ernste Angelegenheit. Neben der privaten Feier hatte eine Goldene Hochzeit auf dem Lande auch eine öffentliche Seite. Die Erinnerung an die Einsegnung in der Kirche vor der Gemeinde war allseits im Ort bekannt. 

Der Heimatkreis Oberderdingen sammelt auch solche Bilder, um untergegangenen Zeitgeist zu konservieren. Nicht nur im Vergleich der Erinnerungsfotos untereinander. Sie sind ja nur ein kleiner Bruchteil vergangener Lebenswirklichkeit und damit Teil einer Festtagskultur, die sich gewandelt hat und sich weiterhin wandeln wird. 

(2021)

Familienfeier

Alles fließt…

Brettener Straße 1950
Brettener Straße 1950

Man merkt es beim Vergleich von Straßen-fotos, dass sich das Ortsbild dauernd ändert. Besonders wenn eine große Zeitspanne zwischen dem Damals und dem Heute liegt. So zeigt die Aufnahme der Brettener Straße im Frühjahr vor sieben Jahrzehnten ein Bild, das vom gegenwärtigen Zustand deutlich abweicht. Keine Autos, dafür eine Viehwaage und an Stelle der heutigen Amthofanlagen waren Gemüsegärten. Man merkt dem Foto an, dass seinerzeit andere Dinge als heute wichtig waren. Derdingen war damals in jeder Hinsicht überschaubarer.

Moden gibt es selbstverständlich auch im Städtebau. Sie sind langlebig. Der Trend zur „autogerechten Stadt“ wird zurzeit zurückgebaut, er ist schon seit ein, zwei Jahrzehnten mit den 30km-Zonen und der Straßenmöblierung gebrochen worden. Das Zuwanderungs- und Mietrecht ändern sich gegenwärtig. Auch ihre Anpassung an die Zeitumstände werden Spuren hinterlassen, weil die gebaute Umgebung zumindest in groben Zügen das Spiegelbild der Gesellschaft ist. Insofern ist auch das Ortsbild ein Hinweis auf den inneren Zustand einer Gemeinde. Wie wird das Straßenbild wohl in 70 Jahren aussehen? Es gab, beginnend in der Nachkriegszeit, Umbrüche die stärker und einschneidender waren als alles Vorhergehende. Die Bedürfnisse und Zeitumstände ändern sich dauernd sie werden auch in Zukunft weiter unsere gebaute Umwelt bestimmen.   

(1921)

Sonntag ist’s

Theresa und Amalie Banghard - Sickingen.
Theresa und Amalie Banghard - Sickingen.

Als dieses Foto aufgenommen wurde, galt bei uns noch eine strenge – aber allseits akzeptierte Kleiderordnung. An Sonn- und Feiertragen trug man, und dies nicht nur in Sickingen kein „Alltagsgewand“, schon gar nicht wenn man in die Kirche ging. Man hat sich auch Zeit für ein „Schwätzle“ genommen. Was sollte man sonst auch machen? Zu erzählen gab es immer etwas. Man kann dies heute mit „Dorfklatsch“ abtun – aber diese Kommunikation über einfache Dinge war notwendig. Arbeitswelt und Lebenswelt war das Dorf, es gab keine Spreizung zwischen Wohnort und Arbeitsort.

Man kannte sich auch, und dies schon seit der Schulzeit. Dies hatte, wie alles im Leben, seine Vor- und Nachteile. Man konnte die Familien einordnen, und schwierig war es für alle aus der einmal so definierten Rolle zu schlüpfen. Im Dorf kannte man das Vermögen, die Erbaussichten und den Fleiß des Nachbarn, eben alle seine Vorlieben und Schwächen.

Übrigens: während der Heuet oder Ernte war ein Zusammenstehen nach der Kirche nicht drin, auch kein gemütlicher Abendplausch vor dem Haus. Der Alltag war von der Jahreszeit und den dort zu verrichtenden Arbeiten bestimmt. Auch für diejenigen, die nicht mehr mit aufs Feld fuhren. Man wusste schon von klein auf, was sich gehört, und was nicht. Aber an einem Sonntag im Mai konnte man schon zu Zweit die wärmende Sonne vor dem Haus genießen. Dagegen hatte niemand etwas einzuwenden.

Korrektur: Im vorvergangenen Blättle (Ausgabe 16) wurde fälschlich eine Aufnahme von Derdinger Schulkindern ins Jahr 1949 datiert. Das stimmt nicht, das Foto stammt nicht aus dem Jahr 1949, sondern zeigt den Schuljahrgang 1949. Für Hinweise aus der Bevölkerung die zur Korrektur im Archiv führten bedankt sich der Verein.  

(1721)

Der Mai wird kommen!

Zünftige Maiwanderung um 1910, aus einem Derdinger Fotoalbum.
Zünftige Maiwanderung um 1910, aus einem Derdinger Fotoalbum.

Ganz allgemein vermisst man heute die „Maientouren“ schmerzlich, eben das Wandern in Gruppen hinaus in die Natur und zum Abschluss ein Picknick oder ein Wirtshausbesuch. Solches war vor 150 Jahren bei Landbe-wohnern noch nicht üblich. Die Wander-vereine – der Schwäbische Albverein, oder der Schwarzwald-verein – sowohl die badische als auch die württembergische Version wurden in der städtischen Region gegründet. In Stuttgart oder Freiburg, auch Plochingen ist noch zur Stadtregion zu rechnen.

Im Wonnemonat Mai beginnt für jeden sichtbar das Frühjahr, „die Bäume schlagen aus“. Mit dem Erwachen der Natur und dem Kuckucksruf, will man „aus grauer Städte Mauern“ hinaus in die Welt, den Frühling mit all seiner Segensfülle erfahren. Typisch für die Jugendbewegung zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, spürte man dann auch auf dem Lande die Zeit des Lenzes und drängte ins Freie. Maientouren gab es von da an auch auf dem Land. Im allge-meinen Trend lag, dass man gemeinsam die Natur genoss.

Viele frühe Aufnahmen von „zünftigen“ Maiwanderungen gibt es nicht. Denn der Fotoapparat wog damals mehrere Pfund, man arrangierte die Aufnahmen, die Szene sollte ja möglichst natürlich erscheinen. Die Belichtungszeit war lang, sogenannte Schnappschüsse gab es nicht. Ganz wenige Aufnahmen dieses Genres landeten in Familienfotoalben, sie zeigen den Zeitgeist um 1910. Eine davon auch in Derdingen, sie gelangte so ins Gemeindearchiv. Die gezeigten Personen sind aber nicht mehr zu identifizieren.    

(1621)

Andere Zeiten

Die früheste Schüleraufnahme der Nachkriegszeit zeigt eine Derdinger Schulklasse aus dem Jahr 1949
Die früheste Schüleraufnahme der Nachkriegszeit zeigt eine Derdinger Schulklasse aus dem Jahr 1949

Der Schulunterricht läuft nicht mehr so, wie es in den letzten Jahrzehnten eingespielt war und als selbstverständlich empfunden wurde. Die Eltern sind unsicher, sie wissen nicht ob es beim Präsenzunterricht bleibt, vielleicht wird der Unterricht auch voll-ständig heruntergefahren. Man hört ja so viel und Unterschiedliches im Radio oder liest Widersprüchliches in der Zeitung, ganz zu schweigen von dem, was die Leute im Dorf alles erzählen. Sicher ist nur: die Lage ist unübersichtlich.

Die Wenigsten unter uns können sich an ähnliches erinnern: Gleich nach dem Krieg, als im Herbst 1945 in Derdingen Paratyphus ausbrach, gab es auch keinen Schulunterricht. Da musste man unter ganz anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hindurch. Insofern gleicht unsere heutige Situation zum Glück nicht der damaligen Lage. Das Derdinger Schulhaus auf dem kleinen Gänsberg war Seuchenlazarett. Im Frühjahr 1946 sollte dieses Gebäude,  nachdem der Paratyphus im Dorf abgeklungen war, als Lungenheilstätte dienen, wogegen sich die Gemeinde vehement wehrte. Seinerzeit diente eine Baracke mit zwei Räumen als provisorisches Schulgebäude, und jede Jahrgangsklasse erhielt nur an zwei Wochentagen Schulunterricht. D.h. bis 1947 waren die schulpflichtigen Buben und Mädchen zumeist sich selbst und ihren Eltern überlassen, weil Schulraum, Unterrichtsmaterial und Lehrer fehlten.

Nach den Sommerferien 1947 „besetzten“ die Kinder mit ihren Lehrern das inzwischen leer-geräumte Seuchenlazarett im Schulhaus auf dem Gänsberg und schufen damit vollendete Tatsachen. So ganz vergleichbar ist die Lage von damals mit dem Heute keinesfalls. Aber: Schüler und Eltern freuten sich seinerzeit, als gut zwei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wieder „normaler“ Unterricht an der Derdinger Volksschule beginnen konnte.      

(1521)

Mitgliedsbeitrag 2021

In einem Derdinger Fotoalbum befand sich die Aufnahme einer Kavallerie-Abteilung, die sich vor über hundert Jahren in unserer Gegend aufhielt. Sie passt zur Geschichte der Bismarckeiche in den hiesigen Wäldern.
In einem Derdinger Fotoalbum befand sich die Aufnahme einer Kavallerie-Abteilung, die sich vor über hundert Jahren in unserer Gegend aufhielt. Sie passt zur Geschichte der Bismarckeiche in den hiesigen Wäldern.

Unser Verein finanziert die Druckkosten für die Rundbriefe im Wesent-lichen mit dem Jahres-beitrag der Mitglieder und einem Zuschuss des Landes. Nachdem nun das erste Heft für 2021 erschienen ist (Rundbrief 61), werden wir in der zweiten Aprilhälfte den Mitgliedsbeitrag 2021 abbuchen. Er liegt seit der Euroeinführung konstant bei 10 €, wir wollen ihn auch nicht erhöhen.

Die Philosophie unseres Vereins und Richtlinie fürs Wirtschaften lautet: Mit dem vorhandenen „haushalten“. Weshalb wir uns um neue Mitglieder bemühen. Wachstum ist aber in Pandemiezeiten schwierig. Wir können keine Ausstellungen anbieten, die immer Wachstumsimpulse boten. Auch Sponsoren findet man schwerer. Als „Maienwanderung“ würden wir gerne eine Tour zur Derdinger „Bismarckeiche“ organisieren. Wir hoffen, dass noch vor Pfingsten einige Corona-Beschränk-ungen gelockert werden. Im Aufsatz „Politische Bäume“, der im Rundbrief 61 nachlesbar ist, stehen dazu schon ein paar Details. 

(1421)

Systemrelevant

Ein Vereinsausflug war in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Super Sache!
Ein Vereinsausflug war in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Super Sache!

Eigentlich war es vorge-sehen, dass wir am Ostermontag im Aschingerhaus in einer Ausstellung Fotos aus der Zeit zwischen 1950 und 2000 aus Derdingen und Oberderdingen zeigen. Da sind einige Bilder im Archiv die Erinnerungen wecken, Leute zeigen, die heute nicht mehr unter uns sind. Wir mussten dieses Vorhaben aus Infektions-schutzgründen leider aufgeben. Den Umständen geschuldet, werden wir es wohl oder übel auf nächsten Ostermontag ver-schieben.

Auch die Jahreshauptversammlung des Vereins mit dem Rechenschaftsbericht für 2020 steht noch aus. Und was wir 2021 unseren Mitgliedern außer den beiden Rundbriefen bieten können, ist von Fakten abhängig, die außerhalb unseres Einflussbereiches liegen. Es sind Zeiten angebrochen, in denen seltsame Gedanken aufkommen: sollen wir, um mit unseren Mitgliedern im Kontakt zu bleiben, einen dritten Rundbrief in diesem Jahr herausgeben, war in Vereinszirkeln diskutiertes Thema, das aus Kosten- und Arbeitsgründen wieder verworfen wurde. Was bieten wir an der Großvillarser Kirchweih? Kann da eine Ausstellung oder ein Vortrag als Programmpunkt möglich sein? Vollkommen offen ist die Frage, wann wir uns wieder im Flehinger Bahnhof treffen können.

Kleine Vereine sind nicht „systemrelevant“. Aber für ihre Existenz ist Kommunikation „überl-ebensrelevant“. Zum Wesen eines Vereins gehört, dass sich Gleichgesinnte treffen, Leute mit ähnlichen Interessen sich austauschen können. Das Internet bietet uns dafür nur einen dürftigen Ersatz. Schon aus Gründen der Altersstruktur unseres Vereins. Wenn es in der Pandemie so weitergeht, müssen wir uns wohl etwas „Systemrelevantes“ einfallen lassen. 

(1321)

Böse Zeiten überall!

Vor hundert Jahren sah es so im Unterdorf am Lindenplatz aus.
Vor hundert Jahren sah es so im Unterdorf am Lindenplatz aus.

Unter dieser Überschrift schildert der jetzige, den Mitgliedern des Heimat-kreises zugestellte Rund-brief die Zeit vor gut 200 Jahren. Armut und Hungersnot waren in Europa damals allgegen-wärtig. Man litt nicht nur unter den katastrophalen Witterungskapriolen, sondern auch noch an den Nachwirkungen der Napoleonischen Kriege, und dies in ganz Europa. Versucht man sich in diese untergegangene Welt hineinzudenken, tut man sich schwer, man scheitert schon daran sich vorzustellen wie Hunger weh tut.

Auch hundert Jahre später ging es den Leuten bei uns nur ein bisschen besser. Das erfährt man aus dem Artikel „Im Kraichgau vor 100 Jahren“ im gleichen Rundbrief. Wobei in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch der mentale Schock des „Ehrverlustes“ nach dem verlorenen Weltkrieg kam. Im Rückblick und Nachsinnen kommt man nicht an der Erkenntnis vorbei, in welchem Paradies wir heute – trotz Korona- leben.

Natürlich, auch unsere Mitglieder wünschen sich, dass man das, was für 2021 vorgesehen war, auch umsetzen darf. Den Besuch der Landesausstellung in Mainz, oder die Kelten-ausstellung in Konstanz beispielsweise. Solange man Mundschutz im Bus oder Bahn tragen muss, ist dies nichts für unsere doch eher betagten Museumsfans. Auch die Hauptversamm-lung, die immer zu Beginn des Jahres war, ist aus den ähnlichen Gründen weit ins Jahr hinein verschoben, ebenso unsere Zusammenkünfte im Flehinger Bahnhof, die schon seit Monaten ausfielen. Im täglichen Umgang empfinden wir dies auch als eine böse Zeit. Jedoch: alles ist relativ!

Wo wir nicht nachlassen sollten, ist die Sorge um Kulturgut, das verschwindet. Beispielsweise alte Fotos. So kamen kürzlich wieder ein paar Fotos ins Archiv, Einquartierung 1939 in Großvillars oder eine Aufnahme aus dem Unterdorf. Wir sammeln solche privaten Bilder um „Erinnerung aufzubewahren“.

Sollten Sie noch keine Osterüberraschung für Ihre (auswärtige) Verwandtschaft – die Sie nicht besuchen dürfen – haben, schenken Sie ihr einfach ein Jahresabonnement der Rundbriefe. Wir verschicken diese gerne in die Fremde als Gruß aus der Heimat. 

(1221)

Vom nächsten Rundbrief

Das Bild wurde am 2.3.1940 in Flehingen aufgenommen.
Das Bild wurde am 2.3.1940 in Flehingen aufgenommen.

Die Zusage können wir halten: Auf Ostern wer-den wir den Rundbrief 61 unseren Mitgliedern zu-stellen. Auf 72 Seiten ent-hält er Artikel und Bilder zur Volkskunde und Orts-geschichte. Diesmal auch Informationen zu Zaisenhausen, ebenso einen Aufsatz zum Kriegsende in unserer Partnergemeinde Heinfels. Das erste Kinderfest im Nachkriegs-Derdingen ist mit einschlägigen Fotos dokumentiert. Die damaligen Kinder sind heute schon an die 80 Jahre alt. Vielleicht erinnert sich noch jemand, der am damaligen Umzug durch Derdingen dabei war, an dieses Ereignis.

Für unser Archiv sammeln wir weiter Fotoaufnahmen, und jetzt besonders Bilder zum nächsten Rundbrief. Er wird sich in einem Artikel mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs beschäftigen. Für den Frankreichfeldzug war unsere Gegend Aufmarschgebiet. Weshalb wir aus privaten Fotoalben einschlägige „Soldatenbilder“ aus der Zeit vom September 1939 bis Mai 1940 mit Bezug zu Derdingen, Flehingen oder Großvillars suchen. Die hier durchzieh-enden Truppen waren zumeist mit Pferdegespannen und weniger mit Motorfahrzeugen ausgerüstet. Zumindest lassen die bis jetzt vorhandenen Bilder diesen Schluss zu. Von motorisierten hier im fraglichen Zeitraum durchziehenden Einheiten haben wir bislang keine Aufnahmen. Wer einschlägige Soldatenbilder von diesem Ereignis aus 1939/40 besitzt, soll sie doch bitte unserem Verein kurz ausleihen. Ansprechpartner dafür sind: E. Breitinger, H. Kowarsch und O. Combe. Auch den Familienalben passiert nichts, wenn die Bilder dort einge-klebt sein sollten.

Weil die Archive für historische Recherchen geschlossen sind, und man nicht weiß, wann und unter welchen Konditionen sie wieder geöffnet werden, richtet unser Verein zurzeit den Blick auf Themen, die vor Ort bearbeitet werden können. Mal sehen wie es weitergeht. 

(1121)

Äpfel und Birnen

Wahlergebnisse vor einem Jahrhundert
Wahlergebnisse vor einem Jahrhundert

In Wahlen spiegelt sich die Gesellschaft. Ihre Ergebnisse sind Moment-aufnahmen der Lebens-umstände, Wünsche und Stimmungen des Wahl-volkes. Diese Faktoren schwanken bekanntlich. Weshalb die Interpre-tation des Wahlergeb-nisses allemal subjektiv unterschiedlich ausfällt, was auch für den Vergleich der Rahmenbe-dingungen zutrifft. Das Ergebnis einer Landtagswahl wäre heute anders, wenn der badische Rechtsrahmen von 1904 noch gälte. Wählen durften damals die über 25 jährigen männlichen Badener, die schon zwei Jahre im Land wohnten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Wahlalter auf 20 Jahre abgesenkt, und Frauen durften dann auch ihre Stimme abgeben. Heute liegt das Wahlalter bekanntlich bei 18 Jahren. Die Wahlbeteiligung lag bei der badischen Landtagswahl von 1925 bei 54,2%, 1921 lag sie bei 69,1%.  Schon aus diesen Zahlen lassen sich Schlüsse ziehen, man weiß auch, wie stark das Wahlalter sich auf das Ergebnis auswirkt. Wer sich erinnert, welche Partei welches Wahlalter als richtig ansieht, kann die politische Interessenlage dafür einschätzen. Objektive, und allgemeingültige Gründe gibt es wohl für kaum eine Zahl.

Auch in anderer Richtung ist das Wahlrecht ganz wichtig. Gälte allein das Verhältniswahlrecht, wäre der Parteieneinfluss größer als heute. Wenn z.B. wie früher im Reichstag pro 100.000 Stimmen ein Abgeordneter gewählt wäre, kämen die kleinen Parteien besser weg, umgekehrt ist es beim Mehrheitswahlrecht. Da kommt es entscheidend auf den Zuschnitt der Wahlkreise an. Ausblenden darf man in beiden Fällen aber nicht die Persönlichkeit und das Ansehen, die der Kandidat (oder heute die Kandidatin) beim Wahlvolk hat.

Stellt man historische Wahlergebnisse in Tabellenform den heutigen gegenüber, vergleicht man Äpfel mit Birnen. Beides sind Früchte, und mancher mag Birnen lieber als Äpfel. Schon das Herunterrechnen der %- Zahlen auf Lokalebene ist deshalb problematisch. Würde man die württembergischen Wahlergebnisse vor einem Jahrhundert mit den badischen zusammenzählen, käme ein Ergebnis heraus, das sich jeder Interpretation verweigerte.

 

Spalte 1: Landtagswahl 1921 Landesergebnis in ganz Baden

Spalte 2: Landtagswahl 1921 Ergebnis im Bezirk Karlsruhe

Spalte 3: Landtagswahl 1921 Bezirk Bretten (entspricht  nicht dem heutigen Wahlkreis)

Spalte 4: Landtagswahl 1921 Ergebnis Flehingen

Spalte 5: Landtagswahl 1921 Ergebnis Sickingen

Spalte 6: Landtagswahl 1925 Landesergebnis in ganz Baden

 

(1021)

Bilder sind Erinnerungen

Man kannte im Ort die Traubewirtin nur unter ihrem Vornamen „Irene“
Man kannte im Ort die Traubewirtin nur unter ihrem Vornamen „Irene“

Im Nachgang zu Trauerfällen werden oft Dinge weggeworfen, die für eine Dorfgemeinschaft wichtig wären. Manchmal erhalten z.B. auswärtige Erben das Familienalbum, auch in diesem Fall geht die Erinnerung vor Ort verloren. Dies ist der Grund, weshalb der Heimat-kreis sich um alte Fotos aus vergangenen Zeiten bemüht. Bilder machen Stimmungen oder Geschehnisse oft begreif-barer als Worte. Im Vereins-archiv – und damit auch im Gemeindearchiv – sind bei-spielsweise keine Fotoauf-nahmen vom Vereinigungsfest von Großvillars. Es war am Wochenende vom 7. – 9. Juli 1973. Damals ist auch foto-grafiert worden, und sicher gibt es in Großvillarser Fotoalben noch Aufnahmen. An diesen ist der Heimatkreis höchst inter-essiert. Jetzt leben noch Leute, die sich an diese sonnigen Tage erinnern können, oder an den tödlichen Unfall beim Zeltaufbau. Damals besuchte uns eine Delegation aus Villar Perosa, und ganz selbstverständlich gab es im Bewusstsein der Leute noch den „Derdinger und Knittlinger Teil“ von Großvillars. Diese Unterscheidung ist heut verschwunden. Wenn es uns heute nicht gelingt, ein paar Aufnahmen vom damaligen Fest an der Schule zu sichern, wird es in Zukunft noch schwieriger – vielleicht verschwindet sogar die Erinnerung in Bildern vollständig. Besitzen Sie solche Fotos, dann überlassen sie bitte diese Herrn Oscar Combe in Großvillars kurzfristig. Sie erhalten die Originale unbeschädigt zurück, er wird die Aufnahmen für unseren Verein und damit für die Zukunft sichern. In den Waldensertälern sagte man dazu: „Si non tutto va perduto!“

(1021)

Im Märzen der Bauer .. .

„Auch heute würde man sich über einen Ausflug ohne Mundschutz und in enger Freundesrunde freuen“
„Auch heute würde man sich über einen Ausflug ohne Mundschutz und in enger Freundesrunde freuen“

Der Frühling beginnt im März mit der Tag- und Nachtgleiche. Das Wetter richtet sich nicht immer nach dem Kalender, das wissen wir, und damit müssen wir uns auch zufrieden geben. Die Feldarbeiten sind die gleichen wie vor einem halben Jahrhundert, nur die dafür vom Landwirt benutzten Maschinen sind viel größer und leistungs-fähiger geworden. Der Duft der Gülle ist der gleiche, ob er mit dem Mistwagen oder mit dem Fass der Schwemmentmistung auf das Feld gefahren wird. Typische Frühjahrsgerüche! „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt“ sang man früher in der Schule, und zu Hause musste man den Garten herrichten, die umgegrabenen Beete rechen.

Inzwischen hat der Mensch vom Winter genug! Er freut sich auf wärmende Sonnenstrahlen in einer Gartenwirtschaft. Auch unsere Vereinsmitglieder würden sich gerne wieder zu einem Plausch treffen. Geht aber zurzeit wegen Corona noch nicht. Kontakte kann man in Schriftform – oder über das Internet halten, das ist für alle ein mühseligeres Geschäft wie ehedem. Selbst gemeinsame Wanderungen gehen zurzeit nicht. Trifft der Lockdown nur die Freizeit, ist er erträglich – sagt einem der Verstand. Die Zeit wird kommen, in der wir wieder beisammen sein dürfen, warten wir es ab, wohl erst nach Ostern. Unser Rundbrief 61 ist fertig. Er geht in Kürze zur Druckerei, und wird den Mitgliedern dann auch bis Ostern zugestellt, und alte Fotos sammeln wir weiter. Es hat sich auch in dieser Richtung nicht viel geändert. 

(0921)

Spolien

„Vermutlich ein Überrest des barocken Bauschmuckes aus dem neuen Sickinger Schloss“
„Vermutlich ein Überrest des barocken Bauschmuckes aus dem neuen Sickinger Schloss“

UImweltschutz gab es schon immer. Oft zwangsweise, und immer dann wenn man sparen musste, denn Reparaturen schonen knappe Ressourcen. Schaut man sich etwas im Dorf um, sieht man an manchen Häusern Steine eingemauert, die für diesen Platz wohl ursprünglich nicht gedacht (und gemacht!) waren. Einen Mauerstein aus einer Felswand zu brechen und ihn werkgerecht zuzurichten war aufwändiger, als einen Stein von einem abgängigen Gebäude in Zweitverwendung einzumauern. Ruinen gab es immer, denn Brandfälle kamen nicht nur in Kriegen vor. In solchen Fällen geschah das Recycling oft so, dass die Steine in Nebengebäude vermauert wurden. Man merkt es am Format und der Oberflächenbe-arbeitung, wenn so etwas passierte. „Ziersteine“ gab es, wenn Steine an und für sich anderer Zweckbestimmung in den neuen Mauerverbund integriert wurden. Z.B. eine steinerne Fußstütze eines gusseisernen Ofens. Man sieht so etwas an der Hausfassade in der Östlichen Bahnhofstraße von Sickingen. Der damit abgestützte (Wasseralfinger-) altdeutsche Eisenofen gehörte einem Bauer, denn er zeigt ein Pflugsech auf einer Pflugschar. Ein typisch bäuerliches Symbol.

Aber auch andere behauene Werksteine wurden manchmal „zweitverwendet“. Denn sie hatten ein Format, das leicht handhabbar war. Manchmal erkennt man die Zweitverwendung nicht auf den ersten Blick, besonders dann nicht, wenn der Stein umgedreht, und die nicht mehr passende Schauseite nach innen kam. Betrachtet man die Weinbergmauern am Weg vom Horn Richtung Bernhardweiher zu, erkennt man dort öfters die Zweitverwendung solcher Steine von Abbruchhäusern.

S p o l i e n   nennt man diese werkgerecht hergerichteten, aber nicht mehr in ursprünglicher Stelle befindlichen Fragmente aus älteren Bauten. Sie sind oft aussagekräftige Quellen zur Geschichte einer Siedlung. Ein solcher, für eine „Spolie“ vorgesehener Stein, kann auch „roh“ auf Lager liegen, wie der in einem Sickinger Keller unlängst aufgefundene Rest einer Sandsteineinfassung von einer Türe oder einem Fenster. Man kann sie mit einiger Vorsicht ins 18. Jahrhundert datieren. Wahrscheinlich stammt sie aus einem Anwesen, das früher der Herrschaft gehörte.

(0821)

Es tröpfelt weiter…

„Feldpostkarte 1942“
„Feldpostkarte 1942“

In unser Vereinsarchiv kamen kürzlich Ansichtskarten aus dem Jahr 1942 von Derdingen. Sie sind nicht nur wegen ihrer Bilder auf der Vorderseite, sondern auch wegen ihrem rückseitigen Text interessant. Denn sie belegen, dass Kerns Weinstube seinerzeit ein ab-solutes Trendlokal war. Front-urlauber und auch Zivilisten verkehrten dort. Die Karten von dort wurden sogar als Feldpost verschickt. Als Adresse war neben dem Namen allein die Feldpostnummer angegeben. Die Karten kamen offensichtlich an. Wenn man so will, ist die Feldpostnummer eine Vorläuferin der heutigen Postleitzahl. Der Spruch stimmt, wonach der Krieg der Vater vieler (aber nicht aller!) Dinge sei.

Wegen Korona ist unsere nach außen sichtbare Vereinstätigkeit eingeschränkt. Aber: unser Verein lebt trotzdem. Wir sammeln nach wie vor alte Fotos aus allen Ortsteilen. Zurzeit wird der Rundbrief 61, der auf Ostern erscheinen soll, druckreif gemacht. Dabei stellten wir fest, dass wir nicht viele „ n e u e  alte Bilder“ von Großvillars bzw. Flehingen zur Veröffentlichung haben. Interessiert sind wir auch an Bildern vom „Vereinigungsfest 1973“. Damals wurde doch fleißig fotografiert. Es geht die herzliche Bitte an Alle, die seinerzeit Aufnahmen machten, diese doch zum Einscannen zur Verfügung zu stellen. Die Herren Oscar Combe und Heinrich Kowarsch sind dafür Ansprechpartner. Die Originale gehen selbstverständlich zurück. Unser Verein will an seinem Anspruch festhalten, dass in jedem Rundbrief jeder Ortsteil vertreten ist, wenn nicht mit einem Artikel, so doch mit einem einschlägigen Bild. Nur Bilder die wir haben, können wir auch zeigen. 

(0721)

Aus einem alten Fotoalbum

Winter 1940: Trossgespanne im Amthof.
Winter 1940: Trossgespanne im Amthof.

Soldatenportraits gehören zu den Standardaufnahmen in Familienalben. Genauso Hoch-zeitsbilder. Aber man hat auch fotografiert, „wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren“, sogar bei uns. Überliefert ist die Einquartierung von Wehr-machtsangehörigen in Flehingen im Januar 1940 durch den klassischen Tage-buchroman „Gärten und Straßen“ von Ernst Jünger. Man erfährt aus ihm, dass am

15. Januar 1940 nachmittags Offiziersbesprechung beim Regiment in Bretten war. Auch in Derdingen lag seinerzeit Militär.

Es haben sich Aufnahmen erhalten, die Teile des Trosses mit ihren Pferdegespannen zeigen. Im Amthof war „Parkplatz“ für Fuhrwerke. Die Zeit zwischen dem deutschen Angriff auf Polen und dem Beginn der Kampfhandlungen im Westen im Mai 1940 nannten die Franzosen

„drôle de guerre“. Deutsche Wehrmachtsverbände lagen im Oberrheingebiet in Stellung, zu Kampfhandlungen kommt es damals ein halbes Jahr lang nicht.

„Was für eine Zeit“, fragte sich damals das Volk. Eine Kriegsbegeisterung wie 1914 war nicht zu spüren. Uns fällt es noch schwerer sich in diese Zeitläufe hineinzudenken. Nur vage Hinweise geben uns Bilder in alten Fotoalben. 

(0621)

Lichtmess 2021

Die Lichtmessreiter von 1948 im Unterdorf.
Die Lichtmessreiter von 1948 im Unterdorf.

Dieses Jahr fiel der „Derdinger Nationalfeiertag“ ins Wasser. Es gab kein Kuchenreiten, keinen Lichtmessmarkt, keinen Tanz und „beim Kroh im Unterdorf“ keine bändergeschmückten Steckenpferde der Kinder und auch keinen Schnaps.

Trotzdem stand in jedem Kalender beim 2 ten Februar „LICHTMESS“ und man hörte im Volk den Spruch:

 

 

Lichtmess bei Tag z´Nacht ess, Spinnen vergess!

 

Lichtmess ist ein ganz natürlicher Lostag, denn er liegt in der Mitte zwischen Winter und Früh-lingsanfang. Genau 40 Tage nach Weihnachten beschließt er so den erweiterten Weihnachts-kreis. Früher hat man den Christbaum in der (ungeheizten!) Kirche bis zum 2. Februar stehen gelassen. Auf Lichtmess folgt Fasnet, eben die „Vorfastenzeit“.

Ab Lichtmess werden die Tage um eine Stunde länger. In katholischen Gegenden gab es Lichterprozessionen, und es wurden Kerzen in der Kirche geweiht. Solche „Wetterkerzen“ halfen bei Gewitter, man betete bei ihnen den Rosenkranz. Lichtmess hat kirchlichen Ursprung und geht auf das Lukas-Evangelium zurück, in dem die Darstellung des Herrn als Erstgeburt im Tempel -dem mosaischen Gesetz entsprechend- geschildert wird. Weiter erzählt die Bibel von den Abschiedsworten des greisen Simeon, der in Frieden sterben kann, nach-dem er den Herrn gesehen hat. Martin Luther hat letzteres in dem Sterbelied erklärt:

„Mit Fried und Freud ich fahr dahin in Gottes Willen“. 

An Lichtmess beginnt eine Neue Zeit. So war der Zweite Februar der übliche Tag, an dem die Dienstboten wechselten. Sie erhielten ihren Jahreslohn ausbezahlt. Man beobachtete das Wetter; noch heute kann man den Spruch hören:

 

„Ist´s an Lichtmess hell und rein, wird´s ein langer Winter sein,

wenn es aber stürmt und schneit, ist das Frühjahr nicht mehr weit.“

 

In Bauernkreisen konnte man bei uns hören, dass an Lichtmess nur das „halbe Heu“ verbraucht sein durfte, sollte das Vieh durch den Winter kommen, es sollten auch bis zu diesem Zeitpunkt die Reben geschnitten sein. Das Feldgeschäft fing an.

(0521)

Klimawandel

Die Bahnbrücker Hohl in Sickingen wird im Winter 1953/54 händisch freigeschaufelt.
Die Bahnbrücker Hohl in Sickingen wird im Winter 1953/54 händisch freigeschaufelt.

Sieben Jahrzehnte zurück, also vor zwei Generationen, gab es noch Winter bei uns. In Sickingen war die in einer Hohle verlaufende Straße nach Bahnbrücken oft zugeweht, man musste sie von Hand freischaufeln. Es gab keine leistungsfähigen Schneefräsen im „milden Kraichgau“. Mit dem Schneefall vor anderthalb Wochen – nur fünf cm blieben bei uns knapp einen Tag liegen – wäre man locker fertig geworden. D.h. man hätte den Schnee einfach „auf der Gass“ liegen gelassen, wenn es mehr geschneit hätte, wäre diese eine Freude für Kinder gewesen, sie hätten dann bis ins Dorf hin-ein Schlitten fahren können. Es stimmt, am Klima hat sich etwas geändert, das war aber früher schon so. Man weiß, dass es im Mittelalter wärmer und in der Zeit um den Dreißig-jährigen Krieg bei uns kälter als heute war. Aber wie sich die Temperaturunterschiede und in welchen Durchschnittsgrad- Schritten und in welchen Zeiteinheiten sich änderten, das weiß man nicht. Es gab ja seinerzeit keine Thermometer. Grobe Anhaltspunkte sind die Termine der Weinlese und der Erntebeginn oder Einträge in Gerichtsprotokollen zu Winterfronarbeiten. Man kennt auch die Auslöser eines „Klimawandels in historischer Zeit“ bislang nicht. Aber Folgenabschätzung ist möglich. Im Mittelalter wuchs die Bevölkerung. Eine Ursache war sicher das mildere Klima, das größere Ernten ermöglichte, und bei Klimaverschlechterung trat das Gegenteil ein. Auch soziale Folgen kann man mit aller Vorsicht aus Wetterdaten ableiten, einen  Alleinzusammenhang von Ursache und Wirkung gibt es da wohl nicht, wohl eher eine Tendenzförderung oder Bremsung. Ein weites Thema zum Spekulieren.

Jedenfalls ist es sicher und nachprüfbar, dass es zwei Generationen vor dem Heute strengere und längere Winter gab. Laien könne dies sogar mit Fotoaufnahmen beweisen. Vielleicht haben sich in Familienalben noch andere entsprechende Flehinger Fotos erhalten, oder in Derdingen Fotos mit schlittenfahrenden Kindern in der Friedhofgass oder Hinteren Gass zum Beispiel. Der Heimatkreis wäre dankbar, wenn ihm erlaubt würde, solche Dokumente zu digitalisieren. Ansprechpartner sind Frau Riedling in Oberderdingen oder Herr Kowarsch in Flehingen. Die Originale gehen unbeschädigt an die Eigentümer zurück.    

(0421)

Militärvereinsabzeichen kommt ins Gemeindearchiv

Die Kriegerschleife des Militärvereins Derdingen ist ein Relikt aus „großer Zeit“, die man stolz am Sonntagsanzug trug.
Die Kriegerschleife des Militärvereins Derdingen ist ein Relikt aus „großer Zeit“, die man stolz am Sonntagsanzug trug.

Exakt 150 Jahre sind es her: am 18. Januar 1871 entstand im Spiegelsaal von Versailles das zweite Deutsche Kaiser-reich. Bis in den Ersten Weltkrieg hinein wurde die Reichsgründung mit großem Pomp gefeiert. Preußen war führend, und das Militärische war Staatsraison. In Württemberg und ebenso in Baden entstanden Krieger- und Veteranenvereine, von denen sich Bilder und Fahnen in Oberderdingen, Großvillars und auch in Flehingen erhalten haben.

Stolz hefteten sich ehemalige Soldaten ihre militärische Auszeichnungen, aber auch die Schleife der Militärvereine, am Reichsgründungstag an ihre Festtagsanzüge, wenn sie an diesem Feiertag zur Kirche gingen. Eine solche „Kriegervereinsschleife“ ging, neben anderen Orden, dem Heimatkreis Oberderdingen kürzlich von einem Unbe-kannten zu. Dafür sind wir dankbar, und wir werden die Schleife an das Gemeindearchiv weitergeben. Denn solche Zeichen sind selten geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie „entsorgt“ und die Traditionsvereine von Amts wegen aufgelöst. Von diesen haben sich – leider – keine Protokollbände erhalten. Aufwändig ist es ihre Geschichte zu recherchieren. Hauptquellen sind Zeitungsartikel und aus ihrer Frühzeit gibt es allenfalls Zeitungsanzeigen die Vereins-aktivitäten verraten. Die „Ehrenschleife“ ist eine anschauliche Quelle für einen Derdinger Kriegerverein aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Lang, lang ist es her, und es ist für uns schwierig sich in diese patriotische Zeit hinein zu fühlen. Der Heimatkreis Oberderdingen dankt herzlich dem Spender für die großzügige Überlassung der Kriegerspange.     

(0321)

Lichtmess 2021 ?

„1947 wurde in Derdingen erstmals nach der Zwangspause des Zweiten Weltkriegs wieder Lichtmess gefeiert.“
„1947 wurde in Derdingen erstmals nach der Zwangspause des Zweiten Weltkriegs wieder Lichtmess gefeiert.“

Aus Glinde, einem Ortsteil der Stadt Barby in Sachsen-Anhalt, erreichte uns ein Brief zum Jahreswechsel mit folgendem, lesenswertem Absatz:

„Es war ein Sommer, es war ein anderes Jahr!“ 

Genauso werdet ihr in Oberderdingen den Song in Erinnerung behalten, denn es war das Jahr 2020. Das Jahr hat uns viel abverlangt, besonders schlimm, dass die kommende Lichtmessfeier 2021 in Glinde nicht stattfinden wird. Das gab es bisher noch nie, selbst während der Kriegszeiten wurde Lichtmess gefeiert.

In der Weihnachtszeit konnten wir unseren Bewohnern doch etwas Freude und Hoffnung schenken, denn wir haben einen schönen Weihnachtsbaum in der Mitte des Dorfes zum Strahlen gebracht. In diesem Sinne werden wir auch weiterhin nach vorne schauen und uns auf die Zeit danach freuen. Wir wünschen Euch und uns, dass wir trotz der Pause unsere Lichtmesstradition weiter fortführen und dabei gesund und fröhlich bleiben.

Der Museums- und Heimatverein der Lichtmessgemeinde Glinde e.V. wünscht allen Oberderdinger Lichtmessfreunden und Familien einen guten Start ins Neue Jahr 2021.

Ein schöner Wunsch, den wir gerne an die Oberderdinger Bürgerschaft weitergeben, die ja auch Lichtmess „wieder normal“ feiern möchte.

(0221)

Lockdown

„Geschenktisch -- Weihnachten 1949“
„Geschenktisch -- Weihnachten 1949“

Weihnachten wird auch dieses Jahr gefeiert, wegen Corona ein bisschen anders als sonst. Blickt man 50 und mehr Jahre zurück, so war es seinerzeit auch anders und nicht so üppig wie in den jüngst vergangenen Jahren. Das „Wesentliche“ ist geblieben, wir haben nur das Beiwerk aufgehübscht. Es gab auch früher keine sorgenfreie Zeit. Mit dem Wohlstand ist die Disziplin leider nicht mitgewachsen. Man erlebt eher das Gegenteil. Zurückhaltung ist kein brauchbares Attribut für Selbstverwirklichung. Vielleicht sollten wir es in den kommenden Feiertagen damit einmal probieren. Jedenfalls wird unser Verein bis auf weiteres keine Zusammenkünfte anbieten und auch die sonstigen Aktivitäten zurückfahren. Wir wünschen unseren Mitgliedern besinnliche Feiertage, vielleicht nehmen Sie sich das alte Familienfoto-album aus der Schublade und blättern Sie in ihm. Alte Bilder wecken Erinnerungen, die Bruchstücke zum Begreifen der heutigen Zeit und Ansporn zum Durchhalten sein  können. 

(5120)