Aktuelles

Vom „Bohnenviertel“

Bohnenviertel“ - links im Bild das ehemalige Schulhaus, jetzt Metzgerei Klotz, das kleine Fachwerkhaus ist abgerissen, die Fläche wird als Parkplatz genutzt
Bohnenviertel“ - links im Bild das ehemalige Schulhaus, jetzt Metzgerei Klotz, das kleine Fachwerkhaus ist abgerissen, die Fläche wird als Parkplatz genutzt

Der „Krumme Weg“, so hört man es in der Derdinger Bevölkerung heute noch manchmal, führt ins „Bohnenviertel“, eine Straßen-bezeichnung, die man noch nie auf Gemarkungskarten ge-funden hat. Das Gebiet bei der „Kreuzstraße“, der Vorderen Gass zum Friedhof hinauf und der Straße nach Flehingen war der Siedlungskern vom „Oberdorf“. Das „Unterdorf“ war im Mittelalter als bürgerliche Siedlung größer. Der Amthof blieb als Klosterhof und Verwaltungsmittelpunkt des Herrenalber Territoriums im südöstlichen Kraichgau für die bäuerliche Bevölkerung ver-schlossen. Nur im Unterdorf gab es eine Kirche und einen Friedhof. Erst nach der Säkularisation Herrenalbs 1534 wuchs die profane Siedlung im Oberdorf kräftig.

An der Südflanke des kleinen Gänsbergs ließen sich Keller in den Hang graben, was für eine Weinbaugemeinde wichtig war. Dort war die Bebauung dicht, wie zumeist bei allen frühen Siedlungskernen bei uns. Im Bohnenviertel wohnte im 19. Jahrhundert der ärmere und kinderreiche Teil der Bevölkerung. Man sah dies den Häusern und ihren Nebengebäuden durchaus an. „Bohnenviertel“ ist eine Ableitung und  Verballhornung von Essgewohnheiten der „Kleinen Leute“. Auch in Stuttgart gibt es diese (nicht amtliche) Flurbezeichnung für einen Teil der Altstadt. Dort wohnten früher kleine Weingärtner und Gartenbauern. Getrocknete Bohnen sind Eiweißträger wie auch Linsen, die ja als schwäbisches Nationalgericht gelten (weil sie billiger als Fleisch waren). Die ärmeren Leute im „Bohnenviertel“ waren auf vege-tarisches Eiweiß angewiesen.

Für einen Artikel im nächsten Rundbrief sind Fotos von Geflügelausstellungen sowohl im Flehinger Kleintierzüchterheim als auch vom entsprechenden Oberderdinger Verein gesucht, ja ganz allgemein Bilder von den Aktivitäten der Kleintierzüchter, oder wie sie in Derdingen scherzhaft hießen, vom „Hasenschwänzlesverein“. Wer will sich darum kümmern?

Die am vergangenen Samstag geplante Fahrt nach Karlsruhe ins Badische Landesmuseum fiel aus. Wegen dem Corona Virus blieb das Museum zu. Wahrscheinlich wird die Landes-ausstellung „Kaiser und Sultan“ über den 19. April hinaus nicht verlängert. 

Unser nächster Treff im Flehinger Bahnhof am Donnerstag, 19. März 2020, fällt aus!

(1220)

Die Emanzipation der Frau vor 100 Jahren

Bis in den Ersten Weltkrieg hinein hing der „Stand“ der Frau von dem des Mannes ab
Bis in den Ersten Weltkrieg hinein hing der „Stand“ der Frau von dem des Mannes ab

 

Ohne den Ersten Weltkrieg wäre die gesellschaftliche Entwicklung in ganz Europa anders verlaufen. Auch die Emanzipation der Frau. Erst seit 1919 dürfen Frauen in Deutschland wählen. Und unverheiratete Frauen blieben ein ganzes Leben lang „eine Jungfer“. Dies empfanden manche als Diskriminierung, besonders dann, wenn ihr Verlobter patriotisch „zu den Fahnen eilte“, um schließlich „auf dem Feld der Ehre“ zu bleiben. Sie fühlten sich dann als „Kriegerwitwe“ und wollten so auch in der Gesellschaft wahrgenommen werden. Diesem durchaus verständlichen Wunsch kam der badische Staat nach. So hat im März 1920 – also vor genau 100 Jahren – das badische Staatsministerium das Innenministerium ermächtigt, ledigen Personen weiblichen Geschlechts, auf einen besonderen Antrag hin die Führung der Bezeichnung „Frau“ zu gestatten. Der Antrag war beim zuständigen Amtsgericht zu stellen und zu begründen. Weil es im Ersten Weltkrieg keine „Ferntrauungen“ gab, kam unter „besonderen Umständen“ sogar die Änderung des Familiennamens in Betracht, „wenn die Gesuchstellerin ernstlich verlobt war und ihr Bräutigam während der Verlobungszeit fürs Vaterland gestorben ist“. Heute ist der „Stand“ der Frau nicht mehr von dem des Mannes abhängig, für beide Geschlechter gibt es ähnliche Verhaltensregeln und gleiche Handlungsverbote.

Wir fahren am Samstag, den 14. März 2020, nach Karlsruhe ins Badische Landesmuseum und besuchen dort die Ausstellung „Kaiser und Sultan“. Sie brauchen nicht Mitglied unseres Vereins sein. Wenn Sie das Thema interessiert, kommen sie einfach am 14.03.2020 um 13.10 Uhr an den Stadtbahnhalt Flehingen-Industriegebiet. Am frühen Abend werden wir wieder zurück sein.

(1120)

Von der „guten“ alten Zeit

Vor hundert Jahren kümmerten sich die Hausfrauen auch um den Hühnerhof
Vor hundert Jahren kümmerten sich die Hausfrauen auch um den Hühnerhof

Nach dem Ersten Weltkrieg hungerte Deutschland, die meisten Lebensmittel waren bewirtschaftet, auch die Hühnereier. So hob 1920 der badische Staat deren Zwangsbewirtschaftung auf, hatte aber Sorge, dass dann keine Eier mehr für „Kranke, Krankenanstalten, Alte und Kinder“ zur Verfügung stünden. Weshalb der damalige Innenminister Remmele verfügte, erst dann dürften die Hühnerhalter über ihre Eier nach eigenen Vorstellungen verfügen, wenn sie vorher einen Teil dem Staat zu einem Festpreis von 60 Pfennig per Stück verkauft hätten, und zwar 8 Eier pro Huhn. Am Preis sieht man, dass die Inflation begonnen hatte, die 1923 mit einem Totalzusammenbruch des Geldverkehrs und Verarmung der Bevölkerung endete. Der Innenminister erwartete, dass die Hühnerhalter ihrer Verkaufsverpflichtung bis zum 1. Juni 1920 nachkämen. Die Gemeinden hatten für die Ab-lieferung zu sorgen. So machte es sich der badische Staat einfach, er hatte ja die statistischen Zahlen von den regelmäßigen Viehzählungen, die seit dem Krieg auch Geflügel erfassten. Vorgeschrieben war sogar das Mindestgewicht von 50 Gramm pro Hühnerei. Heute wäre eine solche „Eier-Zwangsbewirtschaftung“ so nicht mehr durchführbar. Zur Selbst-versorgung im Haushalt werden Hühner zurzeit wohl kaum mehr gehalten.  

Am Mittwoch, den 11. März 2020, um 19 Uhr stellen Arthur Machauer und Iris Eßwein im Flehinger Bahnhof ihr kürzlich erschienenes Buch „Jöhlingen, Bilder, Menschen, Erinnerungen“ vor. Es befasst sich mit dem Schnittpunkt von Volkskunde und Genealogie. Nicht die Häuser, die Natur oder die Landschaft haben die Autoren im Blick, sondern die Menschen in ihrer Umgebung. Das Konzept ähnelt demjenigen unserer Ortssippenbücher, ist deshalb für uns interessant, weil wir ebenfalls alte Fotos sammeln und beschreiben.

Am Samstag, den 14. März 2020, fahren wir nach Karlsruhe zur Großen Landesausstellung „Kaiser und Sultan“ im Badischen Landesmuseum.     

(1020)

Wir wollen Wissen weitergeben

Motorcross in Derdingen in den 1960er Jahren
Motorcross in Derdingen in den 1960er Jahren

Am Samstag, den 14. März 2020, besuchen wir die große Landesaustellung im Karlsruher Schloss „Kaiser und Sultan, Nachbarn in Europas Mitte“.

Das 17. Jahrhundert war besonders für den Kraichgau eine schlimme Zeit. Der Dreißigjährige Krieg, und dann die Franzoseneinfälle, die möglich wurden, weil die Türken im Osten das Reich bedrängten. Die Landes-ausstellung zeigt nicht das Leid der unter der Kriegsfurie stöhnenden Bevölkerung, sondern die Pracht der aufeinander prallenden Mächte. Es ist der erste Museums-besuch unseres Vereins in diesem Jahr. Interessierte sind herzlich eingeladen, sie brauchen nicht einmal Vereinsmitglieder  zu sein.

Mit einem ganz anderen Thema beschäftigen sich am Mittwoch, den 11. März, um 19 Uhr die Genealogen im Flehinger Bahnhof: Die Sicherung von Überlieferung. Also dem Schnittpunkt von Ahnenforschung und Volkskunde. Dabei geht es um Fotos aus Privatbesitz, deren Dokumentation und die Situationsbeschreibung von Aufnahmen. Unser Verein hat ja mit den Ortsfamilienalben von Großvillars, Derdingen, Sickingen und Flehingen bereits einiges vorgelegt. Wir wollen weitermachen, sammeln also für einen Fortsetzungsband unserer Ortsfamilienalben Bilder. Wobei wir die Gesamtgemeinde im Blick haben, also auch die Zeit von 1973 bis 2000. Eine Zeit im Umbruch. Vereine, Feste, aber auch den Werktag mit Bildern der typischen Mode in Aufnahmen des Alltagslebens. Unser Verein geht davon aus, dass hier einiges zusammen kommen kann. Denn ab den 1970er Jahren des vergangenen Jahr-hunderts gab es doch in jedem Haushalt einen Fotoapparat. Aufnahmen in Fotoalben, in Schachteln oder Schubladen müssten also reichlich vorhanden sein. Bevor sie einmal achtlos in den Container fliegen, sollte man sie sichten und das „zeittypische“ für die kommenden Generationen bewahren. Wenn wir dies nicht tun, geht Substanz unwiederbringlich verloren. Dankbar sind wir selbstverständlich auch für Aufnahmen vor 1972. In vier Jahren feiern wir das 325 jährige Jubiläum der Waldenseransiedlung in Württemberg, und damit auch in Großvillars. Wir suchen jetzt schon Bilder für eine diesbezügliche Dokumentation und Rückblick.

Ansprechpartner für alte Bilder sind Helga Riedling im Aschingerhaus, Heinrich Kowarsch in Sickingen und Oskar Combe in Großvillars.      

(0920)

Kulturgut Friedhof

Vor 85 Jahren hatten die Friedhöfe bei uns ein ganz anderes Aussehen. Alles ändert sich halt.
Vor 85 Jahren hatten die Friedhöfe bei uns ein ganz anderes Aussehen. Alles ändert sich halt.

Die Vorstellung, dass Ahnen-forschung (Genealogie) ein verstaubtes Steckenpferd für Pensionäre sei, räumte Fritz Hahn von der Volkshochschule Mosbach bei seinem Vortrag am vergangenen Mittwoch im Flehinger Bahnhof gründlich ab. Es sind vorwiegend junge Leute, die Gräber fotografieren und so dokumentieren sie im Rahmen eines Volkshoch-schulprojekts bereits sämtliche Friedhöfe des Rhein-Neckar-Kreises. Dort kann man jetzt mit dem heimischen Computer das Grab der Großmutter besuchen (ansehen), auch recherchieren, wo Verwandte begraben liegen. Es dokumen-tieren Ehrenamtliche die heutige Friedhofskultur, bewahren das Andenken an Verwandte, leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Verständnis der Gesellschaft, dokumentieren Zeitgeschichte. Friedhöfe spiegeln die Gesellschaft. Vor Jahr-zehnten waren „FriedWald Gräber“ oder Kolumbarien noch nicht in Mode. Heute sind Familiengräber zumeist Tiefgräber, Urnengräber werden auf allen Friedhöfen vermehrt nachgefragt.

Ausgehend von dem vom Verein für Computergenealogie angeregten Projekt der Gräber-dokumentation, diskutierte die Runde lebhaft über weitere Möglichkeiten der genealogischen Computerrecherche. So gibt es eine von der Badischen Landesbibliothek ins Netz gestellte Zeitungsdatenbank, die nach Stichworten durchsucht werden kann. Oder das Projekt „Sterbebilder“ des Vereins für Computergenealogie. Hier sind die in katholischen Gemeinden früher üblichen Sterbebilder erfasst, oder man kann in einer weiteren Datenbank Todes-anzeigen von Zeitungen recherchieren. Es zeigte sich ganz deutlich, dass Genealogie auch etwas für „Computerfreaks“ sein kann.

So war in aufgelegten Büchern zu sehen, was man mit Excel-Tabellen in Ortschroniken oder Familienbüchern alles darstellen kann. Oder im kleineren Kreis sah man sich Projekte von Bilderchroniken an (wir sagen dazu im Heimatkreis „Ortsfamilienbücher“), und wie diese mit Texten erschlossen werden. Es zeigte sich deutlich, dass Genealogie alles andere als ein „altbackenes Pensionärs-Hobby“, sondern ein quicklebendiges Beschäftigen mit Volkskunde ist. Im Umlauf war eine kürzlich erschienene zweibändige Ortschronik von Büchenau mit vielen Bildern und „genealogischer Schlagseite“, deren Vorwort so beginnt: „Was man nicht aufschreibt und veröffentlicht,  geht verloren“. Wie Recht hat doch der Verfasser!

Übrigens: Die Gräber des Großvillarser Friedhofes sind dokumentiert, man kann sie im Internet besuchen.  

(0820)

Nach Lichtmess ist vor Lichtmess

Kinder und Farbenpracht gehörten auch in diesem Jahr zur Derdinger Lichtmess
Kinder und Farbenpracht gehörten auch in diesem Jahr zur Derdinger Lichtmess

Unser Lichtmessheftle kam beim Publikum gut an. Im Zelt auf dem Marktplatz war es zeitweise arg eng, und der Lichtmesstanz beim Weinkern gut besucht, es ist nichts Schlimmes passiert, was will man an so einem Tag mehr!

Nacharbeiten lohnt jedoch immer. Wir wollen dies einmal mit dem Thema Bildergalerie und Erfahrungsaustausch versuchen. Dazu sind die an Lichtmess Interessierten eingeladen, ihre digitalen Bilder – auch aktuelle – auf einem Stick mitzubringen und zu erlauben, dass man diese öffentlich zeigt. Dieses Treffen von „Lichtmessfreunden“ ist am kommenden Samstag, den 15. Februar 2020, um 19 Uhr in der Vinothek. Dort wollen wir auch schon einen Teil der Fotos zeigen. Unser Verein überlegt, ob wir ein Ortsfamilienalbum Oberderdingen auflegen, das zeitlich bis 2000 reicht und alle Ortsteile umfasst. Dafür sammeln wir jetzt Bilder. Auch Lichtmess wird dabei vorkommen.

Aber der Termin am kommenden Samstag ist speziell auf Lichtmess zugeschnitten. Unter Erfahrungsaustausch fallen auch Überlegungen, wie kann man den Oberderdinger Nationalfeiertag attraktiver machen und ihn noch deutlicher als etwas unverwechselbar Besonderes in das Bewusstsein unserer Bevölkerung bringen kann. Das Lichtmessheftle, das wir zusammen mit Glinde auflegten, ging in diese Richtung.

Übrigens: es sind noch ein paar Lichtmessheftle vorhanden, sie können zu 2.--€ im Bürgerbüro, im Aschingerhaus und in der Vinothek gekauft werden.   

(0720)

Grabsteinprojekte

Alte Grabsteine auf dem Großvillarser Friedhof mit Waldensernamen
Alte Grabsteine auf dem Großvillarser Friedhof mit Waldensernamen

Turnusgemäß treffen sich die Genealogen am 12. Februar 2020 um 19 Uhr im Flehinger Bahnhof. Es geht um ein „Grabsteinprojekt“. Unbestreitbare Tatsache ist, dass die Zusammensetzung der Gräber auf den Friedhöfen sich dauernd ändert. Die Friedhöfe sahen vor 30 oder 50 Jahren ganz anders aus als heute. Grabstätten, die seinerzeit vorhanden waren, sind verschwunden, die Daten auf den Grabsteinen vergessen. Dem „Vergessenwerden“ will ein Friedhofsprojekt des Heimatvereins Kraichgau entgegenwirken, und damit einem Trend folgen, den der Verein für Computergenealogie vor Jahren anregte, und den nun verschiedene Geschichtsvereine unterstützen und praktizieren. Das Projekt wird von Hinterbliebenen in nah und fern oft und gerne genutzt. Beim Auffinden verschollener Verwandter hat sich das Friedhofprojekt  bereits ebenfalls als hilfreich erwiesen. In ihm sind schon 2,1 Millionen Fotografien von mehr als 1,7 Millionen Grabstellen auf 5.500 Friedhöfen und die Daten von über 3.4 Millionen Verstorbenen erfasst worden, die jeder kostenlos durchsuchen kann. Als Pilotprojekt für den Kraichgau würden sich kleinere Friedhöfe wie z.B. der von Großvillars anbieten oder die Friedhöfe von Bahnbrücken oder Neuenbürg.

Jedenfalls werden Herr Roland Hahn und Herr Fritz Müßig vom Kraichgauer Heimatverein das Projekt vorstellen. Sie haben die Friedhöfe des Neckar-Odenwaldkreises fotografiert und deren Daten auf dem Server des Vereins für Computergenealogie hinterlegt.

Vorschau: Am Samstag, den 14. März 2020, werden wir nach Speyer fahren und die dortige Medicus-Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz besuchen. Eintritt und Fahrt werden pro Person abhängig von der Teilnehmerzahl so um die 25 € kosten. Wir fahren mit dem Zug und werden im Lokal zum Domnapf, das ganz in Nähe des Museums liegt, zu Mittag essen. Unsere übliche Monatszusammenkunft ist am darauffolgenden Donnerstag, den 19. März. Details zu diesen Terminen erhalten Sie noch rechtzeitig über das Blättle.   

(0620)

Vom Kuchenritt

Lichtmess in Derdingen - Bunte Bänder flattern als Willkommen
Lichtmess in Derdingen - Bunte Bänder flattern als Willkommen

Die „Hiesigen“ wissen es: Wenn Lichtmess (02. Februar) auf Samstag oder Sonntag fällt, dann feiert man in Oberder-dingen am darauffolgenden Dienstag. Das kommt daher, weil Lichtmess früher ein Fest-tag vorwiegend für Knechte und das Hauspersonal war, sie bekamen ihren Jahreslohn ausbezahlt und konnten ihre Stelle wechseln, deshalb gab es im bäuerlichen Derdingen an Lichtmess einen ganz wichtigen Jahrmarkt. Der Krämermarkt samt Kuchenritt hat sich über die Jahrhunderte hier gehalten, Lichtmess ist unbestritten der „Derdinger Nationalfeiertag“. Auch anderwärts gibt es Lichtmesstraditionen z.B. in Glinde oder in Spergau. Beide liegen in Mitteldeutschland und gehören zu Sachsen-Anhalt. In Glinde gibt es sogar ein Lichtmessmuseum, das unser Verein im April 2019 besuchte. Dieses Jahr geben wir zusammen mit dem dortigen Museums- und Heimatverein eine 20-seitige Broschüre heraus, in der das Brauchtum in beiden Gemeinden skizziert und mit Fotos illustriert ist. Sie kostet 2,- € und ist morgens im Unterdorf am Kirchplatz (Fam. Kroh) und später im Oberdorf im Zelt auf dem Marktplatz zu kaufen. Mal sehen, wie so etwas ankommt. Brauchtum hält sich nur dann, wenn es von der Bevölkerung ganz selbst-verständlich gelebt wird. Deshalb ist es wichtig, dass schon die Schulkinder, und damit die Eltern und Großeltern an Lichtmess dabei sind. Man merkt ja, dass die Grundschüler Spaß am Tanz auf dem Lindenplatz haben. Für die Oberderdinger Musiker ist ihr Lichtmessauftritt etwas ganz Besonderes. Sicher in mehrfacher Hinsicht anstrengend, dann gibt es noch den „Napoleon“, der den Tag beschließt. Und auch die Reiter, sie stehen im Mittelpunkt der Überlieferung, sind Anlass für das Fest, deshalb unverzichtbar. Früher war es kein Problem ledige Reiter zu finden, wo die Bauern noch mit Gäulen ihre Äcker bestellten, heute sind die Pferde hochsensibel, sie sind solchen „Umtrieb“ nicht gewohnt. Jahr für Jahr zieht der „Derdinger Kuchenritt“ viele Auswärtige ins Dorf, und das ist gut so, Lichtmess in Oberderdingen ist halt etwas Besonderes – und soll es auch bleiben.  

(0520)

Aus der Generalversammlung

Barbara Novak wurde für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt
Barbara Novak wurde für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt

Neben Rück- und Ausblick des Vorsitzenden, beschäftigten Wahlen, also Personalent-scheidungen die Versammlung. Ohne Gegenstimme wurde die bisherige Vorstandschaft in ihren Ämtern für die nächsten drei Jahre bestätigt.

Vor 25 Jahren trat Frau Barbara Novak dem Heimatkreis als Mitglied bei und engagierte sich im Verein, baute eine Biedermeiergruppe auf, die in historischen Kostümen bei Vereinsumzügen den Heimatkreis repräsentierte. Mit einem Blumenstrauß und einer Urkunde wurde sie in der Generalversammlung geehrt. Auch Karlheinz Hauffler aus Bretten ist seit 1995 Mitglied des Vereins, er hat seinerzeit unsere dritte Sonderveröffentlichung verfasst.

Zum Ehrenmitglied ernannte der Heimatkreis Herrn Martin Kößler aus Großvillars, den Autor des ersten Ortsfamilienalbums unserer Gemeinde. Er sammelte über viele Jahre nicht nur alte Fotos seiner Heimatgemeinde, sondern hat mit viel Spürsinn in akribischen Nachforschungen die darauf gezeigten Personen identifiziert. Inzwischen sind in dieser Reihe alle Ortschaften unserer Gemeinde mit historischen Fotos vertreten. Eher in der Öffentlichkeit bekannt ist Martin Kößlers Engagement als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesdenkmalamts. Seine dort erworbenen Spezialkenntnisse hat er weitergegeben, und beispielsweise in archäologischen Experimenten das Kochen auf Steinzeitart vermittelt, oder das römische Wegenetz in Führungen erklärt.  

Von den Mitgliedern akzeptiert wurde der Vorschlag, regelmäßige Exkursionen oder Ausflüge künftig am Samstag vor der regulären Zusammenkunft (jeweils am dritten Donnerstag des Monats) anzubieten, damit auch Leute an diesen Veranstaltungen mitfahren können, die noch keine Rentner sind. Wir fahren deshalb am Samstag, den 15. Februar 2020, zur „Medicus“-Ausstellung im Speyerer Museum. Details dazu in einem späteren Blättle. Vorgestellt wurde auch ein auf Lichtmess 2020 bei uns und in Glinde herauskommender Flyer. Er wird zum Selbstkostenpreis von 2 € am Dienstag, den 4. Februar, in Oberderdingen verkauft. 

(0420)

Generalversammlung am 16.1.2020

Der Flehinger Bahnhof in einer Aufnahme um 1912. Hier findet am 16.01.2020 unsere Generalversammlung statt.
Der Flehinger Bahnhof in einer Aufnahme um 1912. Hier findet am 16.01.2020 unsere Generalversammlung statt.

Der Heimatkreis Oberderdingen e.V. lädt alle Mitglieder zur diesjährigen Generalversammlung auf Donnerstag, den 16. Januar 2020, um 19.30 Uhr in den Flehinger Bahnhof ein.

 

 

 

 

Als Tagesordnung ist vorgesehen:

1.      Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden

2.      Bericht der Schatzmeisterin

3.      Kassenprüfung und Entlastung

4.      Wahlen

 

                        -   Vorstand

                        -   Erster Stellvertreter des Vorstands

                        -   Zweiter Stellvertreter des Vorstands

                        -   Schatzmeister

                        -   Schriftführer

                        -   Mitglieder des Beirats

 

5.      Verschiedenes

 

Die Versammlung gibt die Möglichkeit einer Generalaussprache, alles was den Verein betrifft darf dort angesprochen werden. Auch das Veranstaltungsprogramm für 2020.

 

Wir haben das „Foto sammeln“ nicht aufgegeben. Weil im digitalen Zeitalter das „Verloren gehen von Erinnerung“ größer wird. Zwar vergisst der Computer nichts, aber es ist nicht die Frage, ob die Festplatte abstürzt, sondern nur, wann dies geschieht. Eine Veröffentlichung von Erinnerungen ist deren beste Sicherung. Insoweit hat „Heimatpflege“ sein vergilbtes Image verloren und interessiert auch Kreise, die seither eher zurückhaltend waren. Deshalb versucht der Heimatkreis sein Angebot auszubauen. Er sucht „Mitmacher“. Kommen Sie deshalb zu unserer Generalversammlung und bringen Sie sich in das Vereins geschehen ein. 

(0320)

Ein Geschenk auf die „Schnelle“

Ein Dorf - zwei Kirchtürme, aus dem Ortsfamilienalbum Flehingen
Ein Dorf - zwei Kirchtürme, aus dem Ortsfamilienalbum Flehingen

Schwierig ist es, ein passen-des Geschenk für den zu finden, der „schon alles hat“. Das trifft ja für die meisten von uns zu. Was zum Anziehen – eigentlich langweilig, Gut-scheine oder Geld sind nicht unbedingt phantasievoll, „ist ihm nichts Besseres einge-fallen?“ Ein bisschen indi-viduell sollte das Mitbringsel ausfallen, wenn man – wie es in vielen Familien noch der Brauch ist, am zweiten Weih-nachtsfeiertag die Verwandt-schaft besucht. Wenn es geht, sollte es sogar kommunikativ anregend sein. So ist z.B. die Durchsicht älterer Fotoalben im Familienkreis sehr gesprächsanregend, man erfährt dabei manch Halbvergessenes, und dies aus zum Teil unterschiedlichen Blickwinkeln. In diese Kategorie kann man auch die Ortsfamilienalben des Heimatkreises einordnen. Für Flehingen, Sickingen oder Großvillars (Teil 2) gibt es noch käufliche Exemplare. Damit kann man bei der Verwandtschaft „punkten“, weil sie weder langweilig sind, noch einen „verstaubten Beige-schmack“ besitzen, sie liegen auch bei Jüngeren im Trend. Beim gemeinsamen Durchblättern erfährt man öfter als man es erwartet „neue Geschichten“. Dies sogar zumeist mit weit-läufigem Verwandtschaftsbezug. Wenn Sie also ein passendes Mitbringsel für den Feiertags-besuch bei Nachbarn oder Verwandten suchen, mit einem „Ortsfamilienbuch“ liegen Sie nicht falsch.

 

Normalerweise wäre am 20. Februar 2020 die Jahreshauptversammlung unseres Vereins im Flehinger Bahnhof gewesen. Aber weil da „Schmutziger Donnerstag“ ist, haben wie den Termin auf den 16. Januar 2020 vorverlegt. Treffpunkt: Bahnhof Flehingen, um 19.30 Uhr.

 

Tagesordnung:

 

  •     Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden
  •     Bericht der Schatzmeisterin
  •     Kassenprüfung und Entlastung
  •     Neuwahlen (Vorstand, erster Stellvertreter, zweiter Stellvertreter, Schatzmeister,
  •     Schriftführer, Mitglieder des Beirats)
  •     Verschiedenes.

 

 

Wir werden über die Aktivitäten im neuen Vereinsjahr zu diskutieren haben, weil wir vom Image eines reinen „Lesevereins“ weg, zu einem „Mitmachverein“ in der Wahrnehmung wechseln, und den Mitgliedern etwas zum „Mitmachen“ bieten wollen. Mit Kurzausflügen in die Umgegend, oder auch zu mehrtägigen Exkursionen wie im Frühjahr nach Glinde machten wir schon mal den Anfang.        

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