s'Blättle

(Informationen, die auch im s'Blättle von Oberderdingen zu lesen sind)

Schlimme Zeiten im Vergleich

Der Derdinger Schmied Riede, sitzend links, ausgangs des Ersten Weltkriegs.
Der Derdinger Schmied Riede, sitzend links, ausgangs des Ersten Weltkriegs.

Uns geht es nicht besser als anderen Kulturvereinen: geplante Aktivitäten fallen den Einschränkungen zum Schutz vor der vierten Coronawelle zum Opfer. Vom Zeitablauf ähnelt manches der weltweiten Ausbreitung der „Spanischen Grippe“ gegen Schluss des Ersten Weltkriegs. Sie hielt Mitteleuropa drei Winter hintereinander streng im Griff. Impfstoff dagegen  oder Antibiotika kannte man seinerzeit noch nicht. Der damalige Derdinger Schultheiß Wilhelm Burger starb 1919 an dieser gefährlichen Krankheit. Uns bleibt also nicht viel übrig, als auf bessere Zeiten zu warten, in denen man wieder zusammenkommen darf. So lange sind wir eine „Lesegesellschaft“.  Diese bekommt Ende nächster Woche „Nachschub“. Wir können dann den Rundbrief 62 unseren Mitgliedern zustellen. Er umfasst 76 bebilderte Seiten zu geschichtlichen und volkskundlichen Themen, dieses Mal auch zu Zaisenhausen und unserer Partnergemeinde in Osttirol. Auch der Zeitraum ist breit gespreizt. Während einer seuchenpolitisch erwünschten, selbstgewählten „Ausgangssperre“ kann man aber problemlos in Hausarbeit volkskundliche Themen bearbeiten. Beispielsweise Material sammeln und auf-schreiben, sich an vergangene Zeiten erinnern oder Fotos suchen, in alten Alben nach-schauen, ob dort interessante Aufnahmen vorhanden sind. Bilder aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg sind immer zum Abscannen von unserem Verein erwünscht. Oder Aufnahmen von Ereignissen auch aus der Zeit des Dritten Reiches.

Trotz aller Einschränkungen geht es uns heute wesentlich besser als unseren Vorfahren in der Grippeepidemie vor gut hundert Jahren. Damals war die Bevölkerung durch Hunger und die Entbehrungen des Krieges geschwächt. Die „Umwelt“ zeigte sich extrem schlechter, kein frisches Obst oder abwechslungsreiches Gemüse und insgesamt wenig zum Essen. Psychisch durch den Krieg mit seinen Verlusten angeschlagen, fror man dauernd, denn Brennstoffe waren rar. Krankenhausbetten für Zivilisten gab es kaum, die Liste ließe sich fortsetzen…. Also warten wir auf bessere Zeiten.  

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