s'Blättle

(Informationen, die auch im s'Blättle von Oberderdingen zu lesen sind)

Volkskunde

„Beim Bier im Lamm 1947“
„Beim Bier im Lamm 1947“

Vor 100 Jahren starb Hermann Fischer, der Autor des sieben-bändigen „Schwäbischen Wörterbuchs“, ein Standard-werk für alle, die sich mit Volkskunde beschäftigen. Wobei „Schwaben“ nicht immer mit Württemberg deckungs-gleich ist. Viele der dort erklärten Dialektbegriffe sind heute nicht mehr gebräuchlich, weil das „Volk“ lebt, Sprache und Gebräuche sich deshalb immer wieder ändern. Abrupt in Krisen, oder allmählich im ruhigen Zeitläufen. „Vorsitz“, von dem kennt man jetzt kaum noch den Begriff, war früher die nachbarschaftliche (oder verwandtschaftliche) Zusammenkunft an Abenden im Winterhalbjahr. Man hat dort Neuigkeiten ausgetauscht, Karten gespielt und die Frauen haben gestrickt. Dieser Brauch kam auf, um Heizungs- und Beleuchtungskosten zu sparen. Zurzeit gibt es Corona- bedingt gar keine „Stammtische“ mehr in Gaststätten. Seit Jahr-zehnten ist es ausgelobbert, dass sich immer die gleiche Männerrunde an bestimmten Tagen in Wirtschaften zum Trinken und Unterhaltung trafen. Der Grund: Autofahren und Alkohol passen nicht zusammen, man hat es sich abgewöhnt zu Fuß ins Dorf zu gehen. Im Übrigen gibt es kaum noch traditionelle Wirtschaften, die bis spät in die Nacht offen sind. Alles ändert sich, und jede Änderung lässt sich begründen.

Einen „Sonntagsbraten“ gab es früher. In aller Regel war es ein Schweinebraten mit Spätzle und Kartoffelsalat, im Sommer kam noch grüner Salat, im Winter rote Rübensalat auf den Tisch, denn Fleisch gab es die Woche über kaum. Nur an Festtagen aß man Gebratenes und Gesottenes. In der schlechten Zeit, gleich nach dem Krieg musste die Hausfrau „aus einem Nichts eine Suppe kochen“. Man lebte auch weiter bescheiden, weil man musste. „Exotisches Essen“ kam erst auf, als man sich anschickte zum Urlaub ins Ausland zu fahren. Vor 50 Jahren waren bei uns Döner oder Schaschlik nicht so recht bekannt.

Volkskunde beschäftigt sich mit dem heutigen und früheren Brauchtum und den Gründen weshalb es sich ändert. Auch ein Tätigkeitsfeld unseres Vereins. In den Rundbriefen erscheinen regelmäßig Artikel zu diesem Thema, und wir sammeln dazu auch (Foto-) Belege. Besitzen Sie solche, so stellen Sie diese doch bitte unserem Archiv zur Verfügung. Sie erhalten Ihre Originale selbstverständlich unbeschädigt zurück.   

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