s'Blättle

(Informationen, die auch im s'Blättle von Oberderdingen zu lesen sind)

Spolien

„Vermutlich ein Überrest des barocken Bauschmuckes aus dem neuen Sickinger Schloss“
„Vermutlich ein Überrest des barocken Bauschmuckes aus dem neuen Sickinger Schloss“

UImweltschutz gab es schon immer. Oft zwangsweise, und immer dann wenn man sparen musste, denn Reparaturen schonen knappe Ressourcen. Schaut man sich etwas im Dorf um, sieht man an manchen Häusern Steine eingemauert, die für diesen Platz wohl ursprünglich nicht gedacht (und gemacht!) waren. Einen Mauerstein aus einer Felswand zu brechen und ihn werkgerecht zuzurichten war aufwändiger, als einen Stein von einem abgängigen Gebäude in Zweitverwendung einzumauern. Ruinen gab es immer, denn Brandfälle kamen nicht nur in Kriegen vor. In solchen Fällen geschah das Recycling oft so, dass die Steine in Nebengebäude vermauert wurden. Man merkt es am Format und der Oberflächenbe-arbeitung, wenn so etwas passierte. „Ziersteine“ gab es, wenn Steine an und für sich anderer Zweckbestimmung in den neuen Mauerverbund integriert wurden. Z.B. eine steinerne Fußstütze eines gusseisernen Ofens. Man sieht so etwas an der Hausfassade in der Östlichen Bahnhofstraße von Sickingen. Der damit abgestützte (Wasseralfinger-) altdeutsche Eisenofen gehörte einem Bauer, denn er zeigt ein Pflugsech auf einer Pflugschar. Ein typisch bäuerliches Symbol.

Aber auch andere behauene Werksteine wurden manchmal „zweitverwendet“. Denn sie hatten ein Format, das leicht handhabbar war. Manchmal erkennt man die Zweitverwendung nicht auf den ersten Blick, besonders dann nicht, wenn der Stein umgedreht, und die nicht mehr passende Schauseite nach innen kam. Betrachtet man die Weinbergmauern am Weg vom Horn Richtung Bernhardweiher zu, erkennt man dort öfters die Zweitverwendung solcher Steine von Abbruchhäusern.

S p o l i e n   nennt man diese werkgerecht hergerichteten, aber nicht mehr in ursprünglicher Stelle befindlichen Fragmente aus älteren Bauten. Sie sind oft aussagekräftige Quellen zur Geschichte einer Siedlung. Ein solcher, für eine „Spolie“ vorgesehener Stein, kann auch „roh“ auf Lager liegen, wie der in einem Sickinger Keller unlängst aufgefundene Rest einer Sandsteineinfassung von einer Türe oder einem Fenster. Man kann sie mit einiger Vorsicht ins 18. Jahrhundert datieren. Wahrscheinlich stammt sie aus einem Anwesen, das früher der Herrschaft gehörte.

(0821)