s'Blättle

(Informationen, die auch im s'Blättle von Oberderdingen zu lesen sind)

Ein Derdinger war im Boxerkrieg

Anderthalb Monate Laufzeit für eine Postkarte aus China war um 1900 üblich, war der Aufgabeort verschlüsselt?
Anderthalb Monate Laufzeit für eine Postkarte aus China war um 1900 üblich, war der Aufgabeort verschlüsselt?

Alte Postkarten können Geschichten erzählen. Wie diese handgemalte aus der Chinesischen Stadt Tong-Ku. Dort hat sie der Gefreite Wilhelm Nuber am 12. Februar 1901 aufgegeben. Sie kam am 27. März 1901 in Derdingen bei Fräulein Christina Weigel an. Wilhelm Nuber war Teilnehmer des deutschen Expeditions-korps, das am 27. Juli 1900 in Bremerhaven eingeschifft wurde, und über Gibraltar, den Suezkanal, Aden, Colombo nach Singapur kam. Seine Einheit war die Ostasiatische Batterie schwerer Feld-haubitzen, diese wiederum ein Teil der alliierten Interventions-truppen aus den Staaten Japan, Russland, Großbritannien, Frankreich, USA, Deutsches Reich, Österreich-Ungarn und Italien.

Der Boxeraufstand, oder wie sich die Aufständischen nannten, die Bewegung „Fäuste der Gerechtigkeit und Harmonie“ wurde brutal niederge-schlagen. Die vereinigten acht Armeen hielten sich aus formalen Gründen nicht an das Völkerrecht und verstießen gegen funda-mentale humanitäre Grundsätze. Heute sieht man den seinerzeitigen Einsatz gegen die aufständischen Boxer anders als Kaiser Wilhelm II, der das Expeditionskorps mit seiner berüchtigten „Hunnenrede“ verabschiedete. Wilhelm Nuber aus dem Unterdorf ist in den 1920er Jahren nach Amerika ausgewandert. Ob noch Nach-fahren von Fräulein Christine Weigel leben, ist nicht bekannt, und auch nicht, ob sie weitere Erinnerungsstücke des Gefreiten Nuber aus  China besitzen. 

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