(Wander-)Ausstellung                                     "Kleindenkmäler im Landkreis"                 im Rathaus Oberderdingen vom 08. bis 22. April 2020

s'Blättle

(Informationen, die auch im s'Blättle von Oberderdingen zu lesen sind)

Kulturgut Friedhof

Vor 85 Jahren hatten die Friedhöfe bei uns ein ganz anderes Aussehen. Alles ändert sich halt.
Vor 85 Jahren hatten die Friedhöfe bei uns ein ganz anderes Aussehen. Alles ändert sich halt.

Die Vorstellung, dass Ahnen-forschung (Genealogie) ein verstaubtes Steckenpferd für Pensionäre sei, räumte Fritz Hahn von der Volkshochschule Mosbach bei seinem Vortrag am vergangenen Mittwoch im Flehinger Bahnhof gründlich ab. Es sind vorwiegend junge Leute, die Gräber fotografieren und so dokumentieren sie im Rahmen eines Volkshoch-schulprojekts bereits sämtliche Friedhöfe des Rhein-Neckar-Kreises. Dort kann man jetzt mit dem heimischen Computer das Grab der Großmutter besuchen (ansehen), auch recherchieren, wo Verwandte begraben liegen. Es dokumen-tieren Ehrenamtliche die heutige Friedhofskultur, bewahren das Andenken an Verwandte, leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Verständnis der Gesellschaft, dokumentieren Zeitgeschichte. Friedhöfe spiegeln die Gesellschaft. Vor Jahr-zehnten waren „FriedWald Gräber“ oder Kolumbarien noch nicht in Mode. Heute sind Familiengräber zumeist Tiefgräber, Urnengräber werden auf allen Friedhöfen vermehrt nachgefragt.

Ausgehend von dem vom Verein für Computergenealogie angeregten Projekt der Gräber-dokumentation, diskutierte die Runde lebhaft über weitere Möglichkeiten der genealogischen Computerrecherche. So gibt es eine von der Badischen Landesbibliothek ins Netz gestellte Zeitungsdatenbank, die nach Stichworten durchsucht werden kann. Oder das Projekt „Sterbebilder“ des Vereins für Computergenealogie. Hier sind die in katholischen Gemeinden früher üblichen Sterbebilder erfasst, oder man kann in einer weiteren Datenbank Todes-anzeigen von Zeitungen recherchieren. Es zeigte sich ganz deutlich, dass Genealogie auch etwas für „Computerfreaks“ sein kann.

So war in aufgelegten Büchern zu sehen, was man mit Excel-Tabellen in Ortschroniken oder Familienbüchern alles darstellen kann. Oder im kleineren Kreis sah man sich Projekte von Bilderchroniken an (wir sagen dazu im Heimatkreis „Ortsfamilienbücher“), und wie diese mit Texten erschlossen werden. Es zeigte sich deutlich, dass Genealogie alles andere als ein „altbackenes Pensionärs-Hobby“, sondern ein quicklebendiges Beschäftigen mit Volkskunde ist. Im Umlauf war eine kürzlich erschienene zweibändige Ortschronik von Büchenau mit vielen Bildern und „genealogischer Schlagseite“, deren Vorwort so beginnt: „Was man nicht aufschreibt und veröffentlicht,  geht verloren“. Wie Recht hat doch der Verfasser!

Übrigens: Die Gräber des Großvillarser Friedhofes sind dokumentiert, man kann sie im Internet besuchen.  

(0820)