s'Blättle

(Informationen, die auch im s'Blättle von Oberderdingen zu lesen sind)

Herbst

Herbst vor 50 Jahren im Gemeindeweinberg Gaisberg
Herbst vor 50 Jahren im Gemeindeweinberg Gaisberg

In den nächsten acht Tagen beginnt die „Lese“ in Derdingen. Zumindest bei den Weingütern. Blättert man einen Haus- und Landwirtschaftskalender des Jahres 1696 auf, so erfährt man was vor etwa 325 Jahren beim Weinbau im September zu tun war: „das verhauene Weinholz zu kleinen Bündeln gebunden getrocknet taugt für die Schafe zu Winterfutter“ .Dieser Satz bezog sich auf die restlichen Laubarbeiten im Weinberg. Denn erst für Mitte Oktober steht im Kalender: „Die Weinlese gehet nunmehrs an, wobey zu beachten, dass man nicht gar zu zeitlich - noch gar zu spat lesen lasse, indem der unzeitige Wein sauer ist, und der überzeitige Feuchtigkeit der Weinreben verursacht. Die beste Weinlese ist bey dem wachsenden Mond. Der rote Wein soll zeitlicher als der weiße gelesen werden. Wenn auf die zeitigen Weintrauben zwei oder drei Froste fallen, machen sie die Haut subtil, und geben dem Wein viel Süßigkeit. Nach der Weinlese soll man die Weinstöcke ordentlich an ihre Ort verwahren“. Aus diesen Hinweisen ausgangs des 17. Jahrhunderts lässt sich ableiten, dass seinerzeit das Klima bei uns rauer war und Fröste im Oktober für die Güte des Weines standen. Heute verdrängt man in den Weinbergen die alten hergebrachten Sorten z.B. den Trollinger und wechselt auf Gewächse, die in südlicheren Lagen heimisch sind. 

Unsere ursprünglich vorgesehene Zusammenkunft im Flehinger Bahnhof auf 17.9.20 fällt wegen der „Coronazeit“ aus. Wir stellen zurzeit die Texte und Bilder für den Rundbrief 60 zusammen, der wohl in ca. 14 Tagen in den Druck gehen kann. 

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