s'Blättle

(Informationen, die auch im s'Blättle von Oberderdingen zu lesen sind)

Pfingstlümmel

„Pfingstlümmel 1983“
„Pfingstlümmel 1983“

An Pfingsten ist der Winter vorbei, weshalb die Hirten und Hütebuben das Fest für sich reklamierten. Man „fährt“ mit dem Vieh raus. Der umgangs-sprachliche Ausdruck „geschmückt wie ein Pfingstochs“ erinnert an dieses längst vergangene Wirtschaften. Das leider jetzt in Oberderdingen verschwundene Brauchtum des „Pfingstlümmels“ geht auf Hirtenbräuche zurück. Ihn kennen nur noch die Alten. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte jede Unter- oder Oberdörfer Gasse ihren Pfingstlümmel. Kaum der Schule entwachsene Buben holten sich Hasel- und Erlenzweige und banden einen Kameraden damit von Kopf bis Fuß ein. Groß musste er daherkommen. Wer in dem grünen Zweigbündel steckte, das durfte man nicht erkennen. Er pfetzte mit seiner Rute die Mädchen und machte den kleinen Kindern ordentlich Angst. Nach dem Krieg lebte der Brauch nur noch sporadisch im Unterdorf auf, schlief aber dann in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts endgültig ein.

Alte Originalfotos vom „Pfingstlümmel“ sind nicht bekannt. Wer dennoch ein Originalbild besitzen sollte, das diesen Brauch abbildet, wird herzlich gebeten es zum Abscannen bereitzustellen. Es wäre sehr wichtig solches Brauchtum nicht nur schriftlich sondern auch mit Bildbelegen zu dokumentieren. Übrigens gab es Pfingstlümmel früher auch in Schützingen, Gündelbach und Zaisersweiher. Jetzt ist er auch dort verschwunden. Nur einmal in den 1980er Jahren wurde im Unterdorf ein Pfingstlümmel nachgebaut.      

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